- 27.10.2026, 11:00:39
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Handelsdefizit reduziert: Österreichs Agrarexporte behaupten sich
Exporte von Rindfleisch, Käse und Äpfeln legen im ersten Halbjahr 2026 zu
Die vorläufigen Daten der Statistik Austria zum österreichischen Agraraußenhandel (Zollkapitel 1–24) zeigen eine leichte Verbesserung der Handelsbilanz. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Wert der Agrarexporte leicht auf 8,73 Milliarden Euro (+1 Prozent). Gleichzeitig gingen die Importe zurück, wodurch sich das Agraraußenhandelsdefizit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 394 Millionen Euroverringerte. Die Exportmenge blieb mit rund 5,17 Millionen Tonnen nahezu unverändert und lag sogar leicht über der Importmenge (Chart 1). Besonders positiv entwickelten sich die Ausfuhren von Rindfleisch, Geflügel, fermentierter Milch, Käse sowie Äpfeln.
„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich Österreichs Agrar- und Lebensmittelwirtschaft auch in einem herausfordernden Umfeld auf internationalen Märkten gut behauptet. Besonders erfreulich sind die steigenden Exportmengen bei Fleisch, Milchprodukten sowie Obst und Gemüse. Gleichzeitig sehen wir, dass unsere Lebensmittel nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern gefragt sind. Darin liegen wichtige Chancen für unsere Betriebe. Entscheidend ist, die hohe Qualität, die nachvollziehbare Herkunft und die Leistungen unserer Bäuerinnen und Bauern auch über die Landesgrenzen hinaus sichtbar zu machen und damit langfristig neue Absatzmöglichkeiten zu schaffen“, betont Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing.
Italien, Niederlande und Tschechien gewinnen als Exportmärkte an Bedeutung
Die Europäische Union ist weiterhin der zentrale Markt für Österreichs Agrarwirtschaft. Im ersten Halbjahr 2026 gingen mehr als 80 Prozent aller Agrarexporte in die Europäische Union. Deutschland lag mit 3,35 Milliarden Euro und einem Anteil von 38,4 Prozent klar an erster Stelle (Chart 2 & 3).
Auf Platz zwei der wichtigsten Abnehmerländer folgt Italien mit rund 931 Millionen Euro. Dahinter reihen sich Ungarn, die Niederlande, die Schweiz und Tschechien ein. Während die Ausfuhren nach Deutschland nahezu unverändert blieben (-0,5 Prozent), konnten andere europäische Märkte zulegen. Italien verzeichnete ein Plus von 4,3 Prozent, die Niederlande von 6 Prozent und Tschechien von 9,9 Prozent (Chart 4).
Die AMA-Marketing unterstützt mit gezielten Exportmarketingmaßnahmen die Positionierung regionaler Produkte auf internationalen Märkten. Unter der Dachmarke „Land der Berge“ stehen die Qualität und Besonderheiten dieser Produkte im Mittelpunkt. Zu den Aktivitäten rund um die Marke zählen unter anderem Kommunikationskampagnen, Handelskooperationen und internationale Messeauftritte.
Deutschland bleibt wichtigstes Exportland
Auch die Agraraußenhandelsbilanz mit Deutschland fällt positiv aus. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte Österreich Agrarprodukte im Wert von 3,35 Milliarden Euro in das Nachbarland. Gleichzeitig sanken die Einfuhren aus Deutschland um 4 Prozent auf 3,07 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich ein Handelsüberschuss von 283 Millionen Euro – deutlich mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (Chart 5).
„Beim Export nach Deutschland profitieren wir von der geografischen Nähe, der gemeinsamen Sprache und ähnlichen Konsumgewohnheiten. Dazu kommt die enge Verbindung über den Tourismus: Viele deutsche Gäste lernen österreichische Lebensmittel und Spezialitäten während ihres Urlaubs kennen. Daran können wir im Exportmarketing anknüpfen und die Qualität unserer Produkte auch im deutschen Handel sichtbar machen“, sagt Mutenthaler-Sipek.
Tierische Produkte als wesentliche Säule des Agrarexports
Ein genauer Blick auf die einzelnen Warengruppen zeigt die große Bedeutung tierischer Lebensmittel für den österreichischen Agrarexport. Zu den wertmäßig wichtigsten Produkten zählen Wurstwaren und Speck mit 478 Millionen Euro, gefolgt von Käse mit 459,3 Millionen Euro und Rindfleisch mit 366,3 Millionen Euro. Auch Milch, Geflügel und Eier leisten einen wesentlichen Beitrag zu den Ausfuhren (Chart 6).
