• 15.10.2026, 17:29:04
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Lage der heimischen Landwirtschaft am Prüfstand im Nationalrat

Grüner Bericht: Einkünfte der Bäuerinnen und Bauern erhöhten sich 2025 um durchschnittlich 18 %

Wien (PK) - 

Im Jahr 2025 kam es für die Bäuerinnen und Bauern zu einer durchschnittlichen Einkommenssteigerung von 18 %. Das geht aus dem heute im Nationalrat diskutierten Grünen Bericht hervor, der über die strukturelle und wirtschaftliche Lage der heimischen Land- und Forstwirtschaft informiert. Positiv auf die Einkommenssituation der Betriebe wirkten sich höhere Erträge und Fördermittel aus. So profitierten etwa sowohl die Milchwirtschaft und die Rinderhaltung als auch die Forstwirtschaft von höheren Erzeugerpreisen. Auch Futterbaubetriebe konnten ein deutlich höheres Einkommen erzielen. Besonders hoch fiel das Plus überdies bei Bergbauernbetrieben (+31 %) und bei Biobetrieben (+27 %) aus, deren durchschnittliche Einkünfte allerdings immer noch unter dem durchschnittlichen Einkommen herkömmlicher Betriebe (47.102 Ꞓ) liegen. Negative Auswirkungen hatten niedrigere Erträge aus der Schweinehaltung sowie der gestiegene Sachaufwand, vor allem für Futter- und Düngemittel.

Während die FPÖ von einem seit 15 Jahren stagnierenden Einkommensniveau und einer damit verbundenen verfehlten Agrarpolitik sprach, bezeichneten die Grünen die Dürre dieses Jahres als "Warnschuss". Sie vermissten etwa notwendige Maßnahmen in Zusammenhang mit dem Klimawandel. Die ÖVP verteidigte die Schwerpunkte der Agrarpolitik. Es gehe vor allem darum, die heimische Produktion zu stärken. Die SPÖ machte auf große Einkommensunterschiede der landwirtschaftlichen Betriebe aufmerksam. Die NEOS wiederum plädierten für mehr Planbarkeit und für die Stärkung von "Zukunftsmodellen" wie der biologischen Landwirtschaft.

Totschnig: Ergebnisse des Grünen Berichts sind Momentaufnahme

Die positiven Ergebnisse des Grünen Berichts bezeichnete Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig als "Momentaufnahme". Es gelte, diese über mehrere Jahre hinweg richtig einzuordnen. So seien "massive Einkommens- und Preisschwankungen" sowie geopolitische Verwerfungen gefolgt von hohen Energiepreisen erkennbar. Die kurzfristige Antwort darauf seien der Erhalt der Planungssicherheit durch das Zurverfügungstellen von ausreichend finanziellen Mitteln sowie durch notwendige Hilfsmaßnahmen wie dem Dürrepaket oder beim Agrardiesel, so Totschnig. Um künftig gut auf Krisen vorbereitet zu sein, braucht es für den Landwirtschaftsminister ein Sicherstellen einer Kontinuität bei den GAP-Mitteln, die Stärkung der landwirtschaftlichen Produktion durch gute Ausbildung, den Einsatz von Technik, Digitalisierung sowie modernen und sicheren Pflanzenschutzmitteln.

Was die Diskussion rund um die drohende Schließung des Ardo-Tiefkühlgemüsewerks im Marchfeld betrifft, betonte Totschnig, dass er nicht für Rationalisierungsmaßnahmen eines international tätigen Konzerns zuständig sei. Die Bundesregierung könne aber gute Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort schaffen. Der Ressortchef hielt in Richtung der betroffenen Bauernfamilien fest, dass man sich um Perspektiven für diese kümmere. Es gebe Investoren, denen der Standort und die bäuerlichen Betriebe ein Anliegen seien.

