- 27.10.2026, 16:32:32
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GBH-Muchitsch: Baukrise nicht nur analysieren – jetzt ins Bauen kommen
Branchenradar: Bau schrumpft das fünfte Jahr in Folge – GBH fordert Bauoffensive für Wohnbau und Sanierung sowie ROT-WEISS-ROT BAUEN
Die österreichische Bauwirtschaft schrumpft das fünfte Jahr in Folge. Das zeigen die heute von BRANCHENRADAR Marktanalyse präsentierten Zahlen. Preisbereinigt liegt die Bauproduktion heuer voraussichtlich gut zwölf Prozent unter dem Niveau von 2020. Verantwortlich dafür ist fast zur Gänze der Wohnbau. Für die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) ist klar: Die Diagnose liegt auf dem Tisch. Jetzt müssen wir die richtigen Maßnahmen setzen.
„Wir können jeden Monat neue Zahlen präsentieren und feststellen, dass zu wenig gebaut wird. Davon entsteht aber keine einzige Wohnung und kein einziger Arbeitsplatz. Wenn heute keine Wohnungen genehmigt werden, stehen morgen keine Kräne. Und übermorgen fehlen uns Wohnungen, Arbeitsplätze und Fachkräfte“, sagt GBH-Bundesvorsitzender Abg. z. NR Josef Muchitsch.
Wohnbaukrise: Der volle Einbruch steht noch bevor – deshalb müssen wir schnell handeln
Zwischen 2020 und 2025 hat sich die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in neuen Gebäuden mehr als halbiert. 2025 wurden nur noch knapp 32.000 Wohneinheiten genehmigt. Die Baubeginne sanken im selben Zeitraum um 42 Prozent, die Fertigstellungen um 34 Prozent. Der Einbruch ist auf den Baustellen also noch gar nicht zur Gänze angekommen. Für heuer erwartet BRANCHENRADAR nochmals ein Minus von rund fünf Prozent bei den Wohnbaugenehmigungen und von zwölf Prozent bei den Baubeginnen.
„Diese Zahlen zeigen, warum wir jetzt schnell handeln müssen. Was heute nicht genehmigt und gebaut wird, fehlt uns in den kommenden Jahren. Wir dürfen nicht warten, bis noch mehr Arbeitsplätze verloren gehen und leistbarer Wohnraum endgültig zur Mangelware wird“, warnt Muchitsch.
Die GBH fordert eine verbindliche Zweckbindung der Wohnbauförderung für Wohnbau und Sanierung, langfristig planbare Förderungen und kostengünstige Finanzierungen sowie einfachere und schnellere Verfahren. Kostentreiber bei Normen und Bauvorschriften gehören auf den Prüfstand, ohne Abstriche bei Sicherheit und Arbeitnehmerschutz. Wer die Baukosten senken will, muss bei Grundstückspreisen, Verfahren und überzogenen Normen ansetzen, nicht bei den Löhnen der Beschäftigten. Die Mietpreisbremse schützt Mieterinnen und Mieter im Bestand. Damit auch neue Wohnungen wieder leistbar werden, brauchen wir zusätzlich mehr geförderten und gemeinnützigen Wohnbau.
Sanierungsoffensive: Wichtiger erster Schritt, jetzt weiter
Für 2027 stehen mit der Sanierungsoffensive der Bundesregierung 500 Millionen Euro zur Verfügung. Davon sind 321 Millionen Euro für thermische Sanierungen und 179 Millionen Euro für den Kesseltausch vorgesehen. Für die GBH ist das ein wichtiger erster Schritt, der zeigt, dass gemeinsame Anstrengungen Wirkung entfalten können.
„Die Sanierungsoffensive ist ein wichtiges Signal für unsere Bauwirtschaft und die Beschäftigten. Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Sanieren, leistbaren Wohnraum schaffen und unsere Infrastruktur modernisieren – das muss jetzt Teil einer echten Baustrategie werden“, erklärt Muchitsch.
Eine solche Baustrategie fordert nicht nur die GBH. Auch WIFO-Chef Gabriel Felbermayr hat sich dafür ausgesprochen, nach der Industriestrategie eine eigene Baustrategie zu erarbeiten. Der Tiefbau läuft derzeit stabil, und das muss laut GBH so bleiben. Bei Investitionen in eine moderne und klimafitte Infrastruktur darf nicht gekürzt werden.
ROT-WEISS-ROT BAUEN: Steuergeld muss heimische Arbeitsplätze sichern
Die Zahlen zeigen auch, wie unterschiedlich die Branche von der Krise betroffen ist. Große Baukonzerne profitieren vom wachsenden Tiefbau und schreiben teils Rekordzahlen. Das Baugewerbe ist dagegen stark im Wohnbau tätig und spürt den Einbruch unmittelbar. Laut BRANCHENRADAR erzielen 91 Großbetriebe ein Viertel aller Erlöse der Bau- und Handwerksbranche.
Für die GBH entscheidet deshalb nicht nur, wie viel investiert wird, sondern auch, wo diese Investitionen wirken. Öffentliche Aufträge und Förderungen müssen Arbeitsplätze, Lehrstellen und regionale Wertschöpfung in Österreich sichern.
Die GBH fordert, die Möglichkeiten des neuen Vergaberechts konsequent zu nutzen: Bestbieter statt Billigstbieter, kurze Transportwege, faire Löhne, die Berücksichtigung von Eigenpersonal und Lehrlingsausbildung sowie eine Begrenzung langer Subunternehmerketten. Bestbieter heißt dabei nicht automatisch teurer. Wer Qualität und Lebenszykluskosten bewertet, kann Nachträge und Folgekosten vermeiden.
Damit das von BRANCHENRADAR skizzierte Best-Case-Szenario mit einer Stabilisierung 2027 und einer Trendwende 2028 Wirklichkeit wird, müssen laut GBH jetzt alle an einen Tisch: Politik, Sozialpartner, Länder, Gemeinden, gemeinnützige Wohnbauträger und die Bauwirtschaft.
Muchitsch abschließend: „Der Bau ist ein Konjunkturmotor für ganz Österreich. Jeder zusätzliche Bauauftrag schafft Beschäftigung weit über die Baustelle hinaus. Mit Investitionen in Wohnbau, Sanierung und Infrastruktur und einer konsequenten Umsetzung von ROT-WEISS-ROT BAUEN stärken wir unsere Wirtschaft, sichern Arbeitsplätze und schaffen leistbaren Wohnraum. Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Jetzt müssen Politik, Sozialpartner und Bauwirtschaft gemeinsam dafür sorgen, dass daraus konkrete Aufträge werden.“
Service: Der Vergabekatalog ROT-WEISS-ROTE VERGABEN steht als Download zur Verfügung: gbh-news.at/leitfaden
Über die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH)
Die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) ist die österreichische Gewerkschaft für rund 240.000 Beschäftigte in der Bau-, Holz- und Steinbranche. Sie verhandelt Kollektivverträge, setzt sich für faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit ein und kämpft für faire öffentliche Vergaben sowie konsequent gegen Lohn- und Sozialdumping. Ziel ist der Schutz der Beschäftigten und fairer Wettbewerb für jene Betriebe, die sich an die Regeln halten. Bundesvorsitzender der GBH ist Josef Muchitsch. Weitere Informationen auf gbh.at.
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