- 15.10.2026, 11:45:32
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Wer zahlt, kommt früher dran: Vorreihungen bei Operationen sind abzuschaffen
Erstmals weist eine Studie Vorreihungen in oberösterreichischen Krankenhäusern aus nicht medizinischen Gründen nach. Die Vorreihungen finden aufgrund von Besuchen einer Privatordination oder durch private Zuzahlungen statt. Diese Praxis widerspricht dem Gleichbehandlungsgrundsatz im solidarischen Gesundheitssystem und ist abzuschaffen. Die Landespolitik muss diese Vorreihungen unterbinden und für maximale Transparenz sorgen.
Um langen OP-Wartezeiten und Vorreihungen in Oberösterreich auf den Grund zu gehen, hat die AK Oberösterreich das Institut für Höhere Studien (IHS) mit einer umfassenden Studie beauftragt. Zwischen September 2025 und Jänner 2026 haben 810 Personen an der Befragung teilgenommen, die in den letzten drei Jahren eine Operation in einem öffentlichen Krankenhaus oder Ordensspital hatten.
Vorreihungen systematisch nachgewiesen
13,1 Prozent der Befragten wurde das Angebot unterbreitet, die Wartezeit durch den Besuch einer Privatordination zu verkürzen. 6,1 Prozent nahmen das Angebot an, 4,8 Prozent lehnten es ab, weil es ihnen zu teuer war oder weil sie es aus Prinzip nicht annehmen wollten.
9,1 Prozent der Befragten wurde das Angebot unterbreitet, die Wartezeit durch die Tätigung einer privaten Zuzahlung zu verkürzen. 2,8 Prozent nahmen das Angebot an, 5,2 Prozent lehnten es ab. Die Höhe der privaten Zuzahlungen lag zwischen 200 und 8.600 Euro.
Wer vorgereiht wird, muss nicht so lange warten
Personen, die mehrere private Zugangswege genutzt haben, mussten im Median 7,5 Wochen auf eine geplante Operation warten. Bei Personen, die einzig eine private Krankenzusatzversicherung nutzten, beträgt die mediane Wartezeit acht Wochen. Befragte, die eine private Zuzahlung getätigt oder einen privaten Kontakt genutzt haben, haben 12,5 bzw. 17,5 Wochen gewartet. Befragte, die keine privaten Zugangswege genutzt haben, um früher operiert zu werden, hatten im Median eine Wartezeit von 20 Wochen.
Auch Bildung und Einkommen haben einen Einfluss
Befragte mit einer abgeschlossenen Berufsbildenden Mittleren Schule, Matura oder einem höheren Bildungsabschluss (Median: 16 Wochen) warten im Vergleich zu Befragten mit Pflichtschul- oder Lehrabschluss (Median: 25 Wochen) deutlich kürzer auf Operationen. Ähnlich wirkt sich das Einkommen auf die Wartezeiten aus: Befragte mit einem monatlichen verfügbaren Haushaltseinkommen von über 2.100 Euro warten 18,5 Wochen auf eine OP. Personen mit geringerem Einkommen warten 24 Wochen.
Deutliche Unterschiede innerhalb von Österreich
Innerhalb von Österreich variieren die Wartezeiten sowohl zwischen den Bundesländern als auch innerhalb der einzelnen Bundesländer stark. Besonders deutlich wird das am Beispiel von Hüft-Endoprothesen in öffentlichen Krankenanstalten. In Vorarlberg (24 bis 27 Wochen), Kärnten (17 bis 22 Wochen) und Tirol (19 bis 28 Wochen) gibt es innerhalb des Bundeslandes kaum Unterschiede. In der Bundeshauptstadt Wien reichen die Wartezeiten von zwei bis 34 Wochen. In Oberösterreich hingegen reichen die Wartezeiten auf Hüft-Endoprothesen von 25 Wochen im Salzkammergut Klinikum Bad Ischl und Klinikum Schärding bis zu 80 Wochen im Salzkammergut Klinikum Gmunden. Unser Bundesland hat somit nach Niederösterreich die zweithöchste maximale Wartezeit und eine besonders große Varianz innerhalb des Bundeslandes.
§ 28a Oö. Krankenanstaltengesetz 1997 regelt, dass die Terminvergabe bei Operationen ausschließlich nach medizinischen Gesichtspunkten sowie nach betriebsorganisatorischen und sozialen Aspekten zu erfolgen hat. Die aktuelle IHS-Studie deutet aber auf eine Verschiebung von primär bedarfsorientierten zu ökonomisch-orientierten Wartelisten hin. Eine Fehlentwicklung, die aus Sicht der Arbeiterkammer Oberösterreich dringend behoben werden muss.
Forderungen der Arbeiterkammer Oberösterreich
- Wartezeiten auf Leistungen der öffentlichen Gesundheitsversorgung müssen in allen Bereichen drastisch reduziert werden.
- Ähnlich wie in Schweden ist in Österreich ein Patientenrecht gesetzlich zu verankern, das eine zeitnahe medizinische Versorgung garantiert. So soll eine elektive Operation innerhalb von zwölf Wochen nach der medizinischen Indikation durchgeführt werden.
- Die Landespolitik muss für eine transparente und vergleichbare Umsetzung des Wartelistenmanagements in Oberösterreich sorgen. Vorreihungen auf geplante Operationen aus nicht-medizinischen Gründen in Landes- oder Ordensspitälern müssen sofort unterbunden werden. Die zentrale, landesweite Übersicht muss zu einer interaktiven Plattform weiterentwickelt werden. Sie soll die tatsächlichen Wartezeiten nach Operation, Standort und Fach sowie die Anzahl der vorgemerkten Patient:innen, der Sonderklassepatient:innen, inklusive Differenzierung nach Dringlichkeitsstufen, darstellen und monatlich aktualisiert werden.
- Es soll eine von Krankenhausträgern unabhängige Beschwerdestelle eingerichtet werden, an die sich Patient:innen bei Verdacht auf mögliche Unregelmäßigkeiten im Bereich des Wartelistenmanagements wenden können.
Hier finden Sie die ausführliche Pressekonferenzunterlage sowie ein Foto von AK-Präsident Andreas Stangl und Dr. Thomas Czypionka, Leiter des Bereichs Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik am Institut für Höhere Studien (IHS).
Fotocredit: AK OÖ / Wolfgang Spitzbart
Rückfragen & Kontakt
Arbeiterkammer Oberösterreich
Bianca Karr-Sajtarevic, MSc
Telefon: +43 (0)50/6906-2174
E-Mail: [email protected]
Website: https://ooe.arbeiterkammer.at/
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