- 13.10.2026, 07:00:39
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Greenpeace-Report zeigt: Ikea zerstört europäische Schutzgebiete für Wegwerfmöbel – BILD
Greenpeace fordert im Vorfeld der Artenschutzkonferenz CBD COP17, dass Unternehmen wie Ikea endlich Verantwortung übernehmen
Ein heute veröffentlichter Greenpeace-Report zeigt, dass der internationale Möbelriese Ikea trotz Nachhaltigkeitsversprechen wertvolle Naturwälder in einem rumänischen Natura-2000-Schutzgebiet abgeholzt und für Billigmöbel verarbeitet hat. Auch in Österreich sind Ikea-Produkte erhältlich, deren Holz höchstwahrscheinlich aus geschützten Wäldern in Europa stammt - beispielsweise das Fichtenholzbett “Neiden”. In Hinblick auf die anstehende UN-Biodiversitätskonferenz in Armenien, bei der die Verantwortung und Transparenz von Unternehmenslieferketten ein wichtiger Baustein ist, fordert Greenpeace von Konzernen wie Ikea Taten statt Greenwashing.
Ursula Bittner, Greenpeace-Biodiversitätsexpertin: “Europas alte Wälder beherbergen unzählige Arten. Hier streifen Luchse, Rothirsche und Braunbären durch fast unberührte Baumlandschaften, viele der Bäume sind hunderte Jahre alt. Auch um unser Klima zu regulieren und Wasser zu speichern, sind Wälder entscheidend. Ikea schmückt sich mit großen Nachhaltigkeitsversprechen - gleichzeitig zeigen Greenpeace-Recherchen erneut, dass Ikea-Zulieferer Schutzregelungen missachten und wertvolle Wälder zerstören.”
Am Papier setzt Ikea ambitionierte Ziele, doch dem Konzern fehlt es an konkreten, messbaren Artenschutzzielen. Ikea bezieht nach wie vor Holz aus schützenswerten Wäldern – statistisch gesehen wird für den Möbelgiganten alle zwei Sekunden ein Baum gefällt. Über 25 Jahre hat Greenpeace Baumverlust (“Tree cover loss”) in Polen, Schweden, Deutschland, Rumänien und Finnland analysiert. Diese Länder liefern fast die Hälfte des von Ikea verwendeten Frischholzes. Der alarmierende Baumverlust in diesen Ländern zeigt, dass etwa Natura 2000-Schutzgebiete nicht vor Entwaldung schützen. Deshalb brauchen wir streng geschützte Gebiete ohne industriellen Holzeinschlag.
Fallstudie Rumänien: Kahlschlag in der Natura 2000-Schutzzone
Die im Report dokumentierte Fallstudie zeichnet ein verheerendes Bild: Im Forstbezirk Rusca Montană (Parzelle 37), der innerhalb eines geschützten Natura 2000-Gebiets in den rumänischen Karpaten liegt, kam es zu massiven Einschlägen. In einem Gebiet von 15 Hektar wurden sämtliche Bäume gerodet, das ökologisch notwendige Totholz wurde entfernt. Das geschlagene Holz gelangte nachweislich in die Lieferkette von Ikea-Zulieferern.
Im Rahmen der Artenschutzkonferenz haben sich 196 Staaten darauf geeinigt, 30 Prozent der Land- und Meeresflächen effektiv zu schützen – die EU sogar ein Drittel davon streng. Das betreffende Gebiet hätte ursprünglich im Rahmen dessen unter strengen Schutz gestellt werden müssen. Nachdem es gerodet wurde, ist es nun von der Schutzliste gestrichen.
Zertifikate wie FSC versagen
Ikea stützt seine Nachhaltigkeitsversprechen nach wie vor primär auf FSC-Zertifikate. Doch auch wenn sich Konzerne unter der neuen EU-Empowering-Consumers-Richtlinie hinter solchen Zertifikatssystemen verstecken können, zeigt die Realität: Siegel garantieren keinen echten Waldschutz. Das Regelwerk ist lückenhaft und erlaubt Ausnahmen, durch die Holz aus wertvollen Urwäldern und Schutzgebieten bezogen werden darf. Statt den tatsächlichen ökologischen Zustand ganzheitlich zu messen, stützen sich Zertifikate und Ikea-Kontrollen oft auf reine Nutzungskriterien und oberflächliche Kennzahlen wie Baumzählungen.
“Die Politik setzt Artenschutzziele im Schneckentempo um. Währenddessen holzen Unternehmen munter weiter Waldflächen ab, die eigentlich als zukünftige Schutzgebiete vorgesehen sind. Doch gerade Marktführer wie Ikea müssen endlich Verantwortung für die gesamte Lieferkette übernehmen", sagt Bittner.
Die bevorstehende UN-Artenschutzkonferenz macht unmissverständlich klar: Wenn Staaten und Großkonzerne jetzt nicht handeln, verfehlen wir die globalen Biodiversitätsziele und zerstören unsere Lebensgrundlage. Greenpeace fordert, dass Ikea kein Holz aus schützenswerten Gebieten kauft. Der Konzern darf sich nicht hinter Gütezeichen wie dem FSC verstecken, die nachweislich versagen und den Einschlag in Schutzwäldern nicht verhindern. Im Sinne ihrer Lieferkettenverantwortung muss Ikea über Baumzählen hinausgehen, und den tatsächlichen Zustand des Waldes bewerten, bevor geholzt wird. Außerdem muss der Konzern seine Marktmacht nutzen, um sich für den strengen rechtlichen Schutz von mindestens zehn Prozent der EU-Landfläche einzusetzen.
Link zum Report (auf Englisch) und Fotomaterial: https://bit.ly/Ikea-Report
Unter Verwendung der Credits (im Dateinamen) stehen die Fotos kostenfrei zur redaktionellen Nutzung zur Verfügung.
Inhalte auf einen Blick
Thema/Anlass: Neuer Greenpeace-Report zu Rodungen wertvoller Naturwälder für Ikea-Möbel (sowie die bevorstehende UN-Biodiversitätskonferenz in Armenien).
Datenbasis/Ergebnis:
- Für IKEA wird statistisch alle zwei Sekunden ein Baum gefällt.
- Mehr als die Hälfte des Frischholzes für Ikea stammt aus Polen (29 Prozent), Schweden (acht Prozent), Deutschland (sechs Prozent), Rumänien (drei Prozent) und Finnland (zwei Prozent).
- Das betroffene Schutzgebiet in den Karpaten wurde vor der Abholzung von der Liste der streng geschützten Gebiete gestrichen; die Folge war ein kompletter Kahlschlag
- FSC-Zertifikate weisen erhebliche Schlupflöcher auf
Hauptforderung: Konzernverantwortung bei Biodiversitätsschutz, Ikea: Sofortiger Lieferstopp für Holz aus schützenswerten Gebieten
Adressat: Ikea (sowie Konsumgüterkonzerne mit globalen Lieferketten).
Quelle/Material: Greenpeace
Rückfragen & Kontakt
Ursula Bittner
Waldexpertin
Greenpeace Österreich
Tel.: +43 (0) 664 96 06 429
E-Mail: [email protected]
Julia Karzel
Pressesprecherin
Greenpeace Österreich
Tel.: + 43 (0) 664 881 722 51
E-Mail: [email protected]
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