- 30.09.2026, 11:56:02
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ÖGB: Wer Entlastung will, muss Arbeitsdruck reduzieren
Psychische Überlastung ist für viele Beschäftigte Alltag. Der ÖGB fordert wirksame Maßnahmen gegen Arbeitsdruck, Personalmangel und dauerhafte Überforderung.
„Wenn mehr als die Hälfte der Beschäftigten wegen der Arbeit bereits emotional an ihre Grenzen gekommen ist, dann reden wir nicht über persönliche Schwächen, sondern über strukturelle Probleme in unseren Betrieben. Zu viel Arbeit, zu wenig Personal und permanenter Druck machen Menschen krank“, sagt Claudia Neumayer-Stickler, Leiterin des Referats für Gesundheits- und Sozialversicherungspolitik im ÖGB, angesichts einer heute veröffentlichten Umfrage.
52 Prozent der Befragten haben laut karriere.at schon mindestens einmal wegen der Arbeit geweint. 64 Prozent berichten von einem Wutausbruch aufgrund ihrer beruflichen Belastung. Besonders alarmierend: 31 Prozent kommen mehrmals im Monat an ihre emotionale Belastungsgrenze, weitere 31 Prozent mehrmals pro Jahr.
Psychische Belastung ist kein Randthema
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Das Problem ist nicht mangelnde Belastbarkeit der Beschäftigten. Das Problem heißt Überlastung.
Viele Arbeitnehmer:innen arbeiten seit Jahren unter hohem Zeitdruck, mit zu wenig Personal und steigenden Anforderungen. Gleichzeitig werden psychische Belastungen noch immer häufig als individuelles Problem behandelt, statt die Ursachen in der Arbeitsorganisation zu bekämpfen.
„Arbeit darf Menschen nicht krank machen. Wer dauerhaft an die Belastungsgrenze kommt, braucht keine Durchhalteparolen, sondern bessere Arbeitsbedingungen. Die Verantwortung dafür liegt bei den Arbeitgebern“, so Neumayer-Stickler.
„Wir sehen auch, dass psychisch bedingte Krankenstände zunehmen. In vielen Fällen haben psychische Erkrankungen ihre Ursache in den Arbeitsbedingungen“, so die Gewerkschafterin.
Für den Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) ist klar: Prävention, gesunde Arbeitsbedingungen und eine Arbeitswelt, die sich an den Lebensrealitäten der Beschäftigten orientiert, müssen stärker in den Fokus rücken.
Beschäftigte wissen selbst, was helfen würde
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die gewünschten Unterstützungsmaßnahmen: 34 Prozent der Befragten nennen weniger Arbeitslast als wichtigste Entlastung. Damit liegt dieser Wunsch deutlich vor professioneller Beratung, Gesprächen mit Vorgesetzten oder Austausch im Team.
„Die Beschäftigten formulieren die Lösung eindeutig: Sie wollen weniger Arbeitsdruck. Wer Arbeitnehmer:innen entlasten will, muss Arbeitsbelastungen reduzieren. Weniger Arbeitsdruck und ausreichende Personalressourcen helfen mehr als jeder Obstkorb und jedes Resilienzseminar“, betont die Gewerkschafterin.
Arbeitgeber stehen in der Pflicht
Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist keine freiwillige Zusatzleistung. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, psychische Belastungen im Rahmen der Arbeitsplatzevaluierung zu erheben und geeignete Maßnahmen zu setzen. Der ÖGB fordert deshalb, psychische Belastungen konsequent zu evaluieren und dort anzusetzen, wo die Ursachen entstehen: bei Arbeitsmenge, Zeitdruck, Personalausstattung und Arbeitsorganisation. „Die Arbeit ist an den Menschen anzupassen, nicht der Mensch an die Arbeit. Gute Arbeit schützt die Gesundheit. Schlechte Arbeitsbedingungen gefährden sie“, so Neumayer-Stickler.
Der ÖGB fordert:
- Konsequente Evaluierung psychischer Belastungen in allen Betrieben und wirksame Maßnahmen zur Reduktion von Arbeitsdruck
- Ausreichende Personalausstattung, damit Arbeit nicht auf immer weniger Schultern verteilt wird
- Mehr Mitbestimmung für Beschäftigte und Betriebsräte bei Maßnahmen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz
- Stärkung der betrieblichen Gesundheitsförderung, um Beschäftigte entlang ihrer berufsbedingten Belastungen zu begleiten
Über uns:
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.
www.oegb.at
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Mag. Peter Leinfellner
Telefon: +436503636399
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