- 20.10.2026, 17:10:33
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Finanzbildungsrat beschließt neue Strategie für 2027 bis 2035
Sieben strategische Schwerpunkte sollen Finanzkompetenz und finanzielle Selbstbestimmung in Österreich stärken
Der Finanzbildungsrat hat am Dienstag die neue Nationale Finanzbildungsstrategie für die Jahre 2027 bis 2035 beschlossen. Damit wird die erfolgreiche Zusammenarbeit zur Stärkung der Finanzkompetenz in Österreich fortgesetzt und auf ein neues Level gestellt. Im Mittelpunkt stehen sieben strategische Prioritäten, die finanzielle Selbstbestimmung der Bevölkerung und die stärkere Verankerung von Finanzbildung im Alltag. Die neue Strategie soll mit Jänner 2027 in Kraft treten und zuvor noch vom Ministerrat behandelt werden.
Zitat Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl:
„Finanzwissen ist ein Grundpfeiler für ein selbstbestimmtes Leben. Wer seine finanziellen Möglichkeiten kennt, Risiken richtig einschätzen kann und langfristig plant, kann bessere Entscheidungen für die eigene finanzielle Zukunft treffen. Mit der neuen Finanzbildungsstrategie wollen wir die Österreicherinnen und Österreicher noch gezielter unterstützen, wenn es um Fragen zum ersten eigenen Einkommen, über den Vermögensaufbau oder die Altersvorsorge geht. Besonders wichtig ist mir, die Finanzbildung für alle und insbesondere für Frauen zugänglich zu machen.“
Zitat Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner:
„Finanzbildung ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Sie stärkt Frauen darin, ökonomisch unabhängig zu sein und ihr Leben in allen Lebensphasen selbstbestimmt zu gestalten. Dass das Frauenministerium Partnerin der Strategie ist und der Dachverband der Frauen- und Mädchenberatungsstellen in den Steuerungsausschuss aufgenommen wird, ist ein wichtiger Schritt. So stärken wir die Stimme von Frauen und stellen sicher, dass die Expertise aus der Beratung die Strategie aktiv mitgestaltet.“
Zitat Bundesminister Christoph Wiederkehr:
„Mein Ziel ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler ein freies und selbstbestimmtes Leben führen können. Eine solide Finanzbildung bildet dabei die Grundlage. Ich arbeite dafür, dass Finanzbildung entlang der gesamten Schullaufbahn gelehrt wird – beginnend in der Volksschule bis zur Matura. So stärken wir individuelle Zukunftschancen genauso wie den Wirtschaftsstandort Österreich.“
Zitat OeNB-Gouverneur Martin Kocher:
„Finanzbildung ist eine zentrale Zukunftskompetenz. Sie hilft den Menschen, fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen, Risiken besser einzuschätzen und sich vor Betrug zu schützen. Uns ist dabei besonders wichtig, dass Finanzbildung nicht nur möglichst viele Menschen erreicht, sondern auch tatsächlich etwas bewirkt. Deshalb wollen wir Finanzbildung besser messbar machen. Mit einem eigenen österreichischen Finanzbildungstest können künftig alle Interessierten ihr Finanzwissen überprüfen und herausfinden, wo sie stehen. So können sie sich besser selbst einschätzen und wir können – auf Basis der Ergebnisse für verschiedene Bereiche – Finanzbildungsangebote gezielt verbessern.“
Sieben strategische Prioritäten für mehr Finanzkompetenz
Die neue Nationale Finanzbildungsstrategie baut auf den Erfahrungen der ersten Strategieperiode von 2021 bis 2026 auf. Ziel ist es, Finanzbildung noch stärker an den konkreten Bedürfnissen der Menschen auszurichten und die Wirkung der gesetzten Maßnahmen besser messbar zu machen.
Dafür wurden sieben strategische Prioritäten definiert, die von den jeweils zuständigen Ministerien beziehungsweise der Oesterreichischen Nationalbank vorangetrieben werden:
- Finanzmarkt: Chancen nutzen, Risiken verstehen
- Überschuldung: Vorbeugen und Wege heraus aufzeigen
- Frauen und Mädchen: Ökonomische Unabhängigkeit fördern
- Schule: Finanzkompetenz junger Menschen stärken
- Digitalisierung: Sicher und selbstbestimmt nutzen
- Umwelt und Klima: Nachhaltige Entscheidungen stärken
- Wirkung: Finanzbildung messbarer machen
Das Bundesministerium für Finanzen übernimmt dabei die Verantwortung für die strategische Priorität „Finanzmarkt – Chancen nutzen, Risiken verstehen“. Im Fokus stehen der Aufbau finanzieller Rücklagen, die Weiterentwicklung qualitativ hochwertiger Finanzbildungsangebote und die Stärkung des Bewusstseins für Chancen und Risiken unterschiedlicher Anlageentscheidungen, wie etwa im Zusammenhang mit dem neuen „Zukunftsdepot“, welches ab 01.07.2027 in Kraft tritt.
