• 20.10.2026, 12:35:02
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WKÖ-Gewerbe und Handwerk: Der „Bauplan“ für die Erholung fehlt

Wachstumsmotor Bauwirtschaft: Konjunkturdaten zeigen anhaltende Schwäche – Bundesspartenobmann Denk und Bundesinnungsmeister Jägersberger fordern umfassende Baustrategie

Wien (OTS) - 

Die erhoffte Konjunkturerholung im Gewerbe und Handwerk lässt weiter auf sich warten: Nach der aktuellen Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria gingen die Auftragseingänge beziehungsweise Umsätze im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nominell um 1,8 Prozent zurück. Bei einem Anstieg der Verkaufspreise um 2,7 Prozent entspricht das einem realen (mengenmäßigen) Minus von 4,4 Prozent. Nur ein Viertel der Betriebe (25 Prozent) verzeichnete Zuwächse im Geschäft, 43 Prozent meldeten eine stabile Entwicklung und 32 Prozent Rückgänge.

Auch die aktuelle Stimmung in den Betrieben gibt noch keinen Anlass zur Entwarnung. Für das vierte Quartal rechnen lediglich 15 Prozent der Betriebe mit steigenden Auftragseingängen beziehungsweise Umsätzen. 60 Prozent erwarten eine gleichbleibende Entwicklung, ein Viertel geht von Rückgängen aus. Der Erwartungssaldo beträgt damit minus zehn Prozentpunkte. „Der Anteil der Betriebe mit negativen Erwartungen liegt somit weiterhin über jenem mit positiven Aussichten“, erläuterte Christina Enichlmair von KMU Forschung Austria am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien. Besonders zurückhaltend sind die investitionsgüternahen Branchen mit einem Saldo von minus 15 Prozentpunkten. In den konsumnahen Branchen liegt dieser bei minus vier Prozentpunkten.

Baugewerbe: Neubau braucht Perspektive

„Wir steuern 2026 auf ein siebentes Jahr in Folge mit einem realen Minus im Gewerbe und Handwerk zu. Das ist für viele Betriebe auf Dauer nicht verkraftbar“, warnt Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Die Schlüsselrolle für die Erholung spielt die Bauwirtschaft: „Wenn mehr gebaut wird, spüren das zahlreiche baunahe Gewerke, weil viele vor- und nachgelagerte Bereiche von Aufträgen profitieren, vom Baumeister über den Installateur bis zum Tischler. Eine Belebung der Bauwirtschaft würde somit weit über die Baubranche hinaus positive Impulse auslösen“, so Denk. Die jüngst vorgestellte Sanierungsoffensive mit insgesamt 500 Mio. Euro für 2027, die eine Forderung der Wirtschaftskammer aufgreift, bringt zwar wichtige positive Impulse. Die Rückgänge beim Neubau könne das jedoch bei Weitem nicht kompensieren.

Erst vor kurzem wurde einmal mehr bestätigt, dass die Bedeutung der Bauwirtschaft deutlich größer ist als aufgrund der veröffentlichten Statistiken anzunehmen wäre: Laut einer Studie im Auftrag der Pro Bauen-Initiative erwirtschaftete die Branche im Jahr 2023 über 52 Milliarden Euro Wertschöpfung. Kombiniert mit Zuliefer-, Verflechtungs- und Konsumeffekten steigt die Gesamtwirkung auf knapp 85 Milliarden Euro. Damit hängen rund 20 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung unmittelbar oder mittelbar von der Bau- und Immobilienwirtschaft ab, also jeder fünfte Euro.

Allerdings befindet sich die Branche seit Jahren in einer Rezession, die maßgeblich durch die dramatisch gesunkene Wohnbau-Nachfrage sowie durch die budgetären Sparzwänge der öffentlichen Hand und eine prekäre Finanzsituation auf kommunaler Ebene geprägt ist. Laut einer aktuellen WIFO-Prognose dürfte die reale Bruttowertschöpfung in der Bauwirtschaft heuer um fast ein Viertel unter dem Wert von 2018 liegen. Angesichts dieser Entwicklung forderte WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr zuletzt eine Baustrategie, um den Kapazitätsabbau zu stoppen und das Wohnungsangebot zu modernisieren und auszuweiten.

