- 07.10.2026, 11:07:04
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vida-Hebenstreit: „Es gibt keinen Arbeitskräftemangel, es gibt einen Lohnmangel“
Vier Arbeitslose auf jede offene Stelle: Gewerkschaft fordert Stopp für Mangelberufsliste, Saisonkontingente & Rot-Weiß-Rot-Karte sowie kräftige Lohnerhöhungen als Konjunkturmotor
„Die Zahlen vom Arbeitsmarkt sind eindeutig: Österreich hat keinen allgemeinen Arbeitskräftemangel. Wer das Gegenteil behauptet, will keine Fachkräfte, sondern Lohndruck“, sagt Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida.
Ende September waren 306.624 Menschen arbeitslos vorgemerkt, um 7.444 mehr als vor einem Jahr. Dazu kommen 74.535 Menschen in AMS-Schulungen. Ihnen standen nur 78.267 sofort verfügbare offene Stellen gegenüber, und deren Zahl sinkt.
„Auf jede offene Stelle kommen fast vier Arbeitslose, mit Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmern fast fünf. Das ist das Gegenteil von Mangel“, so Hebenstreit. Besonders alarmierend: Die Langzeitarbeitslosigkeit ist um 22 Prozent gestiegen, die Arbeitslosigkeit bei Menschen über 50 um fast 6 Prozent, bei Menschen mit Lehrabschluss um 5 Prozent.
Stopp für Mangelberufsliste, Saisonkontingente und Rot-Weiß-Rot-Karte
„Solange die Arbeitslosigkeit steigt und die Reallöhne nicht deutlich wachsen, darf es keine Mangelberufsliste, keine zusätzlichen Saisonkontingente und keine Rot-Weiß-Rot-Karten in angeblichen Mangelberufen geben“, fordert der vida-Vorsitzende. „Wer Arbeitskräfte sucht, soll zuerst die Menschen einstellen, die beim AMS gemeldet sind, sie qualifizieren und endlich wieder Lehrlinge ausbilden. Bei 381.000 Menschen ohne Job und erstmals weniger als 100.000 Lehrlingen hat die Wirtschaft ihre Hausaufgaben nicht gemacht.“
Ein echter Mangel hat eine klare Sprache: steigende Löhne. „Die Reallöhne sind seit 2019 gesunken. Wo die Löhne nicht steigen, herrscht kein Mangel. Da herrschen Arbeitgeber, die nicht anständig zahlen wollen“, stellt Hebenstreit fest.
Die Forderung richtet sich gegen eine Politik, die Lohndruck organisiert, nicht gegen Menschen: „Wer in Österreich arbeitet, hat Anspruch auf denselben Kollektivvertrag, denselben Lohn und dieselben Rechte, egal woher er oder sie kommt“, so der Gewerkschafter.
Ohne Kaufkraft kein Aufschwung, ohne Aufschwung keine Jobs
Die Beschäftigung ist im September zwar um knapp 8.000 gestiegen, aber viel zu wenig, um die Arbeitslosigkeit zu senken. „Das Problem ist nicht zu wenig Arbeitskraft, sondern zu wenig Nachfrage“, betont Hebenstreit. Der private Konsum macht rund die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus. Er stagniert, weil die Haushalte 2025 real 1,6 Prozent weniger verfügbares Einkommen hatten und die Inflation im September wieder auf 3,6 Prozent gestiegen ist.
„Wer bei den Löhnen spart, würgt die Nachfrage ab, und ohne Nachfrage stellt kein Betrieb zusätzlich Arbeitskräfte ein. Lohnzurückhaltung schafft keinen einzigen Arbeitsplatz. Kaufkraft schafft Arbeitsplätze“, so Hebenstreit.
Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen geben zusätzliches Geld im Inland aus: beim Greißler, beim Wirt, beim Handwerker. „Höhere Löhne sind der Sprit für den Konjunkturmotor. Nur mit kräftigen Lohnabschlüssen kommt die Wirtschaft so in Fahrt, dass auch die Arbeitslosigkeit sinkt“, fügt der vida-Vorsitzende hinzu.
Höhere Löhne stärken zudem die öffentlichen Kassen. Schon ein Prozent weniger Lohnentwicklung im Dienstleistungssektor kostet rund 204 Millionen Euro an Steuern und 385 Millionen Euro an Sozialbeiträgen.
Für die Herbstlohnrunde, die am 12. Oktober mit den Eisenbahnen startet, ist die Linie der vida daher klar: „Volle Abgeltung der rollierenden Inflation und reale Lohnzuwächse, vor allem bei den niedrigen Einkommen. Das ist kein Wunschkonzert. Das ist das beste Konjunktur- und Beschäftigungsprogramm, das dieses Land hat“, bekräftigt Hebenstreit abschließend.
Quellen: Daten von AMS (Arbeitsmarktdaten September 2026), Statistik Austria, WIFO, vida-Berechnungen.
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Gewerkschaft vida/Öffentlichkeitsarbeit
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