- 22.10.2026, 11:16:04
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Erste neue europäische Hirschkäferart seit 180 Jahren von Citizen Scientist am NHM Wien beschrieben

Jonas Kristl, Volontär in der Käfersammlung des Naturhistorischen Museums Wien und Masterstudent an der Universität Wien, und sein Freund, Gaëtan Flocon aus Frankreich, haben auf einer Citizen-Science-Plattform eine unbekannte Hirschkäferart entdeckt. Die beiden Autoren haben sie nachgesammelt und als Lucanus apollon neu beschrieben. Sie ist fast 5 cm groß und mit dem heimischen Hirschkäfer (Lucanus cervus) verwandt.
Den in Österreich heimischen Hirschkäfer (Lucanus cervus) kennen die meisten Menschen, ist er doch durch seine stattliche Größe und die imposanten Mundwerkzeuge der Männchen kaum zu übersehen. Umso überraschender ist es, dass Entomolog*innen – also jene Forscher*innen, die sich der Erfassung und Beschreibung von Insekten widmen – erst im vergangenen Jahr einen bisher gänzlich unbekannten, fast 5 cm großen Verwandten dieses Käfers neu beschreiben konnten.
Jonas Kristl und Gaëtan Flocon, zwei Hirschkäferliebhaber, die sich ehrenamtlich mit diesen Tieren befassen, sind bei der Durchsicht von Fotos auf einer Citizen-Science-Plattform ein ungewöhnlich aussehender Hirschkäfer aus Griechenland aufgefallen. Der Sache wollten sie nachgehen: Eine Sammelgenehmigung wurde eingeholt, eine Reise geplant und tatsächlich konnten weitere Exemplare gefunden werden. Detaillierte Untersuchungen bestätigten den Verdacht: Es handelt sich um eine unbeschriebene Art, den ersten neuen europäischen Lucanus seit 180 Jahren.
Jetzt wurde die Studie mit der Beschreibung von „Lucanus apollon“ in der Deutschen Entomologischen Zeitschrift veröffentlicht. Kolleg*innen der entomologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien haben die Arbeit der jungen Enthusiasten in der riesigen Käfersammlung des Museums unterstützt. Sie empfehlen allen entomologisch Interessierten, nicht nur auf den beliebten Online-Portalen, sondern auch beim Blick auf die Museumssammlungen ganz genau hinzuschauen. Denn auch in diesen findet sich so mancher Schatz.
Weltweit sind derzeit rund 1,2 Millionen Insektenarten offiziell wissenschaftlich beschrieben, davon rund 400.000 Käferarten. Expert*innen gehen davon aus, dass es auf der Erde insgesamt weit über 1 Million, möglicherweise sogar 1,5 Millionen Käferarten gibt. Im Gegensatz zu den tropischen Regenwäldern, in denen noch Millionen unentdeckte Käferarten vermutet werden, gilt die Insekten- und Käferwelt in Europa als sehr gut erforscht. Bei klassischen, größeren Käfern wie Hirschkäfern, Laufkäfern oder Bockkäfern ist die Wahrscheinlichkeit, in Europa noch eine völlig unbeschriebene Art zu finden, äußerst gering.
„Ich freue mich über die vielen Ehrenamtlichen, die in der Sammlung arbeiten. Sie leisten wichtige Beiträge für die Erforschung der Käfer“, ergänzt Matthias Seidel, der das Autorenteam betreut hat.
Mitmachen: Citizen Science am NHM Wien
iNaturalist: iNaturalist ist ein soziales Netzwerk und Citizen-Science-Projekt. Es hat zum Ziel, die Verbindung zwischen Menschen und Natur zu fördern und dabei die weltweite Artenvielfalt in den Bereichen Tiere, Pflanzen und Pilze mit Angabe des Standortes, an dem das Lebewesen beobachtet wurde, zu dokumentieren. Neben der Dokumentation erfolgt auch die Bestimmung der Lebewesen, wobei unklare Fälle diskutiert werden.
Wissenschaftlicher Rückfragehinweis
Dr. Matthias Seidel
Kurator für Coleoptera, 2. Zoologische Abteilung
Tel.: +43 1 521 77-317 | [email protected]
Rückfragen & Kontakt
Naturhistorisches Museum Wien
Mag. Irina Kubadinow
Leiterin Presse & Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecherin
Tel.: +43 1 521 77-410 | [email protected]
Mag. Klara Vakaj
Pressereferentin
Tel.: +43 1 521 77-626 | [email protected]
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