- 14.10.2026, 13:55:32
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Parlamentsdirektion gewinnt AI Excellence Award 2026 für KI-Stimm-Avatar
Künstliche Intelligenz unterstützt parlamentarische Teilhabe bei eingeschränkter Sprechfähigkeit
Die Parlamentsdirektion ist für das Projekt "AI Stimm-Avatar" mit dem ersten Platz beim LSZ AI Excellence Award 2026 ausgezeichnet worden. Der in Kooperation mit Zero Project entwickelte Stimm-Avatar zeigt, wie künstliche Intelligenz Menschen mit eingeschränkter Sprechfähigkeit die weitere Ausübung ihres parlamentarischen Mandats ermöglichen und damit demokratische Teilhabe erhalten kann. Konkret unterstützt er Nationalratsabgeordneten Klaus Fürlinger, dessen Sprechfähigkeit aufgrund einer chronischen Erkrankung eingeschränkt ist, bei der Wahrnehmung seiner parlamentarischen Aufgaben. Beim CIO-Kongress in Bad Loipersdorf kürten Publikum und Fachjury das Projekt unter fünf Finalisten zum Sieger.
Nationalratspräsident Rosenkranz und Parlamentsdirektor Weinert zur Auszeichnung
"Der AI-Stimm-Avatar ist ein Beispiel dafür, wie wichtig technischer Fortschritt ist und wie er genützt werden kann, um auch demokratische Prozesse zu unterstützen", sagte Nationalratspräsident Walter Rosenkranz. Er bedankte sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Parlamentsdirektion, die die Anwendung des KI-Stimm-Avatars gemeinsam mit dem Zero Project und Smart in Life ermöglicht hatten. "Sie haben damit gezeigt, wie künstliche Intelligenz in die analoge Welt integriert werden kann und Positives ermöglicht."
"Demokratische Teilhabe muss auch dann möglich sein, wenn persönliche oder gesundheitliche Umstände die politische Arbeit erschweren. Wenn künstliche Intelligenz dabei hilft, dass eine Stimme im Parlament hörbar bleibt, ist das ein besonders sinnvoller Einsatz dieser Technologie", sagte Parlamentsdirektor Roland Weinert. "Diese Auszeichnung zeichnet also nicht nur Technologie aus, sondern ein Projekt, das Innovation, Inklusion und Teilhabe an demokratischen Prozessen verbindet."
Künstliche Intelligenz unterstützt selbstbestimmte Mandatsausübung
Das KI-basierte Sprachmodell wurde aus Aufnahmen von Klaus Fürlingers früheren Wortmeldungen im Nationalrat erstellt und bildet seine persönliche Stimme einschließlich Tonalität, Betonung und Intonation nach. Die Inhalte seiner Reden verfasst Fürlinger selbst. Daraus werden vorab Audiodateien erzeugt, die er am Rednerpult über ein an die Tonanlage angeschlossenes Tablet selbstständig starten, pausieren und stoppen kann. Politische Autorenschaft und Verantwortung bleiben damit vollständig beim Abgeordneten.
Im Auftrag von Nationalratspräsident Walter Rosenkranz schuf die Parlamentsdirektion den institutionellen, rechtlichen, organisatorischen und technischen Rahmen für den Einsatz. Sie implementierte die neue Technik im Ausschuss- und Plenarbetrieb. Zero Project unterstützte die inhaltliche und internationale Vernetzung, Smart in Life übernahm die technische und assistierende Begleitung.
Das ausgezeichnete Projekt zeigt, wie individuell angepasste KI-Technologie körperliche Einschränkungen ausgleichen und berufliche sowie demokratische Teilhabe ermöglichen kann. Mittlerweile wird die Technik regelmäßig genutzt. Laut Projektdokumentation kam sie bisher bei vier Plenar- und fünf Ausschusseinsätzen sowie bei Medieninterviews zum Einsatz.
Der von der LSZ GmbH veranstaltete AI Excellence Award Austria zeichnet Organisationen aus, die künstliche Intelligenz erfolgreich einsetzen und damit einen nachweisbaren Nutzen erzielen. Bewertet werden Innovation, Wirkung, Umsetzungsreife, Übertragbarkeit sowie der verantwortungsvolle Umgang mit KI. Die Auszeichnung wurde 2026 zum zweiten Mal vergeben.
Von der Avatar-Präsentation zur Plenarrede
Den Anstoß für das Projekt gab die Auftaktveranstaltung zur Zero Project Conference am 4. März 2025 im Parlament. Dort hielt die von ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) betroffene Erin Taylor mithilfe eines KI-Avatars eine Rede (siehe PK 98/2025). Wenige Wochen später wandte sich Nationalratsabgeordneter Klaus Fürlinger an Zero Project mit dem Wunsch, wieder selbst im Plenum sprechen zu können. Im Herbst 2025 folgte die technische Abklärung, im November 2025 wurde ein erster Testlauf beauftragt. Erstmals erfolgreich eingesetzt wurde das Sprachmodell am 25. November 2025 im Justizausschuss. Für Fürlingers Tätigkeit als Ausschussvorsitzender wurden die benötigten Formulierungen angepasst und in 61 einzelne Textbausteine aufgeteilt. Nach Tagesordnungspunkten geordnet, können diese während der Sitzung rasch abgerufen und vom Abgeordneten selbst gesteuert werden.
Am 11. Dezember 2025 hielt Fürlinger erstmals eine Rede im Nationalratsplenum mit seiner KI-generierten Stimme. Für die rund achtminütige Wortmeldung wurden die Audiodateien vorab mehrfach überarbeitet, um insbesondere die Aussprache von Namen und Abkürzungen sowie die Intonation zu optimieren. Der Auftritt machte deutlich, dass eine körperliche Einschränkung nicht den Verlust politischer Verantwortung bedeuten muss und assistierende Technologie die weitere selbstbestimmte Ausübung eines parlamentarischen Mandats ermöglichen kann. Das stenographische Protokoll dokumentierte am Ende der Rede lang anhaltenden stehenden Beifall. (Schluss) wit
HINWEIS: Fotos vom AI Excellence Award 2026 finden Sie im Webportal des Parlaments.
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