• 21.10.2026, 09:46:02
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FCG-Pensionist:innen: Kapitaldeckung – entscheidend ist, was bei den Versicherten tatsächlich ankommt

Willi Waldner: „Transparenz vor Expansion – Schweden zeigt, dass eine kostengünstige staatliche Kapitalanlage eine ernsthafte Alternative sein kann.“

Wien (OTS) - 

Die Forderung nach einem stärkeren Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge, wie sie unter anderem von WIFO-Chef Gabriel Felbermayr erhoben wird, muss sachlich und anhand der tatsächlichen Ergebnisse beurteilt werden. Für die FCG-Pensionist:innen ist entscheidend, welche Leistungen bei den Menschen im Ruhestand ankommen, wie verlässlich diese sind und welche Kaufkraft sie langfristig behalten.

„Es reicht nicht, auf mögliche Veranlagungserträge zu verweisen. Entscheidend ist, was nach Abzug sämtlicher Kosten tatsächlich ausbezahlt wird und wie sich diese Auszahlung im Verhältnis zur Inflation entwickelt“, betont Willi Waldner, Vorsitzender der FCG-Pensionist:innen im ÖGB.

Kapitaldeckung ist kein Selbstläufer

Die Erfahrungen mit bestehenden Pensionskassen zeigen, dass Kapitaldeckung nicht automatisch höhere oder sicherere Pensionen bedeutet. Veranlagungsergebnisse schwanken, Kosten schmälern die Erträge und bei beitragsorientierten Modellen tragen die Versicherten einen erheblichen Teil des Anlagerisikos. Auch eine langfristig positive Rendite garantiert daher noch keine dauerhaft ausreichende Pensionsleistung.

Besonders kritisch ist die Entwicklung, wenn laufende Pensionskassenleistungen nominell gekürzt werden und gleichzeitig die Inflation die verbleibenden Auszahlungen entwertet. Die Betroffenen erhalten dann nicht nur weniger Geld, sondern können sich mit diesem Geld zusätzlich weniger leisten.

„Wer die kapitalgedeckte Altersvorsorge als Lösung für die Herausforderungen des Pensionssystems präsentiert, muss auch offenlegen, wie sich die tatsächlichen Auszahlungen entwickeln. Eine Rechnung, die lediglich Veranlagungsrenditen betrachtet, greift zu kurz. Maßgeblich sind die Nettopension, die Kosten, die Leistungsentwicklung und die Kaufkraft über den gesamten Bezugszeitraum“, erklärt Waldner.

Die FCG-Pensionist:innen fordern deshalb eine transparente und unabhängige Aufarbeitung der bisherigen Erfahrungen mit Pensionskassen. Dazu gehören die Entwicklung der Leistungen, sämtliche Kosten und leistungswirksamen Veränderungen sowie die inflationsbedingten Kaufkraftverluste. Erst auf dieser Grundlage ist ein seriöser Vergleich mit anderen Vorsorgemodellen möglich.

Schweden: Ein Beispiel für eine kostengünstige Kapitalanlage

Ein interessanter Vergleich ist der schwedische AP7-Fonds. Er ist Teil der kapitalgedeckten Prämienpension und institutionell unabhängig organisiert. Durch eine breit gestreute Veranlagung und vergleichsweise niedrige Kosten konnte AP7 langfristig einen erheblichen Kapitalstock aufbauen. Die ausgewiesene langfristige Wertentwicklung ist beachtlich – sie geht allerdings mit Kapitalmarktrisiken einher und ist keine Garantie für künftige Erträge oder Pensionen.

Für Waldner zeigt das schwedische Beispiel vor allem, dass die konkrete Ausgestaltung entscheidend ist: „Wenn Kapitaldeckung, dann müssen wir auch über ein kostengünstiges, breit gestreutes und transparentes Modell sprechen. Ein öffentlich organisierter, professionell verwalteter Fonds nach dem Vorbild von AP7 verdient eine ernsthafte Prüfung. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Interessen der Versicherten durch jedes bestehende Pensionskassenmodell am besten gewahrt werden.“

Ein solcher Vergleich muss allerdings fair erfolgen. Zu berücksichtigen sind nicht nur Renditen und Gebühren, sondern auch Anlagerisiken, Wechselkurse, Auszahlungsregeln, die Absicherung im Alter und die Frage, wer Verluste trägt.

Die erste Säule bleibt das Fundament

Für die FCG-Pensionist:innen ist klar: Die gesetzliche umlagefinanzierte Pension bleibt die tragende Säule der österreichischen Altersversorgung. Sie gewährleistet einen sozialen Ausgleich und beruht auf dem Generationenvertrag. Eine zusätzliche kapitalgedeckte Vorsorge kann diese erste Säule ergänzen, aber nicht ohne Weiteres ersetzen.

Ein Ausbau der Kapitaldeckung darf daher nicht dazu führen, dass Risiken von Staat und Finanzwirtschaft auf einzelne Versicherte verlagert werden, während Kosten und mögliche Verluste bei den Pensionist:innen landen. Ebenso müssen die Übergangskosten berücksichtigt werden, die entstehen, wenn Beiträge aus einem umlagefinanzierten System in kapitalgedeckte Modelle umgeleitet werden.

FCG-Pensionist:innen fordern einen ergebnisorientierten Vergleich

Die FCG-Pensionist:innen verlangen daher eine unabhängige Gegenüberstellung der bestehenden österreichischen Pensionskassenmodelle und kostengünstiger Alternativen nach schwedischem Vorbild. Dabei müssen insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welche Nettopensionsleistungen erhalten die Versicherten tatsächlich?
  • Wie hoch sind sämtliche Verwaltungs-, Veranlagungs- und sonstigen Kosten?
  • Wie entwickeln sich die Auszahlungen im Vergleich zur Inflation?
  • Wer trägt die Risiken bei Kursverlusten und ungünstigen Veranlagungsperioden?
  • Welche Auswirkungen ergeben sich auf die Finanzierung der gesetzlichen ersten Säule?

„Wir sind offen für sachliche Reformen. Aber wir lehnen es ab, Kapitaldeckung pauschal als überlegen darzustellen, ohne die tatsächlichen Leistungen und Risiken offenzulegen. Sicherheit vor Rendite, Transparenz vor Expansion und die erste Säule als Fundament – daran muss sich jede Reform der Altersvorsorge messen lassen“, so Waldner abschließend.

Rückfragen & Kontakt

Fraktion Christlicher Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter
Mag. Denis Strieder, BA
Pressereferent
Telefon: +43 1 534 44-39287
E-Mail: [email protected]

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