- 01.10.2026, 16:33:02
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Mair: Erstmals unter 100.000 Lehrlinge in Österreich – nur über die Lehre zu sprechen, ist zu wenig
ÖVP-Lehrlingssprecher: Wir brauchen Perspektiven statt Umverteilung – Wer Fachkräfte will, muss Ausbildung fördern
Die aktuellen Lehrlingszahlen für September 2026 geben Anlass zur Sorge: Mit 95.057 Lehrlingen gibt es erstmals in Österreich weniger als 100.000 Lehrlinge. Das ist ein Minus von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Lehrlinge im ersten Jahr in überbetrieblichen Lehrwerkstätten von 2.881 auf 3.094 – Das ist hier ein Plus von 7,4 Prozent.
Für ÖVP-Lehrlingssprecher Abg. z. NR Klaus Mair ist das ein Weckruf. “Nur über die Lehrlingsausbildung schön zu sprechen, ist zu wenig. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass junge Menschen die Lehre als attraktive, moderne und zukunftssichere Ausbildung wahrnehmen und dass Betriebe auch die Möglichkeit haben, junge Menschen entsprechend auszubilden. Dass nun weniger Jugendliche eine Lehre absolvieren und gleichzeitig die Zahl jener, die dies in einer überbetrieblichen Einrichtung tun, steigt, ist alarmierend!”
“Eine Lehrausbildung ist gerade mit Blick auf die Transformation der Arbeitswelt eine perfekte Möglichkeit”, betont Mair. Die duale Ausbildung verbindet theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung und ermöglicht Jugendlichen einen direkten Einstieg in die Arbeitswelt. Gleichzeitig ist die Lehre längst kein Bildungsweg ohne weitere Aufstiegsmöglichkeiten: Es gibt die Lehre mit und ohne Matura. Mit der Berufsreifeprüfung kann nach beziehungsweise während der Lehrausbildung auch der Zugang zu Universitäten und Fachhochschulen erworben werden.
Lehrstellenmarkt zeigt völlig unterschiedliche Realitäten
Das Lehrlingsthema müsse allerdings differenziert betrachtet werden. Österreichweit stehen derzeit 11.693 Lehrstellensuchende 7.716 offenen Lehrstellen gegenüber. Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied zwischen den Bundesländern. In Tirol gibt es derzeit 1.548 offene Lehrstellen bei 596 Lehrstellensuchenden. Damit gibt es dort mehr als doppelt so viele offene Ausbildungsplätze wie Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen. Ganz anders ist die Situation in Wien: Hier kommen mit 5.551 Lehrstellensuchenden auf 611 offene Stellen derzeit ca. neunmal so viele Lehrstellensuchende auf eine offene Lehrstelle.
“Diese Zahlen zeigen: Wir haben nicht das eine Lehrlingsproblem. Wir haben unterschiedliche Herausforderungen. Während Betriebe in manchen Regionen händeringend nach Jugendlichen suchen, finden Jugendliche in anderen Regionen nur schwer einen Ausbildungsplatz. Genau deshalb brauchen wir ein besseres Zusammenbringen von Jugendlichen und Betrieben und eine stärkere Unterstützung der Ausbildungsbetriebe”, so Mair.
Betriebe müssen bei der Ausbildung unterstützt werden
Für Mair ist klar: “Wer Fachkräfte will, muss Ausbildung fördern.” Derzeit entscheiden sich nur rund 33 Prozent der 15-Jährigen für eine Lehre. Der Rest besucht eine allgemeinbildende höhere Schule oder eine berufsbildende mittlere Schule.
“Wir müssen auch die Bildungswege nach der Pflichtschule genauer ansehen. Wenn Jugendliche nach ein oder zwei Jahren feststellen, dass dieser Bildungsweg nicht der richtige für sie ist, sind wertvolle Jahre verloren. Wir müssen daher früher ansetzen und Jugendlichen zeigen, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen.”
Besonders wichtig sei dabei die Frage der Grundkompetenzen. “Es kann nicht sein, dass Ausbildungsbetriebe zuerst das nachholen müssen, was eigentlich in der Schule vermittelt werden sollte. Rechnen, Lesen und Schreiben sind keine Zusatzqualifikationen für einen Lehrbetrieb, sondern grundlegende Voraussetzungen für Bildung und Beruf.”
Wir brauchen Perspektiven statt Umverteilung
Mair kritisiert Forderungen vom ÖGB, die vor allem darauf abzielen, Betriebe, welche keine Lehrlinge ausbilden, etwa mit einer Ausgleichstaxe zu belasten. Mair setzt dem einen anderen Ansatz entgegen: “Wir brauchen Perspektiven statt Umverteilung. Unser Ziel muss sein, mehr Betriebe für die Ausbildung zu gewinnen und jene Betriebe zu unterstützen, die Verantwortung übernehmen.”
Schule muss Schnittstelle zur Berufswelt werden
Aus Sicht der Ausbildungsbetriebe braucht es vor allem eine bessere Schnittstelle zwischen Schule und Wirtschaft. “Wir müssen die Berufsorientierung ausbauen und professionalisieren. Jugendliche müssen früher und besser über die Vielfalt der Lehrberufe informiert werden. Gleichzeitig müssen wir die Schüler-Ströme besser lenken und dafür sorgen, dass junge Menschen den Bildungsweg wählen, der zu ihren Talenten und ihren beruflichen Zielen passt.”
Dabei gehe es nicht darum, akademische und berufliche Bildung gegeneinander auszuspielen. “Wir brauchen beides. Österreich braucht Universitätsabsolventinnen und -absolventen genauso wie bestens ausgebildete Fachkräfte. Die Lehre ist ein gleichwertiger Bildungsweg mit vielfältigen Weiterentwicklungsmöglichkeiten.”
WorldSkills zeigen: Österreichs Lehrlinge gehören zur Weltspitze
Wie leistungsfähig das österreichische Ausbildungssystem ist, zeigen die soeben zu Ende gegangenen Berufsweltmeisterschaften in Shanghai. Österreich war mit 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vertreten und holte vier Silbermedaillen, sechs Bronzemedaillen und 20 Auszeichnungen für hervorragende Leistungen. Damit erreichte Österreich Platz sieben in der Nationenwertung; 32 der 48 österreichischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten eine Medaille oder eine Auszeichnung für hervorragende Leistungen.
“Hier messen sich unsere Lehrlinge und jungen Fachkräfte mit den Besten der Welt. Und Österreich zeigt regelmäßig, dass wir bei der Qualität der beruflichen Ausbildung ganz vorne dabei sind. Das ist ein Erfolg, auf den wir stolz sein können. Aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen”, sagt Mair.
“Wir haben hervorragende junge Fachkräfte. Wir haben engagierte Ausbildungsbetriebe. Und wir haben eine Lehrausbildung, die jungen Menschen auch in einer sich massiv verändernden Arbeitswelt beste Chancen eröffnet. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass sich wieder mehr Jugendliche für diesen Weg entscheiden und dass mehr Betriebe ausbilden können. Wer Fachkräfte will, muss Ausbildung fördern.” (Schluss)
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