- 13.10.2026, 09:58:33
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Impfen in Apotheken: Jetzt die Weichen stellen
ÖVIH schlägt pragmatischen Beginn vor

Im Februar 2026 hat die Bundesregierung eine Grundsatzentscheidung zum Impfen in Apotheken getroffen. Eine gesetzliche Basis dafür fehlt allerdings bis heute, trotz des geplanten Starts im Jänner 2027. Angesichts sinkender Durchimpfungsraten in einigen Impfindikationen und der internationalen Erfolge durch das Impfen in der öffentlichen Apotheke fordert der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) nun, dass die notwendigen Gesetzesänderungen so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden.
Unzureichende Durchimpfungsraten
„Mit dem österreichischen Kinderimpfkonzept und der Einführung des öffentlichen Impfprogramms sind bereits wichtige Meilensteine gelungen
“, erklärt Mag.a Sigrid Haslinger, Präsidentin des ÖVIH. „Gleichzeitig zeigen die verfügbaren Daten zu den eingesetzten Impfstoffmengen, dass das Potenzial noch nicht ausgeschöpft wird. In einzelnen Indikationen sind die Durchimpfungsraten weiterhin nicht ausreichend, zudem bestehen nach wie vor Herausforderungen bei der Umsetzung und beim niederschwelligen Zugang zu Impfungen.
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FSME: Fallzahlen steigen, Impfquote sinkt
Als Beispiel nennt der ÖVIH die Impfung gegen FSME*. „Österreich zählt zu den am stärksten von FSME betroffenen Ländern Europas. Dennoch haben Evaluierungen 2026 ergeben, dass die Durchimpfungsrate sinkt, die notwendigen und regelmäßigen Auffrischungsimpfungen oftmals nicht durchgeführt werden und die Anzahl der FSME-Erkrankungsfälle ansteigt
“, berichtet Mag.a Nicole Zahradnicek, Vizepräsidentin des ÖVIH. Laut Virologie der MedUni Wien wurden 2026 bis September bereits 155 bestätigte FSME-Infektionen registriert. Im gesamten Jahr 2025 waren es insgesamt 132 Erkrankungsfälle.
Nachholbedarf bei HPV
Nicht befriedigend ist die Situation auch bei HPV**: Die HPV-Impfung wird in Österreich seit 2014 für Mädchen und Buben im Schulimpfprogramm und seit Februar 2024 für alle bis zum 21. Geburtstag kostenlos angeboten. Weiters gab es bis Juni 2026 ein befristetes Catch-up-Programm für 21- bis 29-Jährige. „Diese Impfoption steigerte die Impfaktivität dieser Altersgruppe deutlich. Nach Ende dieses Angebots ist die Impfbereitschaft der über 21-Jährigen jedoch wieder zurückgegangen. Außerdem gibt es erhebliche Impflücken bei Jugendlichen ab dem 14. Lebensjahr
“, betont Haslinger. „Hier könnten öffentliche Apotheken helfen, wieder mehr junge Menschen zu erreichen. Außerdem kann die Maßnahme durch das HPV-Cockpit, in dem die Impfungen genau dokumentiert werden, ab dem ersten Tag evaluiert werden.
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Impfen in Apotheken als zusätzliche Option
Sie stellt klar: „Das Impfen in Apotheken stellt eine weitere zusätzliche Impfoption dar, neben dem Impfen in den Ordinationen, Schulen, Betrieben und Impfinstituten. Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Das Impfen in Apotheken bietet einen niederschwelligen Zugang, Impfaufklärung und -verabreichung ohne zusätzlichen Termin sowie die Möglichkeit, auch junge und gesunde Menschen zu erreichen, die selten zum Arzt oder zur Ärztin gehen.
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Zahradnicek ergänzt: „In den meisten Ländern der EU wird in der Apotheke geimpft und das sehr erfolgreich. Die Durchimpfungsraten werden gesteigert und die Impfbereitschaft erhöht. In einigen Ländern zeigte sich sogar, dass das Impfen in der Apotheke die Impfbereitschaft in der ärztlichen Praxis gesteigert hat.
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Internationale Erfolgsbeispiele
Beispielsweise dürfen Pharmazeut:innen in Irland seit 2011 impfen. Das führte zu einem Anstieg der Influenza-Durchimpfungsrate um etwa 50 %.1 Eine von vier in der Apotheke geimpften Personen war davor nicht geimpft.2 In Portugal stieg die Influenza-Durchimpfungsrate durch die Einführung der Apothekenimpfung um 32 %.1 Zahlen aus der Schweiz zeigen, dass 15 % der in Apotheken gegen Influenza geimpften Personen ohne dieses Angebot ungeimpft geblieben wären.3
Rasche und praktische Umsetzung notwendig
Der ÖVIH fordert die Bundesregierung daher auf, die im Februar getroffene Grundsatzentscheidung zum Impfen in öffentlichen Apotheken zeitnah umzusetzen. Haslinger: „Wir schlagen vor, mit einigen ausgewählten Impfungen im Jänner 2027 zu beginnen, nämlich HPV, FSME und eventuell auch Keuchhusten (Pertussis).
“ Bei HPV gebe es nach wie vor Probleme bei den Schulimpfungen und bei FSME und Keuchhusten sei aufgrund der Fallzahlen Handlungsbedarf gegeben. Die HPV-Impfung ab 14 von Beginn an in das Impfangebot in Apotheken zu inkludieren, wäre darüber hinaus eine Bestätigung der von Österreich eingeschlagenen HPV-Eliminierungsstrategie.
Ein Start mit ausgewählten Impfungen schafft erste Erfahrungswerte für einen schrittweisen Ausbau. Das Ziel sollte sein, alle im ÖIP verfügbaren Impfungen neben den bisherigen Impfmöglichkeiten auch in Apotheken zur Verfügung stellen zu können.
* Frühsommer-Meningoenzephalitis
** Humane Papillomviren
- International Pharmaceutical Federation (FIP). Vaccine administration and prescribing by pharmacists: Scope of services, training and impact. The Hague: FIP; 2024. S. 4.
- The Pharmaceutical Society of Ireland. Report on the Evaluation of the Seasonal Influenza Vaccination Service in Pharmacy 2014/2015. Dublin: PSI; 2015. S. 12–15.
- Kaiser B, Zimmermann L. Impfen in der Apotheke: Bestandsaufnahme und Erfahrungen der Apotheken. Bericht zuhanden des Schweizerischen Apothekerverbands pharmaSuisse. Basel: B,S,S. Volkswirtschaftliche Beratung; 2018. S. 21, 23.
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