• 01.10.2026, 12:42:02
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ÖÄK: Gesundheit und ärztliche Versorgung als größte Herausforderungen für Gemeinden

Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie wichtig die Interaktion der Ärztinnen und Ärzte mit den Gemeindevertretern ist.

Wien (OTS) - 

Fast 70 Prozent der Gemeindevertreter wünschen sich bessere Arbeitsbedingungen für Kassenärzte, weil das die Zukunft ihrer Gemeinde positiv beeinflussen würde. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Kommunalverlages unter Bürgermeistern, Vize-Bürgermeistern, Amtsleitern, Gemeindemandataren und anderen Gemeindebediensteten, an der insgesamt rund 1000 Befragte teilgenommen haben. Bei der Frage nach den größten Herausforderungen für die Gemeinden erzielte das Thema „Gesundheit und ärztliche Versorgung“ mit 4,79 den höchsten Wert – noch vor Kinderbetreuung (4,46) und Bildung (3,97). 36,2 Prozent der Teilnehmer sehen die ärztliche Versorgung ihrer Gemeinde in den kommenden fünf Jahren gefährdet, 15,1 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass es in ihrer Gemeinde keinen Kassenarzt mehr gibt. 82,2 Prozent der Teilnehmer ist die aktuelle Problematik bei der Besetzung von Kassenstellen bewusst. Die Lösung sehen die Gemeindevertreter in der Attraktivierung der Kassenmedizin. 68,9 Prozent stimmten zu, dass die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Kassenärzte die Zukunft der Gemeinde positiv beeinflussen würde. 56,6 Prozent würden die Erleichterung für die Gründung & Bewahrung von ärztlichen Hausapotheken begrüßen. Der Aussage „Die Möglichkeit für Ärzte, in ihrer Ordination auch Medikamente abgeben zu können, würde die Zukunft meiner Gemeinde positiv beeinflussen“, stimmten 56,7 Prozent der Teilnehmer zu.

Bürgermeister, Pfarrer, Wirt und Doktor

„Die Ergebnisse dieser Umfrage zeigen uns, wie wichtig die Interaktion mit den Gemeindevertretern ist, für die die Ärztekammer seit mittlerweile fünf Jahren auch im Rahmen der Kommunalmesse und des Kommunalwirtschaftsforums den Dialog sucht“, schilderte Silvester Hutgrabner, Leiter des ÖÄK-Referates für Hausapotheken und Medikamentenangelegenheiten, im Rahmen einer Pressekonferenz. „Früher sagte man, die wichtigsten Leute im Ort sind der Bürgermeister, der Pfarrer, der Wirt und der Doktor. Auch wenn diese Aussage vielleicht nicht mehr ganz hundertprozentig haltbar ist, von der ärztlichen Versorgung hängt ein großer Teil der Zukunft einer Gemeinde ab“, führte der Allgemeinmediziner aus. In einer Gemeinde ohne Arzt lasse der Zuzug deutlich nach – im Gegenteil nehme sogar die Abwanderung oft zu. „Wir müssen also gemeinsam daran arbeiten, dass die Kassenmedizin, speziell auch im ländlichen Bereich, wieder attraktiver wird. „Dafür brauchen wir flexiblere Kassenverträge, etwa mit Teilzeitangeboten, deutlich weniger Bürokratie und eine faire Honorargestaltung, die die Leistung der Ärztinnen und Ärzte direkt abbildet und nicht mit Deckelungen bestraft. Und ein wesentlicher Baustein sind vor allem am Land auch die ärztlichen Hausapotheken“, unterstrich Hutgrabner.

Patient im Vordergrund

Eine aktuelle Studie habe den vielseitigen Nutzen von ärztlichen Hausapotheken bestätigt. Zum einen lassen sich dadurch die Wegzeiten der Patientinnen und Patienten für die Besorgung von Medikamenten deutlich reduzieren – das spart volkswirtschaftliche Kosten von zumindest 160 Millionen Euro. Die Umwelt wird entlastet, weil Wege wegfallen. Die privaten PKW-Fahrten zur Beschaffung von rezeptpflichtigen Arzneimitteln verursachen jährlich CO2-Emissionen von rund 30.000 Tonnen – schon aktuell ersparen ärztliche Hausapotheken über 14.000 Tonnen CO2. „Die Studie sieht selbst durch einen Ausbau ärztlicher Hausapotheken die wirtschaftliche Existenz der öffentlichen Apotheken ungefährdet, zumal mit der geplanten Einführung des Impfens in Apotheken ohnehin mit einer finanziellen Verbesserung der Apothekengebarung zu rechnen ist“, sagte Hutgrabner, der in dieser Diskussion aber lieber den Patienten in den Vordergrund stellen möchte. „Wenn die Politik schon – entgegen der medizinischen Einschätzung der Ärztekammer - meint, dass es zusätzliche Impfstellen braucht, damit die Menschen leichter zu Impfungen kommen, warum erleichtert man dann auch den Menschen nicht auch den Zugang zu den Medikamenten, die sie dringend für ihre Genesung brauchen?“, so Hutgrabner.

Gemeinsame Anstrengung

Die Gesundheitsversorgung ist eine der zentralen Aufgaben, bei denen die Menschen unmittelbar erleben, ob der Staat funktioniert, sagte Manfred Sampl, Präsident des Salzburger Gemeindeverbandes und Bürgermeister von St. Michael im Lungau. Gerade in den Gemeinden zeige sich, wie wichtig eine verlässliche und wohnortnahe medizinische Versorgung ist: „Hausärzte, Apotheken, Pflege- und Rettungsangebote sind Teil einer Infrastruktur, die für die Lebensqualität in unseren Regionen entscheidend ist. Als Gemeinden wollen wir unseren Beitrag leisten, damit diese Strukturen auch künftig funktionieren. Das gehe von der Bereitstellung geeigneter Räumlichkeiten bis hin zu guten Rahmenbedingungen für Ärzte, die sich für eine Tätigkeit im ländlichen Raum entscheiden“, so Sampl. Gleichzeitig müsse man offen darüber sprechen, was die Gemeinden leisten können und wo es gemeinsame Lösungen von Bund, Ländern, Sozialversicherung und Ärzteschaft braucht. „Entscheidend ist, dass wir die Perspektive der Menschen vor Ort in den Mittelpunkt stellen. Wenn die Österreichische Ärztekammer und 2.092 Gemeinden aus allen Bundesländern an einem Strang ziehen, können wir konkrete Verbesserungen erreichen – für Patienten ebenso wie für die Ärzte, die tagtäglich für unsere Gesundheitsversorgung Verantwortung übernehmen“, sagte Sampl.

Rückfragen & Kontakt

Österreichische Ärztekammer/Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Sascha Bunda
Telefon: 01/51406-3341
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.aerztekammer.at

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