• 05.10.2026, 10:33:32
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Impfungen gegen Atemwegserkrankungen: persönlicher Schutz mit gesellschaftlicher Wirkung

Öffentliches Impfprogramm wird weiter ausgebaut

Wien (OTS) - 

Seit der COVID-19-Pandemie treten Atemwegserreger immer häufiger gleichzeitig oder kurz hintereinander auf. Gerade ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen schlittern immer wieder von einer Infektion in die andere, was mitunter zu längerfristigen Komplikationen führen kann. Im Österreichischen Impfplan sind deswegen insbesondere im Herbst und Winter mehrere Impfungen empfohlen. Die meisten davon sind im öffentlichen Impfprogramm (ÖIP) enthalten und stehen den Risikogruppen gratis zur Verfügung. Neue Analysen zeigen nun, dass das ÖIP nicht nur die geimpften Personen schützt, sondern sich auch kostensparend auf das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft auswirkt.

Respiratorische Keime zirkulieren immer öfter gleichzeitig

„Während der COVID-19-Pandemie mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen sind manche Erkrankungen fast gar nicht aufgetreten. Jetzt sehen wir praktisch das Gegenteil: eine Co-Zirkulation von COVID-19, Influenza, Pneumokokken, RSV und anderen. Insbesondere Influenza und Pneumokokken treten oft gleichzeitig beziehungsweise aufeinanderfolgend auf“, berichtet Prim. Dr. Arschang Valipour, Leiter der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie, Klinik Floridsdorf und Leiter des Karl Landsteiner Instituts für Lungenforschung und pneumologische Onkologie. „Jede Infektion kann in weiterer Folge bei älteren Menschen zu einem anhaltenden Verlust von Muskelkraft, Mobilität und Selbständigkeit führen. Außerdem können respiratorische Infektionen das Risiko für eine weitere Infektion nach sich ziehen. Impfungen können diesen Kreislauf an mehreren Stellen durchbrechen.“

Öffentliches Impfprogramm wird laufend ausgebaut

Genau aus diesem Grund gibt es in Österreich ein öffentliches Impfprogramm, in dem verschiedene Impfungen bestimmten Bevölkerungsgruppen kostenfrei angeboten werden. Grundlage dafür ist der nationale Impfplan, der vor wenigen Wochen aktualisiert veröffentlicht wurde. Ein Fokus des öffentlichen Impfprogramms ist die Influenza-Impfung. „Langfristig soll die Durchimpfungsrate bei älteren Menschen sowie Personen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe auf 75 Prozent steigen“, erläutert Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM, Leiterin Abteilung für Impfwesen im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. „Um dieses Ziel zu unterstützen, wird das ÖIP kontinuierlich ausgebaut und die Kommunikation optimiert. Für die aktuelle Saison stehen knapp 1,7 Millionen kostenfreie Influenza-Impfstoffe zur Verfügung – ein Anstieg von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“

Ebenfalls im ÖIP enthalten ist die Pneumokokken-Impfung für alle Erwachsenen ab 60 Jahren und Personen mit gesundheitlichen Risikofaktoren. Aus Sicht von Valipour ist sie eine unterschätzte Impfung, da vielen Menschen in Österreich nicht bekannt sei, dass die Pneumokokken zu den wichtigsten Erregern für Lungenentzündungen gehören.

COVID-19 ist gekommen, um zu bleiben

Aktuell zeigen sowohl die Abwasseranalysen als auch die Krankenhausdaten einen ersten leichten Anstieg der COVID-19-Fallzahlen. Um sich rechtzeitig auf eine mögliche neue Welle vorzubereiten, empfiehlt der aktualisierte Impfplan eine Auffrischungsimpfung gegen COVID-19 bereits im Spätsommer oder Herbst. „COVID-19 ist eine Krankheit, von der viele nichts mehr hören wollen“, stellt OMR Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer fest. „Die Realität ist aber: SARS-CoV-2 ist nicht verschwunden, sondern wird uns weiterhin begleiten. Dass das Virus für viele seinen Schrecken verloren hat, darf nicht dazu führen, dass wir die Risiken für besonders gefährdete Menschen unterschätzen.“

Mehrere Impfungen gleichzeitig möglich

Somit sind für viele Menschen in den nächsten Wochen und Monaten mehrere Impfungen empfohlen. Konkret: Der COVID-Impfschutz sollte idealerweise schon im Spätsommer oder Frühherbst, spätestens aber jetzt aufgefrischt werden. Für die Influenza-Impfung ist der beste Zeitraum zwischen Mitte Oktober und Ende November, während die Pneumokokken-Impfung ganzjährig durchgeführt werden kann. Aktuell nicht im ÖIP für Erwachsene enthalten, aber im Österreichischen Impfplan empfohlen ist die Impfung gegen RSV. Paulke-Korinek erläutert: „Eine RSV-Infektion kann bei Erwachsenen ab 60 Jahren sowie bei Personen mit bestehenden Vorerkrankungen – ähnlich wie andere respiratorische Erkrankungen – zu schweren Verläufen führen. Aus diesem Grund wird aktuell eine einmalige Impfung für diese Personengruppen angeraten.“

„Wer mehrere verschiedene Impfungen benötigt, muss dafür nicht zwangsläufig mehrere Termine einplanen. Es können zwei Impfungen gleichzeitig verabreicht werden, wenn damit die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass sich eine Person tatsächlich impfen lässt“, weist Schmitzberger auf eine mögliche Vereinfachung hin.

Das öffentliche Impfprogramm rechnet sich

Mit dem Ausbau des öffentlichen Impfprogramms steigen natürlich auch die Kosten dafür. Dass sich das Programm dennoch rentiert, zeigt eine aktuelle Analyse des Instituts für pharmaökonomische Forschung (IPF) im Auftrag des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH).

Die Impfungen gegen Influenza, Humane Papillomaviren (HPV), Pneumokokken und Herpes Zoster (Gürtelrose) werden darin über eine Zeitspanne von 2026 bis 2030 evaluiert. „Für diesen Zeitraum ergibt sich ein potenzielles Einsparungsvolumen von rund 1,06 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft“, bringt Mag.a Sigrid Haslinger, Präsidentin des ÖVIH, die Analyse auf den Punkt.

Neben den ökonomischen Effekten zeigt die Analyse auch einen erheblichen gesundheitlichen Nutzen. „Demnach könnten durch die untersuchten Impfungen innerhalb von fünf Jahren rund 643.000 Krankheitsfälle und etwa 3.600 Todesfälle verhindert werden. Außerdem ließen sich rund 152.000 Krankenstandsfälle sowie insgesamt rund zwei Millionen Krankenstandstage vermeiden“, so Haslinger.

Öffentliches Impfprogramm gezielt weiterentwickeln

Darüber hinaus regt der Verband die Erweiterung des Impfprogramms um zusätzliche Indikationen, etwa RSV oder Pertussis, sowie die Ausweitung bestehender Impfkontingente an. Weitere Empfehlungen betreffen Datenerhebungen und Analysen, die Erweiterung des E-Impfpasses sowie die Definition von Impfzielen.

Rückfragen & Kontakt

Mag. Uta Mueller-Carstanjen
Telefon: 06645153040
E-Mail: [email protected]

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