Diese Forderung wird von Bundesinnungsmeister Robert Jägersberger begrüßt: „Wir brauchen ein ganzes Maßnahmen-Paket: kürzere und einfachere Bauverfahren, eine Deregulierung der Bauvorschriften, eine Beseitigung der Finanzierungshürden und ausreichende finanzielle Mittel für kommunale Investitionen. Außerdem müssen die baurelevanten Maßnahmen im Regierungsprogramm rasch umgesetzt werden: u.a. Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung, die Reduktion der Baukosten durch eine Durchforstung der Baustandards sowie eine Neubewertung der Verbindlichkeit von Normen und Regelwerken.“

Maßnahmen zur Stärkung der Lehre

Die sensationellen Medaillen-Erfolge von Team Austria bei den Berufsweltmeisterschaften WorldSkills 2026 in Shanghai (mit vier rot-weiß-roten Vizeweltmeistern und Platz sieben für Österreich in der globalen Länderwertung) nahm Bundesspartenobmann Manfred Denk zum Anlass, die Ausbildungssituation zu beleuchten. Aktuell werden im Gewerbe und Handwerk rund 43.500 Lehrlinge ausgebildet - mehr als in allen anderen Sparten der gewerblichen Wirtschaft zusammen. Der jüngste Rückgang bei den Lehrlingszahlen schmerzt, überraschend kommt er nicht: Schließlich wurde im Juli 2026 die Lehrstellenförderung für Ausbildungsbetriebe ab dem zweiten Lehrling um ein Viertel gekürzt. Dazu spielen auch die negative demografische Entwicklung (weniger junge Menschen), die längste Rezession der Nachkriegshistorie, massiv gestiegene Material-, Energie- und Personalkosten sowie die überbordende Bürokratiebelastung für die Betriebe eine Rolle.

„Wir brauchen mehr Lehrlinge, nicht weniger“, betont Denk. Das wiederholte Schlechtreden und Anpatzen von Ausbildungsbetrieben aus Teilen der Gewerkschaft ärgert ihn besonders. Die beklagte drastische Lehrstellenlücke gibt es nur in Wien. Dort ist die Zahl derer, die eine Lehrstelle suchen, in drei Jahren um mehr als die Hälfte explodiert – von weniger als 4.000 auf mehr als 6.000. „Dafür sind wohl kaum die Betriebe verantwortlich. In Oberösterreich, Tirol, Salzburg schaut die Lage ganz anders aus: Dort finden die Unternehmen keine Lehrlinge zum Ausbilden“, so Denk. In Summe investieren Österreichs Betriebe rund drei Milliarden Euro in die Ausbildung der jungen Menschen. „Sie haben sich dafür Anerkennung und Unterstützung verdient. Stattdessen bekommen sie Belehrungen, unqualifizierte Vorwürfe und ständig neue Belastungs- und Bestrafungsideen zu hören.“

Denk will ein klares Bekenntnis zur betrieblichen Ausbildung und Aufwertung der Lehre. Sein Maßnahmenpaket „Lehre stärken – Fachkräfte sichern – Ausbildung modernisieren“ enthält konkrete Vorschläge, vom Ermöglichen einer Vier-Tage-Woche, über die Aufwertung der Lehrabschlussprüfung, Ideen zur Erschließung neuer Zielgruppen (Erwachsenenlehre, Imageaufwertung, neue Karrierechancen im Rahmen der Höheren Beruflichen Bildung) bis hin zur nachhaltigen Absicherung der dualen Ausbildung als zentrale Säule der Fachkräftesicherung. Diesem Paket haben im Juni 2026 alle politischen Fraktionen im WKÖ-Wirtschaftsparlament einstimmig zugestimmt. „Die Position der Wirtschaft ist somit klar und eindeutig. Unsere Hand in Richtung der anderen Sozialpartner bleibt ausgestreckt, um die Lehrlingsausbildung noch flexibler, moderner und attraktiver zu machen. Die Vorschläge dafür liegen auf dem Tisch“, so Denk. (PWK561/HSP)

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