- 14.10.2026, 11:36:32
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Landarbeiterkammer: Herkunftskennzeichnung schützt Arbeitsplätze, Löhne und Qualität
ÖLAK-Vollversammlung in Villach: Wer die Herkunft verschweigt, verschiebt den Preisdruck auf die Beschäftigten
Die Vollversammlung der Österreichischen Landarbeiterkammer (ÖLAK) tagte am 7. Oktober 2026 in Villach unter dem Vorsitz von ÖLAK-Vizepräsident HR Ing. Eduard Zentner, Präsident der Landarbeiterkammer Steiermark. Die Delegierten debattierten unter anderem über Änderungen im Pensionssystem, Entgelttransparenz, Arbeitsplatzsicherheit und die wirtschaftliche Lage land- und forstwirtschaftlicher Betriebe. Außerdem befassten sie sich mit der Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln, die sie auch als Arbeitnehmerthema sehen.
Preisdruck trifft die Beschäftigten
Viele unselbständig Beschäftigte in Österreich arbeiten in Ställen und Gärtnereien, auf Feldern, im Wald oder in anderen Bereichen der Land- und Forstwirtschaft. Ihre Arbeit ist durch Kollektivverträge, Arbeitszeitregeln und Arbeitnehmerschutz abgesichert. Diese von den Landarbeiterkammern erkämpften Rechte haben nicht nur ihren Preis, sondern sind ihn auch wert.
Steht auf der Speisekarte oder auf dem Fertigprodukt nicht, woher Fleisch, Milch und Eier stammen, zählt für Kundinnen und Kunden nur der Preis. Heimische Ware konkurriert dann mit Produkten, die zu anderen Löhnen und unter anderen Arbeitsbedingungen erzeugt werden. Nach Einschätzung der ÖLAK trifft dieser Druck die heimischen Betriebe und damit ihre Beschäftigten. Betriebe müssen dann beim Personal sparen, und wer bleibt, hat mehr zu leisten. Arbeitsbedingungen und Lohnverhandlungen werden härter.
In der Kantine geregelt, im Wirtshaus nicht
In Betriebskantinen muss seit 1. September 2023 angegeben werden, woher Fleisch, Milch und Eier stammen. In der Gastronomie und bei verarbeiteten Lebensmitteln gibt es diese Pflicht nicht. Der Landwirtschaftsausschuss des Nationalrats hat eine Herkunftskennzeichnung für die Gastronomie mehrfach diskutiert, im Gespräch war dabei auch ein Modell auf freiwilliger Basis. Den Delegierten der ÖLAK reicht das nicht. Freiwillig kennzeichnen vor allem Betriebe, die ohnehin heimisch einkaufen, während Betriebe, die billig importieren, weiterhin nichts offenlegen müssten.
Österreichische Ware garantiert hohe Standards
Das EU-Mercosur-Abkommen wird seit 1. Mai 2026 vorläufig angewendet. Österreich importierte 2025 rund 2.156 Tonnen Rindfleisch aus den Mercosur-Staaten, knapp 13 Prozent mehr als 2024. Der Fall Brasilien zeigt, dass Exportländer ihre Zusagen nicht automatisch einhalten, und bestätigt damit die Befürchtungen der Landarbeiterkammern. Ende 2025 wurde bekannt, dass Fleisch von Rindern, die mit dem in der EU verbotenen Hormon Östradiol behandelt worden waren, in die EU gelangt war. Und das trotz zugesagter Kontrollen. Die Ware wurde in mehreren Mitgliedstaaten aufgefunden und musste vom Markt genommen werden. Seit 3. September 2026 dürfen Rinder, Geflügel, Eier und weitere tierische Erzeugnisse aus Brasilien nicht mehr in die EU ausgeführt werden, weil Brasilien die EU-Vorgaben zum Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung nicht erfüllt.
Weniger Antibiotika in der Nutztierhaltung durch qualifiziertes Personal
Österreich liegt beim Verkauf von Antibiotika für Nutztiere deutlich unter dem EU-Schnitt. Laut der Europäischen Arzneimittel-Agentur wurden 2024 in Österreich 20,1 Milligramm antibiotischer Wirkstoffe je Kilogramm Biomasse lebensmittelliefernder Tiere verkauft, im EU-Durchschnitt 46,1 Milligramm. Die ÖLAK sieht darin auch ein Ergebnis der sorgfältigen Arbeit qualifizierter Fachkräfte in den Betrieben. Diese Qualifikation steht am 3. November 2026 in Salzburg im Mittelpunkt, wenn die ÖLAK Facharbeiterinnen, Facharbeiter, Meisterinnen und Meister der Land- und Forstwirtschaft ehrt. Am Markt ist der Wert dieser Arbeit allerdings nur dort erkennbar, wo die Herkunft auch angegeben ist.
„Herkunftskennzeichnung macht österreichische Arbeit sichtbar. Hinter Fleisch, Milch und Eiern aus Österreich stehen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bei jedem Wetter arbeiten und nach Kollektivvertrag bezahlt werden. Sieht man im Wirtshaus oder beim Fertigprodukt nicht, woher die Zutaten kommen, gewinnt das billigste Angebot. Den Druck spüren dann die Beschäftigten bei Löhnen und Arbeitszeiten, und am Ende geht es um ihre Arbeitsplätze“, so HR Ing. Eduard Zentner.
„Die Qualität unserer Lebensmittel kommt aus der Arbeit in den Betrieben. Wenn diese Arbeit auf der Speisekarte und im Regal nicht sichtbar ist, lässt sich auch die Qualität der Arbeitsplätze auf Dauer nicht halten“, betont Zentner.
Rückfragen & Kontakt
Österreichische Landarbeiterkammer
Dr. Fabian Schaup
Telefon: 01/ 512 23 31
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.landarbeiterkammer.at
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