• 02.11.2026, 13:50:33
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OeNB/BMF: Austausch zu Finanzmarktstabilität und Finanzbildung

OeNB-Direktorium spricht mit Marterbauer und Eibinger-Miedl über Finanzmarktstabilität und Finanzbildung

Foto: Thomas Steiner (OeNB), Barbara Eibinger-Miedl (BMF), Martin
Kocher (OeNB), Markus Marterbauer (BMF), Edeltraud Stiftinger
(OeNB), Josef Meichenitsch (OeNB); Copyright OeNB.
Wien (OTS) - 

Im Rahmen des regelmäßigen Austauschs trafen OeNB-Gouverneur Martin Kocher, Vizegouverneurin Edeltraud Stiftinger, Direktor Josef Meichenitsch und Direktor Thomas Steiner mit Finanzminister Markus Marterbauer und Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Finanz- und Wirtschaftsthemen, insbesondere die Finanzmarktstabilität sowie die Bedeutung von Finanzbildung für die langfristige finanzielle Vorsorge – auch im Rahmen des geplanten Zukunftsdepots. Aus Sicht der OeNB ist es wesentlich, neue Möglichkeiten der langfristigen finanziellen Vorsorge durch entsprechende Finanzbildungsangebote zu begleiten.

Finanzmarktstabilität: Bankensektor zeigt sich widerstandsfähig

Der österreichische Bankensektor zeigt sich trotz des herausfordernden wirtschaftlichen und geopolitischen Umfelds weiterhin widerstandsfähig. Die Profitabilität der vergangenen Jahre hat die Kapitalausstattung der Banken gestärkt. Ende 2025 lag die harte Kernkapitalquote bei 19 Prozent und damit deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16,8 Prozent. Gleichzeitig bleiben Risiken insbesondere im Gewerbeimmobiliensektor bestehen. Die laufende Beobachtung möglicher Risiken und die Sicherung der Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems bleiben daher zentrale Aufgaben.

Im Austausch wurde die Bedeutung eines stabilen und leistungsfähigen Finanzsystems für die österreichische Wirtschaft unterstrichen. „Die österreichischen Banken verfügen über eine solide Kapitalausstattung und sind damit gut aufgestellt, um auch in einem herausfordernden Umfeld ihre wichtige Funktion für Unternehmen und private Haushalte zu erfüllen. Gleichzeitig müssen wir bestehende und neue Risiken weiterhin genau im Blick behalten“, so OeNB-Gouverneur Martin Kocher.

„Trotz eines sehr herausfordernden internationalen Umfelds zeigt sich der Finanzmarkt in den vergangenen Jahren stabil. Umso wichtiger ist es aber auch weiterhin, die Budgetkonsolidierung im Auge zu behalten. Steigende Zinsen und der Verlust des Vertrauens der Finanzmärkte würden zu einem deutlichen Anstieg des Budgetdefizits führen. Wir investieren aber lieber in Bildung, Pflege, das Gesundheitswesen und die Alterssicherung, als in hohe Zinszahlungen“, so Finanzminister Markus Marterbauer.

Zukunftsdepot: Nur etwas mehr als die Hälfte der Menschen versteht Zinseszinseffekt

Während Österreich bei der Finanzkompetenz im internationalen Vergleich gut abschneidet, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen OeNB-Erhebung, dass in einigen Bereichen weiterhin Verbesserungspotenzial besteht: Zwar haben 93 Prozent der Befragten bei Finanzproduktentscheidungen Informationen oder Beratung eingeholt, allerdings nutzten nur 42 Prozent dabei auch unabhängige Quellen. 51 Prozent griffen ausschließlich auf nicht unabhängige Informationen zurück, etwa von Produktanbietern, aus Werbung oder dem persönlichen Umfeld. Lediglich 44 Prozent verglichen Finanzprodukte unterschiedlicher Anbieter. Etwa die Hälfte der Befragten setzt sich langfristige finanzielle Ziele.

Beim Wissen über langfristige Geldanlage zeigen sich noch Lücken: Nur 57 Prozent der Befragten konnten eine Frage zum Zinseszins richtig beantworten, 81 Prozent jene zur Risikostreuung und lediglich 35 Prozent wussten über den Zusammenhang zwischen Marktzinsen und Anleihepreisen Bescheid. Zwar sparen rund 85 Prozent der Menschen in Österreich aktiv Geld, aber ein klarer Zusammenhang zwischen Finanzwissen und Veranlagung zeigt sich nur bei mittleren und höheren Einkommen. Finanzbildung kann den finanziellen Spielraum nicht ersetzen – sie hilft aber, ihn bestmöglich zu nutzen.

„Wer über entsprechendes Finanzwissen verfügt, trifft bessere Entscheidungen im Leben. Unser Ziel ist es, allen Österreicherinnen und Österreichern das nötige Rüstzeug mitzugeben, um fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen und ihre Zukunft eigenverantwortlich zu gestalten. Mit dem Zukunftsdepot wollen wir bereits bei unseren Jüngsten ansetzen und ihnen neue Chancen für den langfristigen Vermögensaufbau eröffnen. Entscheidend ist dabei, dass wir nicht nur neue Möglichkeiten schaffen, sondern auch das notwendige Wissen vermitteln, um Chancen und Risiken richtig einschätzen zu können. Mit der neuen Nationalen Finanzbildungsstrategie und der engen Zusammenarbeit mit der Oesterreichischen Nationalbank setzen wir genau hier an. Denn wer früh lernt, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen, schafft die beste Grundlage für finanzielle Unabhängigkeit und eine selbstbestimmte Zukunft“, so Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl.

„Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig unabhängige, verständliche und auf unterschiedliche Lebenssituationen abgestimmte Finanzbildungsangebote sind. Wer langfristig vorsorgen möchte, sollte die unterschiedlichen Möglichkeiten sowie deren Chancen und Risiken verstehen. Das gilt auch für das geplante Zukunftsdepot. Deshalb ist es wichtig, Vorhaben wie dieses von Beginn an mit qualitätsgesicherter Finanzbildung und Beratung zu begleiten. Die Nationalbank stellt dafür ihre unabhängige Expertise zur Verfügung“, so Kocher abschließend.

Mit der kürzlich beschlossenen Nationalen Finanzbildungsstrategie 2027–2035 wird die Zusammenarbeit zwischen OeNB, BMF und weiteren Partnerinstitutionen fortgesetzt. Ziel ist es, Finanz- und Wirtschaftswissen breiter zu verankern und Menschen in Österreich dabei zu unterstützen, fundierte und eigenverantwortliche finanzielle Entscheidungen zu treffen. Was das bedeutet, zeigen die vier Praktiken der Strategie: Beiträge realistisch einplanen und einen finanziellen Puffer behalten (verantwortungsvoll mit Geld umgehen), den langen Anlagehorizont nutzen (langfristig planen), Chancen und Risiken von Kursschwankungen abwägen (bewusst entscheiden) und sich unabhängig informieren und beraten lassen (verlässlichen Rat holen).

OeNB Report 2026/28: International Survey of Adult Financial Literacy 2026

Rückfragen & Kontakt

Oesterreichische Nationalbank
Mag. Marlies Schroeder, MiM
Telefon: +43-1-404 20-6900
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.oenb.at

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