- 29.10.2026, 11:21:02
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ÖGB-Frauen: Kinderbetreuung ist keine Privatsache, sondern eine öffentliche Aufgabe
Steiner: „Solange Frauen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit leisten, bleibt echte Gleichstellung außer Reichweite“
Die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bestätigen, was viele Frauen seit Jahren erleben: Unbezahlte Sorgearbeit wird überwiegend von Frauen geleistet. Das gilt nicht nur innerhalb des eigenen Haushalts, sondern auch darüber hinaus. Freundinnen, Großmütter, Nachbarinnen oder andere Bezugspersonen übernehmen Betreuungspflichten und schließen damit Lücken, die durch fehlende öffentliche Angebote entstehen.
„Dass immer mehr Menschen auf private Netzwerke angewiesen sind, um Kinderbetreuung und Pflege zu organisieren, ist kein Zeichen funktionierender Familienpolitik. Es zeigt vielmehr, dass der Staat seiner Verantwortung nicht ausreichend nachkommt“, sagt Sandra Steiner, gf. Bundesfrauenvorsitzende des ÖGB.
Die Studie zeigt zudem, dass rund zwei Drittel der unbezahlten Sorgearbeit außerhalb des eigenen Haushalts von Frauen geleistet werden. Für Steiner ist klar: „Diese ungleiche Verteilung hat direkte Folgen für die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen. Wer Betreuung organisiert, Angehörige unterstützt oder Kinder versorgt, hat oft weniger Zeit für Erwerbsarbeit, Weiterbildung oder Karriereentwicklung. Das verschärft Einkommensunterschiede und erhöht das Risiko von Altersarmut.“
Kinderbetreuung ausbauen statt auf private Netzwerke vertrauen
Dass Freundinnen und Freunde bei der Organisation von Betreuung eine immer größere Rolle spielen, dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass flächendeckende und qualitativ hochwertige Kinderbildung und Kinderbetreuung eine öffentliche Aufgabe sind.
„Es kann nicht vom Glück abhängen, ob Großeltern in der Nähe wohnen oder ein unterstützendes soziales Umfeld vorhanden ist. Jedes Kind hat Anspruch auf gute Bildungs- und Betreuungsangebote, und jede Familie muss sich darauf verlassen können, dass diese auch verfügbar sind“, betont Steiner.
Gerade viele Frauen würden ihre Arbeitszeit nicht freiwillig reduzieren, sondern weil passende Betreuungsangebote fehlen. Das bremst die Erwerbsbeteiligung, verschärft den Fachkräftemangel und kostet die gesamte Gesellschaft Wohlstand und Entwicklungschancen.
ÖGB-Frauen fordern flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung
Die ÖGB-Frauen erneuern daher ihre Forderungen nach einem umfassenden Ausbau der Kinderbildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen:
- Rechtsanspruch auf einen ganztägigen, ganzjährigen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag.
- Flächendeckender Ausbau hochwertiger Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen in ganz Österreich.
- Öffnungszeiten, die mit den Arbeitszeiten der Eltern vereinbar sind.
- Ausreichende Finanzierung durch Bund, Länder und Gemeinden.
- Bessere Arbeitsbedingungen, höhere Personalschlüssel und faire Bezahlung für Beschäftigte in der Elementarpädagogik.
„Investitionen in Kinderbildung und Kinderbetreuung sind keine bloßen Kosten, sondern stärken Gleichstellung, Chancengerechtigkeit und unsere wirtschaftliche Zukunft. Wer es mit echter Gleichstellung ernst meint, muss dafür sorgen, dass Frauen nicht länger die Versäumnisse der Politik mit unbezahlter Arbeit ausgleichen müssen“, so Steiner abschließend.
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Mag. Barbara Kasper
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