• 06.10.2026, 10:59:33
  • /
  • OTS0085

ÖGB-Frauen: „Mehr Geld hilft nicht“? Für Alleinerziehende ist das ein Schlag ins Gesicht

Kickinger: „Wer Alleinerziehenden einredet, Geld sei nicht das Problem, zeigt erschreckende Realitätsferne“

Wien (OTS) - 

Mit scharfer Kritik reagieren die ÖGB-Frauen auf einen mittlerweile offline genommenen Ratgeber des Bundeskanzleramts für Alleinerziehende. Darin wurde unter der Überschrift „Erste Hilfe bei Selbstmitleid“ unter anderem suggeriert, finanzielle Probleme würden nicht durch mehr Geld gelöst. Nach massiver öffentlicher Kritik wurde die Broschüre inzwischen zurückgezogen.

„Für hunderttausende Alleinerziehende in Österreich ist diese Botschaft ein Schlag ins Gesicht“, sagt ÖGB Bundesfrauensekretärin Dorottya Kickinger. „Wer jeden Monat darum kämpfen muss, die Miete zu bezahlen, Kinderbetreuung zu organisieren und den Wocheneinkauf zu finanzieren, braucht keine Belehrungen über die richtige Einstellung. Er braucht finanzielle Sicherheit und politische Unterstützung“, so die Gewerkschafterin.

Besonders problematisch sei die Haltung, die hinter der Broschüre sichtbar werde, unterstreicht Kickinger: „Das ist kein unglücklicher Formulierungsfehler, sondern Ausdruck einer gefährlichen Denkweise. Menschen, die unter enormem Druck stehen, wird suggeriert, sie müssten einfach positiver denken, anstatt ihre tatsächlichen Probleme ernst zu nehmen. Damit werden die strukturellen Herausforderungen von Alleinerziehenden unsichtbar gemacht.“

Für Kickinger ist klar: „Natürlich löst Geld nicht jedes Problem. Aber fehlendes Geld verschärft nahezu jedes Problem. Armut bedeutet Verzicht, Stress, Existenzängste und schlechtere Chancen für Kinder. Wer Frauen mit leeren Geldbörsen erklärt, Geld sei nicht die Lösung, hat die Lebensrealität von Alleinerziehenden nicht verstanden.“

Die Zahlen zeigten seit Jahren, dass Alleinerziehende zu den am stärksten armutsgefährdeten Gruppen in Österreich gehören. Viele arbeiten bereits, oftmals in Teilzeit, weil ausreichende Kinderbetreuungsangebote fehlen. Gleichzeitig steigen Wohn- und Lebenshaltungskosten kontinuierlich.

„Alleinerziehende brauchen keine Ratschläge gegen angebliches Selbstmitleid. Sie brauchen faire Löhne, existenzsichernde Einkommen und einen flächendeckenden Ausbau der ganztägigen Kinderbetreuung“, fordert Kickinger: „Politik muss die Lebensrealität von Alleinerziehenden endlich ernst nehmen, statt sie mit undurchdachten Lebensweisheiten abzuspeisen.“

Über uns:
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.
www.oegb.at

Rückfragen & Kontakt

ÖGB Kommunikation
Barbara Kasper
Telefon: 0664/614 5221
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.oegb.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NGB

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel