- 07.11.2026, 09:23:33
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PVÖ an Agenda Austria: Wer höheres Pensionsalter fordert, muss Jobs für Menschen ab 50 sichern
Gerstorfer: Arbeitslosigkeit ab 50 seit 2005 mehr als verdoppelt. Österreich bei Beschäftigung Älterer deutlich unter dem EU-Schnitt.
„Wer bei einem Bonus-Malus-System für die Beschäftigung Älterer von ‚Selbstmord‘ spricht und dabei die Altersarbeitslosigkeit ausblendet, zeichnet ein schiefes Bild der Wirklichkeit“, erklärt Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ). Sie reagiert damit auf Aussagen von Hanno Lorenz (Agenda Austria) in der „Kronen Zeitung“. „Die Agenda Austria vergleicht gerne das Jahr 2005 mit 2025. Das machen wir auch, und zwar dort, wo es wehtut: bei den Menschen über 50, die keine Arbeit mehr finden.“
Plus 133 Prozent bei Frauen, plus 97 Prozent bei Männern
Laut AMS-Jahresdurchschnittsdaten waren 2005 insgesamt 46.509 Personen ab 50 Jahren arbeitslos vorgemerkt. 2025 waren es 97.684, ein Anstieg um 110 Prozent. Bei den Frauen 50+ stieg die Zahl von 16.769 auf 39.053 (plus 133 Prozent), bei den Männern 50+ von 29.740 auf 58.631 (plus 97 Prozent). „Die Zahlen sprechen für sich. Solange man in Beschäftigung ist, ist die Welt noch in Ordnung. Wer aber nach 50 den Job verliert, kommt nur sehr schwer oder gar nicht mehr zurück. Das bedeutet nicht nur Einkommensverlust mit allen Folgen, sondern auch Verlust an gesellschaftlicher Anerkennung und Selbstwert“, so Gerstorfer.
Anstieg bei Frauen vor allem gesetzlich bedingt
Dass die Beschäftigungsquote der 60- bis 64-Jährigen steigt, ist kein Beweis dafür, dass der Arbeitsmarkt von selbst funktioniert. „Den steilen Anstieg bei den Frauen gibt es vor allem deshalb, weil das gesetzliche Pensionsalter angehoben wird. Wer länger arbeiten muss, scheint eben länger in der Statistik auf. Ob die Betroffenen auch tatsächlich einen Arbeitsplatz haben, ist eine ganz andere Frage“, betont die PVÖ-Präsidentin.
Österreich im EU-Vergleich weit hinten
Bei der Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen liegt Österreich laut Eurostat mit 60,9 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 66,4 Prozent. Schweden und Tschechien kommen auf 78,3 Prozent, die Niederlande auf 75,8 Prozent, Deutschland auf 75,3 Prozent. „Wenn es um das Pensionsantrittsalter geht, schaut man gerne ins Ausland. Dann muss man das auch bei der Beschäftigung älterer ArbeitnehmerInnen tun. Da ist in Österreich noch viel Luft nach oben“, so Gerstorfer.
Anreiz und gesellschaftliche Verantwortung statt Panikmache
Der PVÖ unterstützt die Forderung, Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen. Sie sollen ältere Beschäftigte halten und auch neu einstellen. „Das ist weder Selbstmord noch sonst etwas Schlimmes. Es ist eine gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen. Man kann das gerne als Strafe bezeichnen, gemeint ist aber ein Anreiz: Wer ältere Menschen beschäftigt, profitiert davon“, stellt Gerstorfer klar. „Wer ständig die Erhöhung des Pensionsantrittsalters verlangt, muss auch akzeptieren, dass mit Nachdruck darauf geachtet wird, dass Menschen ab 50 echte Beschäftigungschancen haben.“ (Schluss)
Rückfragen & Kontakt
Pensionistenverband Österreichs
Generalsekretär Christian Rösner-El-Heliebi, MSc.
Mag. Susanne Ellmer-Vockenhuber, Bakk.
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