• 04.11.2026, 06:00:43
  • /
  • OTS0001

Greenpeace und GLOBAL 2000: PFAS-Grenzwert schützt Kinder nicht ausreichend

Kinder und Erwachsene durch PFAS-Grenzwerte gefährdet – Neues Gutachten empfiehlt höchstens 4 Nanogramm PFAS-4 – Werte aus Schwechat lagen zuletzt bei mehr als dem Doppelten

Wien/Schwechat (OTS) - 

Erhöhte PFAS-4-Belastungen im Leitungswasser in Schwechat und Mannswörth zeigen aus Sicht von Greenpeace und GLOBAL 2000 eine Schutzlücke bei den österreichischen Trinkwassergrenzwerten. Ein neues toxikologisches Expertengutachten des schwedischen Toxikologen Mattias Öberg (Karolinska Institutet) im Auftrag von Greenpeace und GLOBAL 2000 zeigt klar: Trinkwasser darf nicht mehr als vier Nanogramm der besonders gefährlichen PFAS-4 pro Liter enthalten.

Im Mai 2026 wurde bekannt, dass das Grundwasser und zahlreiche private Hausbrunnen im Umfeld der OMV-Raffinerie Schwechat großflächig mit Ewigkeitschemikalien belastet sind. Gleichzeitig stiegen die PFAS-4-Werte im Schwechater Trinkwasser seit Jahresbeginn deutlich an: Lag der Wert im Jänner mit 2,1 Nanogramm pro Liter noch unter dem schwedischen Grenzwert von vier Nanogramm, kletterte er bis Juli auf 8,4 Nanogramm. Eine unabhängige GLOBAL-2000-Messung im Mannswörther Leitungswasser ergab im Mai bereits 6,4 Nanogramm. Ein Zusammenhang zwischen dieser Grundwasserverschmutzung und den PFAS-Werten im öffentlichen Leitungswasser ist nicht belegt.

Gutachten zeigt deutliche Schutzlücke bei österreichischem Grenzwert
In Österreich gilt seit 2026 ein Grenzwert von 100 Nanogramm pro Liter für die Summe von 20 PFAS. Er wurde festgelegt, bevor die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA 2020 PFAS-4 neu bewertete, und enthält keine eigene Obergrenze für PFAS-4. Das neue Expertengutachten zeigt: Der österreichische Grenzwert von 100 Nanogramm schützt nicht genügend. Wird er durch PFAS-4 voll ausgeschöpft, schluckt ein vierjähriges Kind allein über das Trinkwasser das 14-Fache der verträglichen Menge, Erwachsene knapp das Fünffache. Und da sind belastete Lebensmittel noch gar nicht mitgerechnet.

Madeleine Drescher, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich: „Schwechat zeigt sehr konkret, wo das Problem liegt: Der österreichische Grenzwert wird zwar eingehalten, gleichzeitig lagen die besonders problematischen PFAS-4 zuletzt doppelt so hoch wie der schwedische Grenzwert. Das neue Gutachten zeigt, dass unsere Trinkwasserregeln besonders Kinder nicht ausreichend schützen. Österreich braucht deutlich strengere PFAS-Grenzwerte und einen eigenen Grenzwert von höchstens vier Nanogramm für PFAS-4.”

Kinder besonders betroffen
Kinder trinken im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Wasser als Erwachsene. Zudem beeinträchtigen PFAS nachweislich das kindliche Immunsystem – genau diese Gefahr ist die Grundlage für den EFSA-Wert. Bereits bei vier Nanogramm PFAS-4 pro Liter deckt das Trinkwasser mehr als die Hälfte der Dosis ab, die ein vierjähriges Kind pro Woche höchstens aufnehmen darf. Zählt man das Essen dazu, nimmt nach Berechnungen der schwedischen Gesundheitsbehörden jedes dritte Kleinkind zu viel PFAS auf. Mit den zuletzt gemessenen 8,4 Nanogramm füllt allein das Schwechater Trinkwasser die wöchentliche PFAS-Dosis bereits zu 120 Prozent. Nahrungsmittel und andere Quellen kommen dann noch dazu.

Dr. Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000: „Die 100 Nanogramm für PFAS-20 im Trinkwasser sind kein gesundheitlich abgeleiteter Grenzwert. Für die besonders gefährlichen PFAS-4 liegen bereits vier Nanogramm am oberen Ende des aus der EFSA-Bewertung abgeleiteten Bereichs. PFAS-4 reichern sich über Jahre im Körper an, Belastungen aus Lebensmitteln kommen dazu. Deshalb braucht Österreich einen eigenen PFAS-4-Grenzwert – zum Schutz aller, besonders aber der Kinder.“

Greenpeace und GLOBAL 2000 fordern einen eigenen PFAS-4-Grenzwert von höchstens vier Nanogramm pro Liter. Die Stadt Schwechat muss zudem die neuen Messergebnisse rasch veröffentlichen und transparent klären, woher die PFAS-Belastung im Trinkwasser stammt und wie sie reduziert werden kann.

Das Expertengutachten und die Ergebnisse der Messung des Mannswörther Leitungswassers finden Sie unter: act.gp/4yQl67y
Die Ergebnisse der behördlichen Trinkwasseruntersuchung in Schwechat finden Sie unter: https://www.schwechat.gv.at/Wasserwerte

Inhalte auf einen Blick

  • Anlass: Neues toxikologisches Gutachten zeigt Schutzlücke bei PFAS-Grenzwerten für Trinkwasser
  • Ergebnis: Das Gutachten empfiehlt für PFAS-4 höchstens 4 ng/L, für kleine Kinder ergäbe sich sogar ein Wert von rund 1 ng/L. In Schwechat wurden zuletzt 8 ng/L PFAS-4 gemessen. Für PFAS-4 gibt es in Österreich keinen eigenen Grenzwert.
  • Hauptforderungen: Deutlich strengere PFAS-Trinkwassergrenzwerte, ein eigener PFAS-4-Grenzwert von höchstens 4 ng pro Liter.
  • Akteur/Adressat: Gesundheitsministerium und Stadt Schwechat.
  • Quelle/Material: Greenpeace & GLOBAL 2000 / act.gp/4yQl67y

Rückfragen & Kontakt

Madeleine Drescher
Konsumexpertin
Greenpeace Österreich
Tel.: + 43 664 8817 2243
E-Mail: [email protected]

Dr. Helmut Burtscher-Schaden
Umweltchemiker
GLOBAL 2000
Tel.: +43 699 14 2000 34
E-Mail: [email protected]

Magnus Reinel
Pressesprecher
Greenpeace in Österreich
Tel.: + 43 664 8817 2210
E-Mail: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | GRP

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel