• 30.10.2026, 11:01:02
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Eisenbahn: Evakuierungen von Zügen müssen regelmäßig trainiert werden

Gewerkschaft vida fordert einheitliche Ausbildungsstandards sowie regelmäßige praktische Übungen für Zugpersonal bei Notfallsituationen

Wien. (OTS) - 

Der Bericht in der ZIB 2 von gestern, Donnerstag, zeigt, dass sich alle österreichischen Eisenbahnunternehmen ihrer Verantwortung in Notfallsituationen mehr bewusstwerden müssen. Beschäftigte berichten im ORF-Beitrag darüber, dass praktische Schulungen im Zusammenhang mit Evakuierungen in Tunnelanlagen teilweise bereits mehrere Jahre zurückliegen und die Ausbildung nicht immer strecken- und tunnelspezifische Inhalte umfasse.

„Wer im Ernstfall Verantwortung für hunderte Fahrgäste trägt, muss wissen, was zu tun ist. Das kann man nicht ausschließlich in einer Grundausbildung lernen und trainieren. Räumungen und Evakuierungen müssen regelmäßig und möglichst realitätsnah praktisch trainiert werden“, fordert Gerhard Tauchner, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der Gewerkschaft vida.

Der Vorfall mit dem ICE 90 in Wien, der im Sommer 2025 in einem Tunnel liegen blieb, bei dem Fahrgäste bei der Evakuierung mehrere Stunden im Zug verharren mussten, hat die Bedeutung von regelmäßigen Notfalltrainings bewusst gemacht. Die Prüfung dieses Vorfalls durch die oberste Eisenbahnbehörde ist nach 15 Monaten noch immer nicht abgeschlossen, kritisiert Tauchner.

Der vida-Gewerkschafter fordert eine grundlegende Weiterentwicklung der Ausbildung: „Die Eisenbahnbranche hat sich verändert. Moderne Fahrzeuge mit hohen Fahrgastkapazitäten, Doppelstockzüge, neue Railjet-Generationen und neue Infrastrukturanlagen wie der Koralm-Tunnel stellen neue Anforderungen an das Zugpersonal. Mit dieser Entwicklung muss auch die praktische Ausbildung Schritt halten.“

Die Gewerkschaft vida fordert daher verbindliche und einheitliche Mindeststandards bezüglich der Besetzung von Zügen mit Personal sowie auch für Räumungs- und Evakuierungsschulungen. „Das muss für allen Eisenbahnunternehmen gelten“, bekräftigt Tauchner.

Die Eisenbahnen könne hier von anderen Verkehrsträgern lernen. „In der Luftfahrt ist eine Mindestanzahl für Flugbegleiter pro Sitzplatz vorgeschrieben. In Eisenbahnunternehmen gibt es dies nicht. Das bedeutet wiederum, das Züge mit Kapazitäten von bis zu 500 Reisenden ohne Zugbegleiter in Regional- und Lokalverkehr unterwegs sein dürfen. So eine Situation wäre in der Luftfahrt undenkbar“, verdeutlicht Tauchner.

In der Luftfahrt sei es selbstverständlich, sicherheitsrelevante Abläufe regelmäßig zu trainieren. „Diesen Anspruch brauchen wir auch auf der Schiene. Es muss auch bei den Eisenbahnen Ziel sein, dass im Ernstfall niemand in der Praxis mit einer Notfallsituation konfrontiert sein darf, die vorher nur einmal in der Grundausbildung trainiert wurde“, so Gerhard Tauchner.

„Man kann jedenfalls nicht einzelne Beschäftigte für Vorfälle bei den Bahnen verantwortlich machen. Sicherheit ist eine Systemaufgabe. Wer von den Beschäftigten verlangt, dass sie dazu in der Lage sein müssen, im Ernstfall Verantwortung zu übernehmen, der muss ihnen auch regelmäßig die Möglichkeit zu notwendigen Ausbildungen und zum Trainieren von praktischer Handlungssicherheit geben“, betont Tauchner.

Wichtig in Notfallsituationen sei auch, dass das Zugpersonal die Möglichkeit haben muss, den Dienst immer gut ausgeruht antreten zu können. „Dafür braucht es ausreichende Ruhezeiten zwischen zwei Dienstschichten“, verweist Tauchner darauf, dass dies auch bei den aktuell laufenden Kollektivvertragsverhandlungen von der Gewerkschaft vida thematisiert und eingefordert wird.

Rückfragen & Kontakt

Gewerkschaft vida / Öffentlichkeitsarbeit
Hansjörg Miethling
Telefon: +43 664 6145 733
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.vida.at

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