FPÖ: Einkommensniveau der Landwirtschaft ist auf dem Stand von 2010

Die Abgeordneten der FPÖ interpretierten die Ergebnisse des Grünen Berichts anders. Die Zahlen würden "klar und deutlich belegen", das die landwirtschaftlichen Bertriebe inflationsbereinigt auf dem Einkommensniveau von 2010 stagnieren würden, kritisierte Peter Schmiedlechner (FPÖ). Während die Anforderungen und Investitionskosten für die Landwirtschaft in den vergangenen 15 Jahren gestiegen seien, hätten sich die Einkommen aber nicht entsprechend entwickelt, weshalb in der aktuellen Dürresituation keine Reserven bei den Betrieben vorhanden sein würden. Diese Entwicklung zeige "das Versagen" der ÖVP und des Landwirtschaftsministers, die die Augen vor den Problemen der Landwirtschaft verschließen würden, so der FPÖ-Mandatar. Dem schloss sich Albert Royer (FPÖ) an. Jahre wie 2025, "wo es einigermaßen passt", seien aufgrund der "verfehlten Agrarpolitik der ÖVP" rar. Dies würde der starke Rückgang an landwirtschaftlichen Betrieben belegen. Royer zeigte sich besorgt, dass sich etwa im Bereich der Nebenerwerbsbetriebe "die nächste Generation die Arbeit nicht mehr antut".

Maximilian Linder (FPÖ) sprach sich für "weniger Formulare" und für "mehr Zeit für Vieh und Hof" aus. Denn viele Betriebe würden an der Bürokratie "verzweifeln". Kein gutes Haar ließ Linder am Dürrehilfspaket der Bundesregierung. Dieses würden sich die Bäuerinnen und Bauern über Umwege selbst finanzieren. Zudem kritisierte der FPÖ-Abgeordnete die Schließung des Ardo-Tiefkühlgemüsewerks als Ergebnis einer "gescheiterten ÖVP-Wirtschaftspolitik".

Um die Situation in der Landwirtschaft zu verbessern, fordere seine Fraktion Maßnahmen zum Bürokratieabbau, die Abschaffung der "AMA-Marketing-Grundsteuer", einen Importstopp für Erzeugnisse, die nicht den heimischen Standards entsprechen, sowie eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, so Manuel Pfeifer (FPÖ). Das "Kernproblem" der Landwirtschaft sei, dass die Betriebe immer weniger von ihrer Produktion leben könnten, bemängelte Alois Kainz (FPÖ). Stattdessen seien sie auf Förderungen und die Erfüllung der Auflagen angewiesen. Markus Leinfellner (FPÖ) sah das ähnlich. Er sprach sich für die Abschaffung des "Förderdschungels" aus.

Grüne bezeichnen Dürre als Warnschuss für die Agrarpolitik

Der Landwirtschaftsminister ziehe aus den Ergebnissen des Grünen Berichts nicht die richtigen Schlüsse, kritisierte Olga Voglauer (Grüne). Dies betreffe notwendige Maßnahmen in Zusammenhang mit dem Klimawandel, die Umsetzung der Herkunftskennzeichnung, das Nutzen der öffentlichen Beschaffung zur Preisstabilisierung für die Betriebe sowie die Beendigung des "Bodenfraßes". Die heurige Dürre bezeichnete Voglauer als "Warnschuss", wobei die "Unterstützung mit der Gießkanne" nicht die richtige Krisenvorsorge sei. Es gehe darum, öffentliche Gelder dafür einzusetzen, dass die nächsten 20 Jahre in der Landwirtschaft "gelingen".

Lukas Hammer (Grüne) meldete sich zu den in der Landwirtschaft eingesetzten Pestiziden zu Wort. Für Hammer hat Landwirtschaftsminister Totschnig beim Schutz des Grundwassers versagt, da sich die Belastung mit der gesundheitsschädlichen Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt hat. Es sei die Aufgabe des Ministers, anstatt die "Pestizidindustrie", Mensch und Umwelt davor zu schützen.

