• 01.10.2026, 13:05:02
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Energiewende verzögert, Erneuerbaren-Anteil sinkt: EAG-Bericht zeigt großen Handlungsbedarf bei Genehmigungen und Investitionsbedingungen

Windkraft, Wasserkraft und Bioenergie weit unter notwendigem Niveau – auch PV-Ausbau geht zurück; dringend Impulse der Bundesländer gefragt

Wien (OTS) - 

Der Ausbau erneuerbarer Energien muss wieder deutlich an Tempo gewinnen, betont der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) angesichts alarmierender Zahlen des gestern präsentierten EAG-Monitoringberichts der E-Control. Der jährliche Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung ist seit dem Rekordjahr 2023 deutlich zurückgegangen. Bei Windkraft, Wasserkraft und Bioenergie bleibt der Ausbau deutlich hinter dem notwendigen Niveau zurück. Auch bei der Photovoltaik, die in den vergangenen Jahren einen wesentlichen Teil des Ausbaus getragen hat, zeigt sich eine Abschwächung. Mit dem Bericht überprüft die E-Control die Umsetzung des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG), das eine bilanziell vollständige Versorgung mit Strom aus erneuerbarer Energie bis 2030 sicherstellen soll. Während die internationale Lage von geopolitischen Krisen, unsicheren Handelswegen und schwankenden Energiepreisen geprägt ist, verliert Österreich beim Aufbau einer krisenfesten heimischen Energieversorgung an der notwendigen Dynamik.

„Wir können uns kein Schneckentempo beim Erneuerbaren-Ausbau leisten. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell geopolitische Krisen auf Energiepreise durchschlagen. Wer Österreich resilienter machen will, muss die Abhängigkeit von fossilem Öl und Gas konsequent reduzieren. Jede zusätzliche Kilowattstunde heimischer erneuerbarer Energie ist ein Stück mehr Versorgungssicherheit und schützt uns vor dem nächsten Preisschock“, sagt Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin von Erneuerbare Energie Österreich.

Der Anteil erneuerbaren Stroms am Inlandsstromverbrauchs lag 2024 noch bei 90 Prozent, 2025 ist er um 16,7 % auf 73 Prozent gesunken. Auch wenn Erzeugungsbedingungen wie die Wasserführung eine Rolle spielen, lässt sich diese falsche Entwicklung nicht damit begründen. Der zentrale Befund des Monitorings sehe anders aus: Wer den Anteil erneuerbarer Energie langfristig erhöhen will, muss auch kontinuierlich neue Anlagen bauen. „Sich auf dem Wasserkraftausbau der 1970er Jahre auszuruhen, bringt uns beim Erneuerbaren-Anteil nicht weiter! Wer nichts sät, der wird nichts ernten“, so Prechtl-Grundnig.

Windkraft, Wasserkraft und Biomasse: Zubau weit unter notwendigem Niveau

Besonders deutlich zeigt sich die Lücke bei der Windkraft. 400 MW zusätzlicher Windkraftleistung wären laut EAG für die Zielerreichung von 100 Prozent erneuerbaren Strom im Durchschnitt pro Jahr notwendig. 2025 wurden jedoch lediglich 129 MW zugebaut, also nur ein Drittel dessen, was es bräuchte. „Der Ausbau der Windkraft kann nur schneller vorankommen, wenn Projekte zügig genehmigt und umgesetzt werden können. Österreich nimmt nachhaltig Schaden, wenn ein dynamischer Ausbau der Windkraft ausbleibt. Blockadehaltungen bei dieser wichtigen Energieressource sind unverantwortlich“, so Prechtl-Grundnig.

Bei der Wasserkraft zeigt der Monitoringbericht ebenfalls große Versäumnisse. Der Ausbau 2025 liegt bei etwas über einem Zehntel des jährlichen Solls von 125 MW. Anstatt einer Beschleunigung kämpft die Wasserkraft mit immer größeren Hürden durch überschießende Auflagen.

Besonders kritisch ist die Entwicklung bei der festen Biomasse mit einem Einbruch der installierten Leistung um 3 MW. Die Marktprämiengutachten der vergangenen beiden Jahre haben dem EEÖ zufolge die tatsächliche Markt- und Kostenentwicklung nicht ausreichend berücksichtigt und zahlreiche Anlagen unter Druck gebracht.

Die Photovoltaik bleibt eine wichtige Säule des Erneuerbaren-Ausbaus. Von einem Selbstläufer kann laut EEÖ jedoch keine Rede sein. 2025 wurden nur noch 1.603 MW zugebaut. Ein Rückgang zum Vorjahr in Höhe von 25 Prozent. „Die PV hat in den vergangenen Jahren gezeigt, was möglich ist. Aber auch hier geht der Zubau inzwischen deutlich zurück. Das ist ein Warnsignal“, so Prechtl-Grundnig und verweist auf den Österreichischen Netzinfrastrukturplan ÖNIP, der die Latte beim Zubaubedarf längst höher gelegt hat.

Beim erneuerbaren Gas identifiziert der Monitoringbericht eine erhebliche Lücke. 2025 wurden lediglich 0,16 TWh Biomethan in das öffentliche Gasnetz eingespeist. Das EAG sieht bis 2030 ein Ziel von 5 TWh vor. Selbst die E-Control stellt im Bericht fest, dass es bei erneuerbaren Gasen weiterhin wenig Dynamik gäbe und potenzielle Anlagenbetreiber und neue Projekte auf gesetzliche Rahmenbedingungen warteten.

Erneuerbaren-Mix für stabiles und leistbares Energiesystem

„Das EAG-Monitoring zeigt, dass wir beim jährlichen Ausbau wieder an Tempo gewinnen müssen. Bund und Länder tragen hier die Verantwortung. Es braucht ausreichend Flächen, wirksame Beschleunigungsgebiete und vor allem effiziente Genehmigungsverfahren. Die Zeit der unverbindlichen Ausbauankündigungen ist vorbei“, fordert Prechtl-Grundnig.

Zahlreiche Genehmigungskompetenzen liegen laut Dachverband in der Verantwortung der Bundesländer. Mit dem inzwischen beschlossenen Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) sei ein Mechanismus geschaffen worden, der Bund und Länder stärker in die Verantwortung nehmen sollte. Nun stehe die Wirksamkeit dieses Gesetz am Prüfstand.

"Entscheidend für ein stabiles und leistbares Energiesystem ist ein breiter Erneuerbaren-Mix – dafür müssen wir bei allen Technologien wieder schneller werden. Wir wissen, dass Österreich stärker wird, wenn wir mehr Energie selbst erzeugen. Der Ausbau von Sonne, Wind, Wasser und Bioenergie ist konkrete Vorsorge gegen die nächste Energiekrise“, betont Prechtl-Grundnig abschließend.

Rückfragen & Kontakt

Erneuerbare Energie Österreich
Mag.a Judith Brockmann
Telefon: 0664 34 36 129
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.erneuerbare-energie.at

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