Rindfleisch und Geflügel mit deutlichen Exportzuwächsen
Besonders dynamisch entwickelten sich die Rindfleischexporte. Der Warenwert erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 12,2 Prozent auf rund 366 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg die exportierte Menge um 3,8 Prozent auf rund 45.500 Tonnen. Damit wurde sowohl wert- als auch mengenmäßig mehr österreichisches Rindfleisch im Ausland abgesetzt (Chart 7).
Auch bei Geflügelfleisch setzte sich der Aufwärtstrend des Vorjahres fort. Die Ausfuhren legten mengenmäßig um 10,2 Prozent zu, während der Exportwert um 9,2 Prozent auf 194,7 Millionen Euro stieg (Chart 8).
Eierexporte erzielen trotz geringerer Menge höheren Umsatz
Eine gegenläufige Entwicklung zeigt sich bei Eiern: Während die exportierte Menge um 5,5 Prozent zurückging, erhöhte sich der Warenwert um 9,3 Prozent auf 21,7 Millionen Euro. Der durchschnittliche Exportpreis stieg dadurch von 4,44 Euro auf 5,13 Euro pro Kilogramm. Gegenüber 2022 hat sich dieser Wert mehr als verdoppelt (Chart 9).
Fleischzubereitungen auf Vorjahresniveau
Nach deutlichen Zuwächsen in den vergangenen Jahren stabilisierten sich die Exporte von Wurstwaren und Speck im ersten Halbjahr 2026 auf hohem Niveau. Sowohl der Warenwert als auch die ausgeführten Mengen blieben gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu unverändert (Chart 10).
Milchprodukte punkten über Österreichs Grenzen hinaus
Auch bei Milch und Milchprodukten zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. Während die exportierte Milchmenge um 6,7 Prozent zunahm, ging der Exportwert um 7,4 Prozent aufgrund stark sinkender Preise auf rund 211,7 Millionen Euro zurück (Chart 11).
Eine sehr positive Entwicklung gab es im Segment der fermentierten Milch, zu der unter anderem Joghurt, Sauerrahm und ähnliche Erzeugnisse zählen. Die exportierte Menge stieg um 22,2 Prozent, der Umsatz erhöhte sich um 20,5 Prozent auf rund 180,3 Millionen Euro (Chart 12).
Käse bleibt weiterhin ein bedeutendes österreichisches Exportprodukt: Im ersten Halbjahr 2026 wurde Käse im Wert von 459,3 Millionen Euro exportiert. Das entspricht einem mengenmäßigen Plus von 13 Prozent und einem wertmäßigen Zuwachs von 2,7 Prozent (Chart 13).
Obst- und Gemüseexporte entwickeln sich positiv
Auch bei pflanzlichen Lebensmitteln gibt es positive Entwicklungen. Zu den wertmäßig bedeutendsten Ausfuhrprodukten zählen zubereitetes Obst und Gemüse mit rund 590 Millionen Euro sowie Brot und Backwaren mit 428 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026 (Chart 14).
Bei Getreide nahm die exportierte Menge im ersten Halbjahr 2026 um 5 Prozent zu. Der Warenwert sank hingegen um 7,4 Prozent auf rund 288 Millionen Euro (Chart 15).
Die Gemüseausfuhren stiegen mengenmäßig um 19,6 Prozent und wertmäßig um 5,2 Prozent auf 128,3 Millionen Euro. Bei Obst erhöhte sich das Exportvolumen um 17,8 Prozent, gleichzeitig legten die Erlöse um 13,9 Prozent auf 161,1 Millionen Euro zu (Chart 16 & 17).
Apfelexporte erholen sich deutlich
Auffällig ist der kräftige Anstieg bei Äpfeln. Nach einem schwächeren ersten Halbjahr 2025 wurden heuer wieder deutlich größere Mengen ins Ausland geliefert. Mit knapp 24.800 Tonnen lag das Exportvolumen um 56,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Warenwert erhöhte sich um 63,5 Prozent auf 25,3 Millionen Euro (Chart 18).
Die Presseaussendung, Charts und passende Bilder stehen hier zum Download bereit: https://b2b.amainfo.at/de-at/presse-aktuelles/presse/pressemitteilungen/2026/agrarischer-aussenhandel-2026
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