ÖVP: Heimische Produktion stärken, Verarbeiter absichern

Anders als für die Oppositionsfraktionen zeigt der Grüne Bericht für Johannes Schmuckenschlager (ÖVP) auf, dass die agrarpolitische Verantwortung durch den Landwirtschaftsminister - im Gegensatz zum "Populismus der FPÖ" - wahrgenommen werde. So sei etwa der Anstieg der öffentlichen Mittel für die Landwirtschaft ein wesentlicher Faktor für die Betriebe gewesen. Es gehe darum, die Produktion zu stärken und auch die Verarbeiter abzusichern - Stichwort Schließung des Ardo-Werks. Zum Dürrehilfspaket hielten Schmuckenschlager sowie sein Fraktionskollege Georg Strasser fest, dass trotz entsprechenden Forderungen der FPÖ diese gegen die Maßnahmen gestimmt hätte. Das Paket sichere jedoch die heimische Lebensmittelversorgung ab. Ähnlich verhalte es sich bei den Bemühungen zum Erhalt der Versorgung mit Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld. Hier suche die FPÖ nach Schuldigen, anstatt an einer Lösung des Problems mitzuarbeiten, so Strasser.

Zum Erhalt der heimischen Lebensmittelproduktion brauche es eine Stärkung des Standorts, eine Weiterentwicklung der Märkte, die Absicherung der GAP-Gelder sowie einen Schulterschluss mit den Konsumentinnen und Konsumenten, unterstrich Irene Neumann-Hartberger (ÖVP). Die ÖVP-Mandatarin zeigte sich zudem stolz darüber, dass 36 % der Betriebe in Österreich von Frauen geführt würden. Diese seien eine "tragende Säule der Landwirtschaft". Bettina Zopf (ÖVP) richtete einen Appell an den Lebensmitteleinzelhandel. Dieser müsse die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern nicht nur in der Werbung wertschätzen, sondern auch für einen anständigen Preis ihrer Produkte sorgen.

SPÖ macht auf große Einkommensunterschiede der Betriebe aufmerksam

Trotz dem guten Jahr 2025 für die Landwirtschaft dürfe nicht darüber hinweg gesehen werden, dass im Gegensatz zum obersten Einkommensviertel das einkommensschwächste Viertel Verluste verzeichnet habe, unterstrichen Elisabeth Feichtinger und Petra Tanzler (beide SPÖ). Große Einkommensunterschiede würden sich auch im Vergleich von Neben- und Haupterwerbsbetrieben abzeichnen. Die Dürreschäden bezeichnete Feichtinger als "finanzielles Fiasko", wobei die Betriebe hier unterschiedliche Unterstützungsmaßnahmen benötigen würden. Was die befürchtete Schließung des Ardo-Werks angeht, stehe man "voll und ganz" hinter den Beschäftigten und bäuerlichen Zulieferern, so Tanzler. Sie appellierte an das Unternehmen, eine Betriebsübernahme zu ermöglichen.

Für Bernhard Höfler (SPÖ) zeigt der Grüne Bericht auf, dass die Landwirtschaft trotz Herausforderungen krisenfest, modern und leistungsfähig ist. Die "Kehrseite" seien hingegen die schlechten Arbeitsbedingungen für Erntehelferinnen und Erntehelfer. Höfler forderte einen "Schulterschluss im Parlament", um Lohn- und Sozialdumping sowie "Geschäftemacherei" auf den heimischen Feldern zu verhindern.

NEOS: Betriebe brauchen Planbarkeit und langfristige Rahmenbedingungen

Der Grüne Bericht mache Perspektiven für die Landwirtschaft sichtbar, erklärte Karin Doppelbauer (NEOS). Dies zeige sich etwa am "Zukunftsmodell" der biologischen Landwirtschaft, das weiter gestärkt werden müsse. Um ihre Produktivität aufrechtzuerhalten, würden grundsätzlich auch Landwirtinnen und Landwirte, genauso wie andere Unternehmen, Planbarkeit und langfristige Rahmenbedingungen benötigen, so die NEOS-Abgeordnete weiter. Dazu solle etwa auch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU beitragen. Zur Schließung des Ardo-Werks hielt Doppelbauer fest, dass das Unternehmen Österreich aufgrund schlechter Standortbedingungen verlasse.

HINWEIS: Sitzungen des Nationalrats und des Bundesrats können via Livestream mitverfolgt werden und sind als Video-on-Demand in der Mediathek des Parlaments verfügbar. In der Mediathek finden Sie auch Fotos von Plenarsitzungen.


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