- 22.10.2026, 11:36:02
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WKÖ-Gewerbe und Handwerk: 18.000 Betriebsübergaben bis 2035 – Nachfolge sichert Arbeitsplätze und Handwerk
Manfred Denk: „Jeder Betrieb, der erfolgreich übergeben wird, sichert Know-how, Fachkräfte und regionale Wertschöpfung.“
In Österreichs Gewerbe und Handwerk stehen bis 2035 rund 17.900 Betriebe vor einer potenziellen Übergabe. Damit ist die Betriebsnachfolge eine zentrale Zukunftsfrage für die Sparte. Rund 223.000 Beschäftigte sind mit diesen potenziellen Übergaben verbunden. Erfolgreiche Nachfolgen sind entscheidend, um Arbeitsplätze, gewachsenes Know-how, Kundenbeziehungen und die Vielfalt des österreichischen Handwerks zu erhalten.
„Die Betriebsnachfolge ist weit mehr als eine private oder familiäre Angelegenheit. Es geht um die Zukunft unserer Betriebe, um Arbeitsplätze und um die wirtschaftliche Stärke unserer Regionen. Jeder Betrieb, der erfolgreich weitergeführt wird, ist ein Gewinn für den Wirtschaftsstandort Österreich“, betont Manfred Denk, Bundesobmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).
Nachfolge ist auch eine Chance für neue Ideen
Eine Betriebsübernahme bietet nicht nur die Möglichkeit, Bestehendes zu bewahren, sondern auch ein Unternehmen aktiv weiterzuentwickeln. Übernehmer:innen können auf etablierte Kundenbeziehungen, erfahrene Mitarbeiter:innen sowie eine bestehende Marktposition aufbauen. Gleichzeitig eröffnen sich Chancen für Investitionen, Digitalisierung, Modernisierung und neue Geschäftsfelder.
„Eine Betriebsübernahme ist ein attraktiver Weg in die Selbstständigkeit. Wir müssen diesen Weg stärker ins Bewusstsein rücken und die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sich Menschen für die Übernahme eines bestehenden Unternehmens entscheiden. Gerade im Gewerbe und Handwerk geht es darum, wertvolle Qualifikationen, Ausbildungsplätze und die nächste Generation an Unternehmerinnen und Unternehmern zu sichern“, so Denk.
Geeignete Nachfolger und Finanzierung als zentrale Herausforderungen
Die Übergabe innerhalb der Familie ist längst nicht mehr der einzige Weg: Bereits 55 Prozent der Betriebsübergaben erfolgen familienextern. Unter den potenziellen Übergebenden streben sogar 63 Prozent eine familienexterne Nachfolge an.
Gleichzeitig bestehen erhebliche Hürden. 77 Prozent der potenziellen Übergeberinnen und Übergeber sehen die Suche nach geeigneten Nachfolger:innen als Herausforderung. 70 Prozent nennen die Finanzierung durch die Übernehmenden als Hürde, 66 Prozent die steuerliche Belastung. Auch für die Nachfolger:innen sind Steuern und der Investitionsbedarf wesentliche Herausforderungen.
„Wer einen Betrieb übernimmt, übernimmt Verantwortung und oft auch erhebliche finanzielle Verpflichtungen. Es darf nicht sein, dass eine Betriebsübergabe an vermeidbarer Bürokratie, schwieriger Finanzierung oder übermäßigen steuerlichen Belastungen scheitert. Wir brauchen faire und planbare Rahmenbedingungen, damit erfolgreiche Betriebe eine Zukunft haben“, fordert Denk.
WKÖ fordert bessere Rahmenbedingungen für Betriebsübergaben
Damit mehr Betriebsübergaben gelingen, setzt sich die WKÖ für gezielte Verbesserungen ein. Dazu zählen insbesondere:
- Steuerliche Entlastung: Anhebung des Freibetrags für Veräußerungsgewinne von 7.300 auf 45.000 Euro, Einführung eines Sondersteuersatzes von 20 Prozent und bessere Kombinierbarkeit steuerlicher Begünstigungen.
- Bessere Finanzierungsmöglichkeiten: Mobilisierung privaten Kapitals durch einen steuerlichen Beteiligungsfreibetrag von bis zu 100.000 Euro sowie stärkere Investitionsanreize.
- Weniger Bürokratie: Ein österreichweit einheitlicher digitaler One-Stop-Shop für Gründungen im Zuge einer Betriebsnachfolge. Die geplante Verlängerung der gewerberechtlichen Grace Period von drei auf fünf Jahre ist ein wichtiger Schritt. Die Erleichterungen sollen auch bei familienexternen Nachfolgen greifen.
„Wir müssen die Betriebsnachfolge als Chance für die Zukunft unserer Wirtschaft begreifen. Unser Ziel muss sein, dass möglichst viele Unternehmen erfolgreich weitergeführt werden können – mit neuen Ideen, Investitionen und sicheren Arbeitsplätzen. Dafür braucht es ein starkes Zusammenspiel von Politik, Interessenvertretung und Wirtschaft“, unterstreicht Denk.
Beratung und Unterstützung für Übergebende und Übernehmende
Die Wirtschaftskammern begleiten Unternehmen von der ersten Planung bis zur konkreten Übergabe. Das Angebot reicht von persönlicher Nachfolgeberatung an mehr als 90 Standorten in Österreich über die kostenlose Nachfolgebörse bis hin zu Leitfäden, Checklisten und Finanzierungs- und Planungstools.
Mit dem gemeinsamen Weiterbildungsprogramm NextGen4Austria von WKÖ und BMWET werden künftige Nachfolgerinnen und Nachfolger gezielt auf die Übernahme und Führung eines Unternehmens vorbereitet. Der zweite Lehrgang startet im Jänner 2027. (PWK568/HSP)
Weitere Informationen: gruenderservice.at/nachfolge
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