• 22.10.2026, 10:04:33
  • /
  • OTS0072

OeNB: Finanzvermögen der Haushalte übersteigt erstmals eine Billion Euro

Wertpapiere gewinnen weiter an Bedeutung; Finanzkompetenz in Österreich auf hohem Niveau, aber mit Lücken im Detail

Wien (OTS) - 

Die von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) heute veröffentlichten Daten zum Finanzverhalten der Haushalte zeigen: Erstmals verfügen die privaten Haushalte in Österreich über ein Finanzvermögen von mehr als einer Billion Euro. Während die Sparquote 2025 mit 9,7 % auf hohem Niveau war, dürfte sie 2026 auf 8,4 % sinken. Wertpapiere gewinnen für die Vermögensbildung zunehmend an Bedeutung. Ihr Anteil am Finanzvermögen der Haushalte hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Gleichzeitig weist eine aktuelle OeNB-Erhebung auf eine insgesamt hohe Finanzkompetenz der Bevölkerung hin, zeigt aber auch Wissenslücken bei einzelnen Finanzthemen.

Edeltraud Stiftinger, Vize-Gouverneurin der OeNB, unterstreicht: „Die österreichischen Haushalte besitzen erstmals mehr als eine Billion Euro an Finanzvermögen und sind in den vergangenen zehn Jahren auch real wohlhabender geworden. Dabei verändert sich auch, wie die Österreicherinnen und Österreicher anlegen: Das Sparbuch bleibt wichtig, aber immer mehr Geld fließt in Wertpapiere und Fonds. Gleichzeitig ist dieser Wohlstand nicht gleich verteilt, sehr viele haben überhaupt nicht die Möglichkeit zu sparen und anzulegen.“

OeNB-Direktor Josef Meichenitsch erläutert: „Unsere Befragung zur Finanzkompetenz im Land zeigt ein stabil hohes Niveau mit 69 erreichten von 100 möglichen Punkten. Das ist ein gutes Zeichen, weil Finanzbildung heute zu einer ordentlichen Allgemeinbildung gehört wie Lesen, Schreiben und Rechnen.“ Und weiter: „Wir sehen, dass die Bedeutung von Fonds, Aktien und Anleihen beim Sparen ansteigt. Da gibt es bei einigen Fragen noch Wissenslücken, die wir adressieren wollen.“

Finanzvermögen erreicht historischen Höchststand

Das Finanzvermögen der Haushalte in Österreich überstieg erstmals eine Billion Euro (Q2 2026: 1.011 Mrd EUR; +7 % gegenüber dem Vorjahr). Den größten Anteil daran haben Einlagen (34 %), gefolgt von Beteiligungen (24 %), beispielsweise an GmbHs oder Privatstiftungen, sowie Wertpapieren (24 %). In den letzten zehn Jahren ist das Finanzvermögen um 60 % gewachsen und hat sich in der Zusammensetzung verändert. Bankeinlagen bleiben zwar die größte Vermögenskategorie mit rund 341 Mrd EUR, der Vermögensaufbau erfolgt aber zunehmend über Beteiligungen und Wertpapiere.

Sparquote sinkt, bleibt aber weiter auf hohem Niveau

Die Sparquote sank im Gesamtjahr 2025 um 1,8 Prozentpunkte auf 9,7 % (WIFO-Prognose für Q2 2026: 8,4 %). Gründe für die weiterhin hohe Sparneigung der privaten Haushalte im Jahr 2025 liegen neben der geopolitischen Lage und der schwachen Konjunktur auch in höheren Zinsen, die das Sparen wieder attraktiver machten.

