- 14.01.2010, 17:38:45
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Strabag erhält Zuschlag für Ausbau von Mochovce
Greenpeace-Kritik am Tabubruch der heimischen Baufirma
Bratislava/Wien (OTS) - Wie die Umweltschutzorganisation
Greenpeace erfahren hat, erhielt die Strabag nun definitiv den
Zuschlag für den Fertigbau des slowakischen Atomkraftwerkes Mochovce.
"Für eine Handvoll Silberlinge verkauft Strabag-Chef Haselsteiner
Österreichs Anti-Atompolitik", so die empörte Reaktion von
Greenpeace-Sprecher Jurrien Westerhof.
Einer Bekanntgabe des slowakischen Amtes für öffentliches
Vergabewesen zufolge wird die Strabag für die Bauarbeiten an den
Reaktorblöcken 3 und 4 des Kraftwerkes Mochovce knapp 88 Millionen
Euro kassieren - also ein relativ kleiner Auftrag für den heimischen
Bauriesen, vergleichbar mit den Kosten von rund zehn Kilometern
Auto-bahn.
Derzeit sind am AKW-Standort Mochovce zwei Reaktoren des Typs WWER
440-213 in Betrieb, einer veralteten sowjetischen Reaktorart aus den
frühen 1970er-Jahren. Zwei weitere Reaktoren desselben Typs sollen
jetzt neu gebaut werden, entgegen allen gängigen Sicherheitsnormen
jedoch ohne Containment. "So würde bereits ein Flugzeugabsturz auf
das Kraftwerk mit ziemlicher Sicherheit eine nukleare Katastrophe
auslösen, und das gerade einmal 150 Kilometer von Wien entfernt",
warnt Greenpeace-Experte Westerhof.
Zudem basiert die Entscheidung, das Atomkraftwerk Mochovce
auszubauen, auf einem Beschluss der damaligen tschechoslowakischen
Regierung aus dem Jahr 1986. Auch alle Sicherheitsbescheide und
technischen Genehmigungen stammen noch aus dieser Zeit. Die aktuelle
slowakische Regierung und die italienische ENEL halten allerdings an
den Beschlüssen fest, nachdem eine Umweltverträglichkeitsprüfung auf
sehr mangelhafte Weise durchgeführt wurde: So hat man beispielsweise
überhaupt keine Alternativen in Betracht gezogen und damit die
Entscheidung, das Kraftwerk auszubauen, eigentlich bereits
antizipiert. Dagegen zieht Greenpeace nun rechtliche Schritte in
Erwägung. Und nicht zuletzt ist auch für den Atommüll keine andere
"Lösung" in Sicht, als ihn am Kraftwerksgelände selbst zu lagern.
Aus all diesen Gründen appelliert Greenpeace an
Strabag-Geschäftsführer Hans Peter Haselsteiner, sich aus dem
Geschäft mit Mochovce zurückzuziehen: "Wollen Sie für magere 88
Million Euro tatsächlich die gesamte bisherige Atompolitik
Österreichs unterwandern, Herr Haselsteiner?", so Westerhofs
abschließende (rhetorische) Frage.
Rückfragehinweis:
Attila Cerman, Greenpeace CEE; Tel.: 0664-3435354
DI Jurrien Westerhof, Greenpeace CEE; Tel.: 0664-6126701
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/99
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