- 30.09.2026, 13:00:32
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Psychotherapie studieren - Zukunft gestalten
Neues Masterstudium verankert Psychotherapie an öffentlichen Universitäten
Mit 1. Oktober 2026 beginnt ein neues Kapitel in der österreichischen Psychotherapieausbildung: Erstmals startet das ordentliche Masterstudium Psychotherapie an öffentlichen Universitäten. Damit wird ein zentraler Teil der mit dem Psychotherapiegesetz 2024 neu geregelten Ausbildung Realität – und die Psychotherapie als eigenständige wissenschaftliche Disziplin universitär verankert.
Die neue Ausbildung umfasst drei aufeinander aufbauende Abschnitte: Nach einem einschlägigen ersten Ausbildungsabschnitt folgt das Masterstudium Psychotherapie mit mindestens 120 ECTS. Daran schließt die mehrjährige postgraduale psychotherapeutische Fachausbildung an. Mit dem Wintersemester 2026/27 stehen österreichweit 500 Studienplätze an öffentlichen Universitäten zur Verfügung.
Meilenstein für Ausbildung und Wissenschaft
Die Umsetzung der neuen Ausbildung ist das Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit von Politik, Ministerien, Universitäten, Berufsvertretungen, Wissenschaft und psychotherapeutischen Fachgesellschaften.
Eva-Maria Holzleitner, BSc, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, betont die Bedeutung des neuen Studiums für den Hochschulstandort und die Weiterentwicklung der Psychotherapieausbildung: „Mit dem neuen Masterstudium Psychotherapie holen wir einen Teil der Ausbildung dorthin, wo sie hingehört: an die öffentlichen Universitäten. Das ist ein wichtiger Schritt für mehr Qualität, für mehr Chancengerechtigkeit und für die psychische Gesundheitsversorgung in Österreich. Denn eine hochwertige Ausbildung darf nicht vom Geldbörserl abhängen. Mit 500 öffentlich finanzierten Studienplätzen kommen wir dem einen Schritt näher und investieren damit auch in die Psychotherapeut:innen, die wir in Zukunft dringend brauchen.“
Für die Universitäten war der Aufbau des neuen Studiums mit umfangreichen Vorbereitungen verbunden. Curricula, Aufnahmeverfahren, Lehrangebote und neue organisatorische Strukturen mussten innerhalb kurzer Zeit entwickelt und umgesetzt werden.
Univ.-Prof.in Dr.in Christa Schnabl, Vizerektorin für Studium und Lehre an der Universität Wien führt an: „Nach einer intensiven gemeinsamen Vorbereitungsphase freue ich mich besonders, dass nun die ersten Studierenden ihr Masterstudium Psychotherapie beginnen. Damit schaffen wir einen neuen universitären Ausbildungsweg, der Wissenschaft und Praxis eng miteinander verbindet. Dass dies gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien und in enger österreichweiter Abstimmung gelungen ist, zeigt die Stärke universitärer Kooperation. Gerade angesichts der wachsenden Bedeutung psychischer Gesundheit wollen und müssen Universitäten einen Beitrag leisten – mit Forschung, wissenschaftlich fundierter Lehre und einer qualitätsvollen Ausbildung der Psychotherapeut:innen von morgen.“
Psychotherapie wird akademisch
Mit dem neuen Studium erhält Psychotherapie einen eigenen Platz in universitärer Lehre und Forschung. Das Studium verbindet Grundlagen aus Psychotherapie, Psychologie und Medizin mit spezifisch psychotherapeutischen Konzepten und praxisnaher Ausbildung – von therapeutischen Gesprächstechniken bis zu Praktika in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen.
„In Zukunft werden alle Psychotherapeut:innen ein eigenes akademisches Studium durchlaufen, wo sie ein breites Wissen und Kompetenzen in der wissenschaftlichen Erforschung ihres Faches erwerben“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Stephan Doering, Curriculumsdirektor des Masterstudiums Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien.
Besonders wichtig sei dabei auch der Übergang vom Studium in den dritten Ausbildungsabschnitt bei den psychotherapeutischen Fachgesellschaften. Damit werden universitäre Wissenschaft und Forschung mit der praktischen und methodenspezifischen Fachausbildung verbunden.
Auf 35 Jahren Qualität aufbauen
Für den Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) bedeutet die Akademisierung keinen Neubeginn, sondern eine Weiterentwicklung: Psychotherapie hat sich in Österreich in den vergangenen 35 Jahren in privaten und öffentlichen Hochschulen sowie außeruniversitärer Einrichtungen zu einem eigenständigen und hochqualifizierten Gesundheitsberuf entwickelt. Mit den 500 Studienplätzen, die aus öffentlicher Hand finanziert werden, bekommt die Psychotherapie als gesetzlich geregelter Gesundheitsberuf eine zentrale Basis an den öffentlichen Universitäten.
„Was hier gelingt, ist weit mehr als die Reform eines Ausbildungsweges. Wir schaffen gemeinsam die Grundlage dafür, dass Psychotherapie auch für kommende Generationen ein wissenschaftlich fundierter, qualitativ hochwertiger und gleichzeitig praxisnaher Gesundheitsberuf bleibt“, betont Mag.a Barbara Haid, MSc, Präsidentin des ÖBVP.
Eine zentrale Rolle übernehmen auch künftig die Psychotherapeutischen Fachgesellschaften, die den dritten, postgradualen Ausbildungsabschnitt tragen. „Wir brauchen beides: die Stärke universitärer Wissenschaft und Forschung und die jahrzehntelang gewachsene psychotherapeutische Expertise der Fachgesellschaften. Entscheidend wird sein, diese Bereiche zu einem durchgängigen und qualitativ hochwertigen Ausbildungsweg zu verbinden“, so Haid.
Gute Ausbildung ist Versorgungspolitik
Mit dem Start des Masterstudiums ist ein entscheidender Schritt geschafft. Nun müssen die Voraussetzungen für den dritten Ausbildungsabschnitt geschaffen werden. Dazu gehören insbesondere ausreichend Fachausbildungsplätze und Beschäftigungsverhältnisse für Psychotherapeut:innen in Fachausbildung unter Lehrsupervision sowie die notwendigen sozialversicherungs- und krankenanstaltenrechtlichen Rahmenbedingungen.
„Wer morgen ausreichend Psychotherapie anbieten will, muss heute in Ausbildung investieren. Ausbildungspolitik ist deshalb immer auch Versorgungspolitik. Der Start des Masterstudiums ist ein Meilenstein – aber kein Schlusspunkt“, betont Haid.
Rückfragen & Kontakt
Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Fabienne Patek, MSc
Telefon: +43 676 306 59 41
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.psychotherapie.at
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