Das Bildungsministerium übernimmt die Verantwortung für die Finanzkompetenz junger Menschen. Konkret wird auf drei Ebenen angesetzt: Einerseits auf der Ebene der Schulorganisation: Durch das Gütesiegel Ready4Finance setzen wir weiterhin Anreize, Wirtschafts- und Finanzbildung dauerhaft in Schulen zu verankern. Zweitens werden Lehrkräfte verstärkt weitergebildet und drittens wird die Finanz- und Wirtschaftsbildung durchgängig in den Lehrplänen von Primarstufe bis Matura verankert.
Die Nationalbank übernimmt die Schirmherrschaft für die Priorität „Finanzbildung messbarer machen“. Dazu entwickelt sie einen wissenschaftlich fundierten Finanzbildungstest, der anhand praxisnaher, österreichspezifischer Aufgaben misst, wie gut Menschen ihr Finanzwissen im Alltag anwenden können. Bis 2029 soll dieser entwickelt und wissenschaftlich überprüft sein und ab 2030 eingesetzt werden können. Darüber hinaus sind einheitliche Instrumente zur besseren Messung der Wirkung von Finanzbildungsmaßnahmen geplant.
Finanzbildung soll im Alltag ankommen
Ein wesentlicher Ansatz der neuen Strategie ist die stärkere Orientierung an konkreten Lebenssituationen. Vier grundlegende Kompetenzen stehen dabei im Mittelpunkt: verantwortungsvoll mit Geld umgehen, langfristig planen, bewusst entscheiden und verlässlichen Rat einholen.
Diese Herangehensweisen und Fähigkeiten sollen die Österreicherinnen und Österreicher in unterschiedlichen Lebensphasen unterstützen – unabhängig davon, ob sie gerade ins Berufsleben einsteigen, eine Familie gründen, finanzielle Rücklagen aufbauen oder ihren Ruhestand planen.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf einem flächendeckenden, praxisnahen und geschlechtersensiblen Zugang zu Finanzbildung. Gleichzeitig sollen Qualitätssicherung, Monitoring und Evaluierung ausgebaut werden, um die Wirksamkeit von Finanzbildungsmaßnahmen künftig noch besser beurteilen zu können.
Schutz vor Finanzbetrug gewinnt an Bedeutung
Ein weiterer Schwerpunkt ist der sichere Umgang mit digitalen Finanzangeboten und der Schutz vor Finanzbetrug. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz sowie zunehmend komplexe Finanzprodukte machen Betrugsversuche professioneller und schwerer erkennbar.
Wie groß die Herausforderung bereits ist, zeigen Zahlen der Oesterreichischen Nationalbank: Im Jahr 2025 entstand in Österreich durch Betrug im unbaren Zahlungsverkehr ein Schaden von 115,4 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg von 17,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das gemeinsam vom Finanzministerium und der Oesterreichischen Nationalbank entwickelte Finanzbildungsportal Finanznavi. Dieses soll sowohl inhaltlich als auch grafisch weiterentwickelt und als zentrale Anlaufstelle für Finanzbildung in Österreich weiter gestärkt werden.
Bereits 235 Finanzbildungsmaßnahmen umgesetzt bzw. auf den Weg gebracht
Mit dem Beschluss der neuen Strategie wurde auch Bilanz über die bisherige Nationale Finanzbildungsstrategie 2021 bis 2026 gezogen. Insgesamt sind mittlerweile 235 Finanzbildungsmaßnahmen mehr als 80 Institutionen unter dem Dach der Strategie eingemeldet. Zum Vergleich: In der Anfangsphase 2021/2022 waren es 90 Maßnahmen. Alleine 2025 ist das Angebot an Maßnahmen um 30 Prozent gewachsen.
Die Angebote decken unterschiedliche Themenfelder und Zielgruppen ab. Dazu zählen unter anderem Maßnahmen für junge Menschen, Frauen, Erwachsene sowie Initiativen zu nachhaltigen Finanzentscheidungen.
Umsetzung mit konkreter Roadmap bis 2029
Für die Umsetzung der neuen Strategie wurde auch eine erste Roadmap für die Jahre 2027 bis 2029 beschlossen. Darin werden die strategischen Prioritäten mit konkreten Zielen unterlegt. Insgesamt sind während der Laufzeit der Strategie drei aufeinanderfolgende Roadmaps vorgesehen.
Die neue Nationale Finanzbildungsstrategie soll bis Ende 2026 den Ministerrat passieren und mit Jänner 2027 in Kraft treten. Für das erste Quartal 2027 ist zudem eine Auftaktveranstaltung im Bundesministerium für Finanzen geplant, bei der die nächsten Schritte gemeinsam mit der Finanzbildungscommunity vorgestellt werden.
Weitere Informationen: www.finanznavi.gv.at
Fotos: https://flic.kr/s/aHBqjD84PE
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