Verschuldung unter dem Euroraum-Durchschnitt

Die Finanzverpflichtungen der österreichischen Haushalte beliefen sich im Jahr 2025 auf 213 Mrd EUR (+1 % gegenüber dem Vorjahr). Die Wohnbaukredite stagnierten in diesem Zeitraum, nahmen aber im ersten Halbjahr 2026 wieder Fahrt auf. Im Juni 2026 lag die Verschuldung bei 214 Mrd EUR. Die Verschuldung in Relation zum Finanzvermögen österreichischer Haushalte ist mit 21 % im Vergleich zum Euroraum (26 %) relativ gering und hat im Jahresvergleich sogar abgenommen, da das Finanzvermögen stärker wuchs als die Kredite.

Wertpapiersparen abhängig von Einkommen und Finanzkompetenz

Wertpapiere stehen bei privaten Haushalten zunehmend hoch im Kurs. Investmentfondsanteile sind die beliebteste Form der Wertpapierveranlagung. Mit 132 Mrd EUR entfielen im Juni 2026 mehr als die Hälfte der Wertpapierbestände auf Investmentfonds, gefolgt von börsennotierten Aktien (63 Mrd EUR) und verzinslichen Wertpapieren (47 Mrd EUR).

Die repräsentative Erhebung der OeNB-Finanzbildung „Austrian Survey of Financial Literacy“ unterstreicht die Bedeutung der finanziellen Möglichkeiten und der Finanzkompetenz für das Wertpapiersparen: Während 57 % der Personen mit hohem Einkommen und hoher Finanzkompetenz angaben, im vergangenen Jahr mit Wertpapieren gespart zu haben, waren es nur 14 % der Personen mit niedrigem Einkommen und geringer Finanzkompetenz. Es zeigt sich auch, dass Investor:innen Wissensfragen mit Investitionsbezug deutlich häufiger korrekt beantworten. Jedoch zeigen sich auch unter Investor:innen Wissenslücken: Fast 30 % wissen etwa nicht, dass man mit dem Kauf einer Anleihe zum:r Kreditgeber:in wird.

Ergebnisse der OeNB-Erhebung als Auftrag für die Finanzbildung

In der repräsentativen Bevölkerungsbefragung erreichten Österreicher:innen durchschnittlich 69 von 100 möglichen Punkten im Score der Finanzkompetenz (Financial Literacy Score) der OECD und zeigen dabei Stärken im alltäglichen Umgang mit Geld, Schwächen bei komplexeren Wissensinhalten und beim vorausschauenden Finanzverhalten. Finanzkompetenz geht zwar mit höherem finanziellen Wohlbefinden einher, garantiert es aber nicht.

Mit durchschnittlich geringeren Werten bei der Finanzkompetenz als der Bevölkerungsdurchschnitt ergeben sich als wichtige Zielgruppen für Finanzbildungsmaßnahmen Personen mit niedrigem Bildungsabschluss, Personen mit geringem Einkommen, junge Personen sowie Personen in Singlehaushalten. Nach wie vor bleibt auch im Finanzwissen ein Gender Gap bestehen, der sich allerdings im Vergleich zur Erhebung 2023 tendenziell verringert hat. Dennoch schneiden Frauen im Durchschnitt noch immer schlechter ab und erreichen die maximale Punktezahl seltener (16 %) als Männer (25 %).

Die aktuellen Ergebnisse der OeNB-Erhebung sind auch Auftrag im Rahmen der neue Nationale Finanzbildungsstrategie, die gerade vom Bundesministerium für Finanzen veröffentlicht wurde.

Weitere Infos:

OeNB Report „International Survey of Adult Financial Literacy 2026: First results for Austria“ (Chiara Lari, Valentin Voith, Maximilian Zieser)

OeNB aktuell „Neue Nationale Finanzbildungsstrategie 2027–2035 beschlossen“


  1. ^

Der Haushaltssektor inkludiert private Haushalte, Selbstständige, Einzelunternehmen, institutionelle Haushalte (z. B. Menschen, die in Altenheimen leben) und private Organisationen ohne Erwerbszweck

Rückfragen & Kontakt

Oesterreichische Nationalbank
Pressesprecherin
Mag.a Marlies Schroeder, MiM
Telefon: (+43-1) 404 20-6900
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.oenb.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ONB

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel