- 04.11.2026, 08:34:02
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Greenpeace kritisiert Klimastudie der WKO und erhebt schwere Vorwürfe gegen Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung
Klimastudie der IV im Auftrag der WKO verletzt Grundlagen seriöser Wissenschaft. Greenpeace wird Herausgabe der unter Verschluss gehaltenen Vollstudie durch Klage erwirken
Greenpeace erhebt schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit einer aktuellen Klima-Studie der WKO. Die WKO hatte die Studie beim vom Chefökonomen der Industriellenvereinigung Christian Helmenstein geleiteten Institut Economia beauftragt. Greenpeace beruft sich in ihrer Kritik auf einen heute in der “Presse” veröffentlichten Kommentar zweier führender Ökonom:innen des Landes, Sigrid Stagl und Karl Steiniger. In ihrem Kommentar legen sie dar, warum die Studie eher als politisches PR-Instrument denn als seriöse wissenschaftliche Analyse zu verstehen ist. Da die WKO trotz Aufforderung die vollständige Veröffentlichung der Studie verweigert, wird Greenpeace deren Herausgabe rechtlich über das Umweltinformationsgesetzes (UIG) sowie des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) erzwingen.
Adam Pawloff, Programmdirektor bei Greenpeace in Österreich, kritisiert: „Die Wirtschaftskammer betreibt dreiste Augenauswischerei und befeuert die öffentliche Debatte mit verzerrten Schreckensszenarien. Was die WKO als wissenschaftliche Studie verkauft, ist in Wahrheit eine 14-seitige Foliensammlung ohne nachvollziehbare methodische Substanz. Für Greenpeace ist es ein Skandal, dass WKO-Generalsekretär Danninger mit einer derart unhaltbaren Studie Stimmung gegen den Klimaschutz macht und die Grundlagen der Berechnung wie ein Staatsgeheimnis unter Verschluss hält.“
Wissenschaftliches Debakel: Wenn die Annahme das Ergebnis erfindet
Sowohl die WKO als auch das beauftragte Economica-Institut verweigerten Greenpeace die Herausgabe der vollständigen Studie unter Verweis auf angebliche „vertrauliche Unternehmensdaten“. Die Analyse von Stagl und Steininger bringt das Konstrukt der Kammer mit folgenden Kritikpunkten nun ins Wanken:
- Intransparente Berechnungen: Die WKO präsentiert dramatische Kostenprognosen, bleibt aber jeden wissenschaftlichen Nachweis schuldig. Die Annahmen auf den 14 Folien sind weder nachvollziehbar noch überprüfbar.
- Fossiler Stillstand: Die WKO setzt in ihrer Rechnung auf ein Schneckentempo bei der E-Mobilität. Der tatsächliche Hochlauf sauberer Antriebe wird im Modell drastisch unterschätzt, um fossile Abhängigkeiten künstlich fortzuschreiben.
- Verzerrter Vergleichsmaßstab: Die behauptete Dieselpreis-Verteuerung von 95 Cent ist ein reines Rechenartefakt eines willkürlich gewählten Referenzszenarios – keine belastbare Prognose für die Realität.
- Rechtliche Realität ausgeblendet: Das Rechenmodell verschweigt die im Gesetz eingebauten Schutzschirme – wie etwa Preisobergrenzen, die eine Kostenexplosion verhindern, sowie Anreize für saubere E-Mobilität.
- Nutzen der Transformation verschwiegen: Geringere Abhängigkeit von teuren Öl-Importen, vermiedene Schäden im Geopolitik- und Gesundheitsbereich sowie technologische Innovationsgewinne werden überhaupt nicht berücksichtigt.
Besonders relevant ist dabei die Entwicklung der Elektromobilität: Ein Blick nach Nordeuropa zeigt eindrucksvoll, was in kürzester Zeit möglich ist – Dänemark lag bereits 2025 bei einem E-Auto Bestandsanteil von 18 Prozent, Norwegen sogar bei 32 Prozent. „Angesichts dieser Dynamik für das Jahr 2035 bloß von einem Anteil von 25 Prozent E-Autos am Bestand auszugehen, ist schlicht absurd. Offensichtlich wurde das gewünschte Ergebnis bereits in den Annahmen verankert”, so Pawloff.
Greenpeace wird die Unterlagen falls nötig gerichtlich erzwingen
Um dieser gezielten Irreführung ein Ende zu setzen, fordert Greenpeace die vollumfängliche Transparenz ein. „Man kann über politische Zielpfade unterschiedlicher Meinung sein. Aber die Öffentlichkeit mit einem als Studie getarnten Lobbypapier falsch zu informieren, greift die demokratische Debattenkultur frontal an“, betont Pawloff. Greenpeace hat die Herausgabe aller Dokumente und Berechnungsgrundlagen mittels Umweltinformationsgesetz (UIG) sowie Informationsfreiheitsgesetz (IFG) beantragt. Sollte die WKO die Herausgabe der Unterlagen weiterhin blockieren, wird Greenpeace die Herausgabe auf dem Gerichtsweg erwirken.
Greenpeace fordert von der Bundesregierung das Erneuerbare-Energie-Gesetz Verkehr und ein ambitioniertes Klimagesetz mit dem verbindlichen Ziel Klimaneutralität 2040 ohne Abstriche und ohne Rücksicht auf die fossile Scheinwelt der WKO umzusetzen.
Inhalte auf einen Blick
Thema / Anlass: WKO und IV veröffentlichen intransparente PR-Folien ("Economica-Studie") gegen das Erneuerbare-Energie-Gesetz Verkehr (EEG-V) und verweigern die Herausgabe der Berechnungsdaten.
Datenbasis / Ergebnis: Unabhängige Ökonomen zerlegen die WKO-Ergebnisse als unvollständiges Rechenartefakt starrer Modellannahmen. Die WKO verweigert die Einsichtnahme unter Verweis auf Betriebsgeheimnisse.
Hauptforderung: Vollständige Transparenz und Veröffentlichung aller Datengrundlagen der WKO-Studie; konsequenter Beschluss des Erneuerbare-Energie-Gesetzes Verkehr und Festhalten am Ziel Klimaneutralität 2040.
Adressat:in: WKO (Karlheinz Danninger et al.), Bundesregierung / BMLUK & BMIMI.
Quelle / Material: Greenpeace Österreich / UIG- und IFG-Antrag / Kommentar unabhängiger Wirtschaftsforscher:innen.
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