- 04.11.2026, 10:46:33
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Tag der Reinigungskraft: Gewerkschaft vida fordert bessere Arbeitsbedingungen und faire Auftragsvergabe
IFES-Studie zu Reinigung im Krankenhaus: Reinigungskräfte unter Druck – Arbeitszeitkürzungen oft unfreiwillig
Reinigungskräfte leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Hygiene in Krankenhäusern. Im Vorfeld des Internationalen Tags der Reinigungskraft am 8. November verweist die Gewerkschaft vida auf eine aktuelle Studie des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES), die Herausforderungen bei Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz und Arbeitsbelastung aufzeigt. vida fordert daher eine faire Vergabe von Reinigungsaufträgen nach Qualitäts- und Sozialkriterien sowie die Umstellung auf Tagreinigung, wo immer dies möglich ist. „Wer bei der Reinigung nur auf den billigsten Preis schaut, spart oft am falschen Platz. Gute Reinigungsqualität braucht qualifiziertes Personal, ausreichend Zeit für die Tätigkeit und faire Arbeitsbedingungen. Das Beispiel der Krankenhausreinigung veranschaulicht sehr gut, dass nicht der niedrigste Preis über den Zuschlag entscheiden darf, weil es hier um Qualität gehen muss“, betont Gernot Kopp, vida-Fachbereichsvorsitzender Gebäudemanagement.
IFES-Studie zeigt Handlungsbedarf in mehreren Bereichen
Für die Studie „Reinigungskräfte im Spitalsbereich“ wurden 368 Reinigungskräfte zwischen Dezember 2025 und April 2026 online befragt. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild der Arbeitsbedingungen: Zwar ist die berufliche Zufriedenheit bei Reinigungskräften im Spital insgesamt höher als bei Beschäftigten außerhalb. Gleichzeitig bestehen aber Herausforderungen etwa bei der Arbeitszeitgestaltung und im Umgang mit Mehrbelastungen und Krankheit.
30 Prozent der Befragten haben ihre Arbeitsstunden in den vergangenen drei Jahren aufgestockt oder erhöht, bei elf Prozent wurden sie reduziert. Besonders problematisch: 56 Prozent jener, deren Arbeitszeit reduziert wurde, geben an, dass die Verringerung vom Arbeitgeber gewünscht war. Auch die gesundheitlichen Belastungen sind relevant: Am häufigsten berichteten die Befragten davon, krank arbeiten gehen zu müssen.
Darüber hinaus untersuchte die Studie unter anderem Zeitdruck, psychische Belastungen, ungünstige Gesundheitsbedingungen am Arbeitsplatz und fehlende Unterstützung durch Führungskräfte. Bei mehreren Belastungsfaktoren schnitten Reinigungskräfte außerhalb des Spitals noch schlechter ab als jene im Spitalsbereich.
„Die Studie zeigt, dass die berufliche Zufriedenheit allein kein ausreichender Maßstab für die Arbeitsbedingungen ist. Entscheidend sind auch die Entwicklung der Arbeitsstunden, der Umgang mit Krankheit und die Belastungen im Arbeitsalltag. Wenn Beschäftigte krank arbeiten gehen müssen, stellt sich die Frage nach ausreichenden Personalressourcen, Vertretungsmöglichkeiten und gesundheitsgerechten Arbeitsbedingungen“, erklärt Stefan Friesenbichler, Autor der Studie und wissenschaftlicher Projektleiter am IFES.
Bei den beruflichen Zukunftsperspektiven zeigt sich der Wunsch nach Kontinuität: 44 Prozent der Befragten möchten langfristig in ihrer derzeitigen Position und Tätigkeit bleiben. 15 Prozent streben eine höhere berufliche Position an, während acht Prozent einen anderen Arbeitsbereich oder einen vollständigen Berufs- bzw. Branchenwechsel erwägen. Ein Viertel ist noch unentschlossen oder macht keine Angabe.
„Anhand der Studienergebnisse wird deutlich, wie wichtig es ist, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Beschäftigte ihren Beruf langfristig gesund ausüben können und zudem berufliche Perspektiven haben“, fasst Friesenbichler zusammen.
vida: Qualität und soziale Verantwortung müssen bei der Vergabe zählen
Aus Sicht der Gewerkschaft hängen gute Reinigungsleistungen und faire Arbeitsbedingungen eng zusammen. Werden Aufträge vor allem nach dem niedrigsten Preis vergeben, steigt der wirtschaftliche Druck auf die Unternehmen – zulasten der Beschäftigten und der Qualität der Leistung.
Die vida fordert daher, bei der Vergabe von Reinigungsdienstleistungen konsequent auf das Bestbieterprinzip zu setzen. Neben dem Preis müssen nachvollziehbare Qualitäts- und Sozialkriterien entscheidend sein. Dazu zählen etwa qualifiziertes und regelmäßig geschultes Personal, geeignete technische Ausstattung, Qualitätsmanagement, ausreichende Personalreserven und stabile Beschäftigungsverhältnisse. Bereits 2018 hat vida dafür einen eigenen, umfassenden Kriterienkatalog erarbeitet. Er zeigt, wie Qualitäts- und Sozialkriterien in Ausschreibungen verankert und die vereinbarten Leistungen während der Vertragslaufzeit kontrolliert werden können.
„Wir fordern seit Jahren, dass nicht der Billigstbieter, sondern das wirtschaftlich und qualitativ beste Angebot zum Zug kommen muss. Wer professionelle Reinigung will, muss dafür ausreichend Personal, realistische Leistungsvorgaben, gute Ausbildung und faire Arbeitsbedingungen sicherstellen. Öffentliche Auftraggeber haben hier eine besondere Verantwortung und sollten mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt Kopp.
Regierungsziele müssten sich klar in den Zuschlagskriterien widerspiegeln, fordert der vida-Gewerkschafter zudem klare „Knock-out-Kriterien“: Anbieter, die vorgegebene Kriterien wie z.B. regelmäßige Weiterbildung, Gesundheitsförderung oder Arbeiten im Alter nicht erfüllen, müssten vom Vergabeverfahren ausgeschlossen werden.
Tagreinigung: bessere Vereinbarkeit und mehr Austausch
Wo es betrieblich möglich ist, fordert die Gewerkschaft die Umstellung auf Tagreinigung. Sie kann die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessern, erhöht die Sichtbarkeit der Tätigkeit und kann den Austausch mit anderen Beschäftigten und Führungskräften erleichtern. Gerade in Krankenhäusern müssen dabei Hygieneanforderungen, Betriebsabläufe und die Bedürfnisse der Patient:innen berücksichtigt werden. „Reinigungskräfte leisten jeden Tag unverzichtbare Arbeit und verdienen Anerkennung. Wo es möglich ist, wollen wir die Reinigung aus den frühen Morgen- und späten Abendstunden herausholen und Tagreinigung etablieren. Das kann die Zusammenarbeit verbessern und die Arbeit besser in den Alltag integrieren“, so Kopp.
Im Vorfeld des Internationalen Tags der Reinigungskraft appelliert die vida an Auftraggeber, Krankenhausträger und politische Entscheidungsträger, faire Vergabe und gute Arbeitsbedingungen für Reinigungskräfte sicherzustellen. „Denn hochwertige Reinigung braucht entsprechende Rahmenbedingungen und darf nicht auf Kosten der Beschäftigten gehen“, bekräftigt Kopp.
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Julia Guthan
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