• 12.10.2026, 14:24:02
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NÖAAB zu Bildungskompass: „Unsere Pädagoginnen und Pädagogen verdienen Wertschätzung statt unreflektierter, öffentlicher Bewertung“

Seitner/Andre: Schulen brauchen Unterstützung und faire Rahmenbedingungen – keine vorschnelle Einteilung in gute und schlechte Standorte

St. Pölten (OTS) - 

Der von Bildungsminister Christoph Wiederkehr präsentierte Bildungskompass sorgt für Diskussionen. Auch der NÖAAB sieht die unreflektierte Veröffentlichung von Leistungsvergleichen einzelner Schulstandorte kritisch. NÖAAB-Landesgeschäftsführer Seitner und Claudia Andre aus der Lehrerpersonalvertretung betonen, dass Transparenz im Bildungswesen grundsätzlich zu begrüßen sei. Sie dürfe aber keinesfalls dazu führen, dass Schulen und insbesondere die dort tätigen Pädagoginnen und Pädagogen auf einzelne Testergebnisse reduziert werden.

„Unsere Lehrerinnen und Lehrer leisten tagtäglich hervorragende Arbeit. Sie vermitteln nicht nur Wissen, sondern begleiten Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung, fördern individuelle Talente, geben Halt und Orientierung und schaffen damit die Grundlage für einen erfolgreichen Bildungsweg. Diese wertvolle Arbeit lässt sich nicht in einer Tabelle und schon gar nicht mit einer Einteilung in ein oberes, mittleres oder unteres Drittel abbilden. Unsere Pädagoginnen und Pädagogen verdienen dafür Anerkennung, Respekt und vor allem die volle Unterstützung der Bildungspolitik“, betont NÖAAB-Landesgeschäftsführer Seitner.

Schulische Leistungen brauchen eine faire und nachvollziehbare Einordnung

Besonders kritisch sieht der NÖAAB die Aussagekraft der veröffentlichten Leistungsvergleiche. Zwar werden Schulen laut Bildungsministerium mit Standorten verglichen, die ähnliche Voraussetzungen aufweisen. Für Eltern und die interessierte Öffentlichkeit müsse aber nachvollziehbar sein, wie diese Vergleiche zustande kommen und welche Faktoren dabei berücksichtigt werden. „Wer Schulen öffentlich miteinander vergleicht, trägt eine große Verantwortung. Hinter jedem Schulstandort stehen engagierte Menschen, die unter ganz unterschiedlichen Bedingungen ihr Bestes geben. Ob eine Schule mit besonderen sozialen Herausforderungen konfrontiert ist, wie viele Kinder zusätzliche sprachliche Förderung benötigen oder welche Unterstützungsangebote tatsächlich zur Verfügung stehen, macht im Schulalltag einen enormen Unterschied. Deshalb müssen solche Vergleiche mit größter Sorgfalt erfolgen und verständlich erklärt werden“, hält Claudia Andre aus der Lehrerpersonalvertretung fest. Hinzu kommt, dass gerade im Volksschulbereich aufgrund der bestehenden Schulsprengel für viele Eltern keine uneingeschränkte Schulwahl möglich ist. Damit stellt sich auch die Frage, welchen konkreten Mehrwert die öffentliche Einteilung von Volksschulen in unterschiedliche Leistungsgruppen für die betroffenen Familien tatsächlich bringt.

Pädagogische Arbeit ist weit mehr als ein Testergebnis

Für Andre steht vor allem die tägliche Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer im Mittelpunkt: „Unsere Kolleginnen und Kollegen stehen jeden Tag mit großem Engagement, hoher fachlicher Kompetenz und viel Herzblut in ihren Klassenzimmern. Sie gehen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder ein, unterstützen jene, die mehr Hilfe brauchen, und fördern gleichzeitig besondere Begabungen. Sie sind Wissensvermittler, Vertrauenspersonen und wichtige Bezugspersonen für unsere Kinder. Wer die Qualität einer Schule beurteilen möchte, darf diese Leistungen nicht ausblenden.“

Die Ergebnisse standardisierter Kompetenzmessungen könnten wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung des Unterrichts liefern. Sie seien aber immer im jeweiligen Zusammenhang zu betrachten und könnten niemals die gesamte pädagogische Qualität eines Schulstandorts widerspiegeln.

Schulen stärken statt zusätzlichen Druck erzeugen

Seitner und Andre sprechen sich deshalb dafür aus, Bildungsdaten in erster Linie dafür zu nutzen, Schulen gezielt zu unterstützen und Verbesserungen zu ermöglichen. Wo Herausforderungen sichtbar werden, müsse die Antwort der Bildungspolitik in konkreter Unterstützung liegen.

„Wenn wir feststellen, dass ein Schulstandort besondere Herausforderungen zu bewältigen hat, dann müssen wir uns fragen, welche zusätzlichen Ressourcen und welche Unterstützung dort gebraucht werden. Unsere Lehrerinnen und Lehrer brauchen gute Arbeitsbedingungen, ausreichend Unterstützungspersonal, gezielte Fördermöglichkeiten und mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe: die Arbeit mit unseren Kindern. Ein Bildungskompass muss dabei helfen, Schulen besser zu machen, und darf nicht dazu führen, dass engagierte Pädagoginnen und Pädagogen öffentlich unter Rechtfertigungsdruck geraten“, so Andre.

Auch Seitner sieht die Verantwortung bei der Politik: „Es ist leicht, Ergebnisse zu veröffentlichen und Schulen miteinander zu vergleichen. Entscheidend ist aber, welche Konsequenzen daraus gezogen werden. Wir brauchen eine Bildungspolitik, die unseren Pädagoginnen und Pädagogen den Rücken stärkt, ihnen vertraut und ihnen die bestmöglichen Rahmenbedingungen für ihre Arbeit bietet. Denn gute Bildung entsteht nicht durch Rankings, sondern durch Menschen, die sich mit Kompetenz, Verantwortung und Begeisterung für unsere Kinder einsetzen.“

NÖAAB: Vertrauen und Wertschätzung müssen im Mittelpunkt stehen

Abschließend betonen Seitner und Andre, dass der Bildungskompass nur dann einen tatsächlichen Mehrwert bieten könne, wenn die Daten nachvollziehbar aufbereitet, verantwortungsvoll kommuniziert und für konkrete Verbesserungen genutzt werden.

„Unsere Pädagoginnen und Pädagogen sind das Fundament unseres Bildungssystems. Sie leisten jeden Tag einen unverzichtbaren Beitrag für die Zukunft unserer Kinder und damit für die Zukunft unseres Landes. Dafür gebührt ihnen unser aufrichtiger Dank und unsere volle Wertschätzung. Wer die Qualität unserer Schulen verbessern will, muss bei der Unterstützung der Menschen ansetzen, die täglich im Klassenzimmer stehen. Unsere Lehrerinnen und Lehrer brauchen Rückenwind statt zusätzlichen Druck“, halten Seitner und Andre abschließend fest.

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