• 23.10.2026, 06:00:38
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Greenpeace-Analyse zu Weltnaturkonferenz: Österreich hinkt eigenen Zielen weit hinterher

24 von 37 Naturschutzzielen nicht auf Kurs, keines erreicht - Greenpeace fordert mehr strenge Schutzzonen und ein Ende naturschädlicher Subventionen sowie der Deregulierungswelle

Jerewan/Wien (OTS) - 

Vier Jahre nach Beschluss der globalen Biodiversitätsziele im Jahr 2022 steht bei der UN-Biodiversitätskonferenz (COP17) in Jerewan die erste Halbzeitbilanz an. Greenpeace analysiert (act.gp/CBD-Zwischenstand) den 7. Nationalbericht Österreichs und bewertet die Maßnahmen als zu ambitionslos: Nur 13 der 37 festgelegten Naturschutzziele sind auf Kurs, bei 24 macht Österreich zu wenig Fortschritte und erreicht wurde bisher keines. Trotz fortschreitenden Artensterbens und hohem Bodenverbrauch werden Zielverfehlungen im Nationalbericht kaschiert. Greenpeace fordert daher von der Bundesregierung eine konsequente Naturschutz-Offensive – finanziell abgesichert und gesetzlich verankert.

Ursula Bittner, Biodiversitätsexpertin bei Greenpeace Österreich: „Österreichs Naturschutzpolitik ist eine Dauerbaustelle. Lediglich 2,9 Prozent der Fläche sind derzeit streng geschützt - weit entfernt von dem 10-Prozent-Ziel. Die Regierung spricht von ‚vollständig‘ umgesetzten Maßnahmen gegen Verschwendung, gleichzeitig verursacht Österreich pro Kopf den meisten Siedlungsabfall in der EU. Wer naturschädliche Subventionen mit Milliarden füttert, beim Zubetonieren zuschaut und eine Regulierung nach der andern torpediert oder abbaut, verspielt fahrlässig unsere Zukunft.“

Bisher keines von Österreichs 37 Naturschutzzielen erreicht
Die Zahlen der Halbzeitbilanz stellen der heimischen Naturpolitik ein schlechtes Zeugnis aus:

  • Mangelhafter Flächenschutz: Statt der vereinbarten zehn Prozent stehen derzeit nur 2,92 Prozent der Landesfläche unter strengem Schutz.
  • Ungebremster Flächenfraß: Zwischen 2022 und 2025 wurden täglich durchschnittlich 6,5 Hektar Natur verbaut. Mehr als das Zweieinhalbfache des Regierungsziels von 2,5 Hektar.
  • Finanzierungslücke: Nach dem Auslaufen befristeter EU-Mittel verbleiben im heimischen Biodiversitätsfonds ab 2026 nur noch 5 Millionen Euro pro Jahr. Stattdessen fließen jährlich bis zu 5,7 Milliarden Euro an klimaschädlichen Subventionen.
  • Europameister beim Müll: Mit 782 kg Siedlungsabfall pro Kopf belegt Österreich den EU-Spitzenplatz – der Nationalbericht sagt, alle nötigen Politikinstrumente bereits „vollständig“ eingeführt zu haben.
  • Vorreiter bei der Deregulierung: Österreich treibt sowohl im eigenen Land als auch im EU-Kontext den Abbau ökologischer Standards und Kontrollen voran.

EU-Schutzgebiete oft nur auf dem Papier
Nicht nur Österreich, auch die EU verfehlt ihre Naturschutzziele. Das ist kein Zufall, sondern das Resultat einer beispiellosen Deregulierungswelle: Statt die Vorgaben des globalen Biodiversitätsrahmens umzusetzen, untergräbt die EU-Kommission ihre eigenen Verpflichtungen. Beim Pestizidrisiko drohen nach dem Aus für verbindliche Reduktionsziele nun unbefristete Zulassungen für 49 Wirkstoffe wie Glyphosat.Unternehmenspflichten wie das Lieferkettengesetz wurden entkernt und auch in der Agrarpolitkdemontiert Brüssel unter dem Deckmantel der „Vereinfachung“ ökologische Mindeststandards. Selbst bei den Schutzgebieten herrscht Mangelverwaltung: Auf dem Papier fast erreicht, lässt der reale Schutz wegen fortlaufender Nutzung zu wünschen übrig. Und bei streng geschützten Flächen liegen bis heute nicht einmal einheitliche EU-Daten vor. „Wir fordern von Umweltminister Totschnig einen Kurswechsel - zum Schutz der Natur: Schluss mit der ständigen Deregulierung beim Umwelt- und Forstschutz in Österreich und der EU. Wir brauchen endlich strenge Schutzgebiete, die Wiederherstellung unserer Ökosysteme wie Wälder und ein aufgestocktes Budget für den Artenschutz. Denn die Natur braucht endlich strengen Schutz. Es geht dabei um nichts Geringeres als unsere Lebensgrundlage“, so Bittner.

Die gesamte Analyse zur Halbzeitbilanz finden Sie unter: act.gp/CBD-Zwischenstand
Bildmaterial finden Sie unter: act.gp/47exKlo
Unter Verwendung der angegebenen Credits stehen die Fotos kostenfrei zur redaktionellen Nutzung zur Verfügung.

Ursula Bittner ist für Greenpeace noch bis 1. November vor Ort in Jerewan, Armenien. Für Interviews ist sie erreichbar unter: +43 664 960 64 29 (nur via Signal oder WhatsApp) sowie unter [email protected].

Inhalte auf einen Blick:

  • Anlass: Anlässlich des aktuellen 7. Nationalberichts zum Halbzeitstand des UN-Weltnaturabkommens zieht Greenpeace vor der UN-Biodiversitätskonferenz COP17 eine verheerende Bilanz der österreichischen Naturschutzpolitik.
  • Analyseergebnisse: Österreich bei nur 13 der 37 Naturschutzziele laut eigener Einschätzung auf Kurs, keines erreicht, bei 24 zu wenig Fortschritte. Strenger Schutz gilt nur für 2,92 Prozent der Landesfläche und täglich werden 6,5 Hektar Natur verbaut.
  • Hauptforderung: Greenpeace fordert ein verbindliches Naturschutzpaket, den Stopp der Bodenverbauung, den Abbau naturschädlicher Subventionen sowie eine Aufstockung der Finanzmittel.
  • Adressat:in: Umweltminister Totschnig
  • Quelle / Material: Greenpeace Österreich / act.gp/CBD-Zwischenstand

Rückfragen & Kontakt

Ursula Bittner
Biodiversitätsexpertin
Greenpeace in Österreich
Tel.: +43 664 960 64 29
E-Mail: [email protected]

Magnus Reinel
Pressesprecher
Greenpeace in Österreich
Tel.: + 43 (0) 664 8817 2210
E-Mail: [email protected]

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