- 29.09.2026, 12:49:02
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Neue WU-Studie: Österreichs Wissenschaftssektor als Anziehungspunkt für internationale Stiftungen
Erstmals Bedeutung gemeinnütziger Stiftungen für Forschungsstandort Österreich beleuchtet: Zwei Drittel aller dokumentierten Förderbeziehungen von internationalen Stiftungen.
Jährlich stellen heimische gemeinnützige Stiftungen rund 140 bis 150 Mio. Euro für gesellschaftliche Anliegen in Österreich bereit. Zu den wichtigsten Förderbereichen zählen Wissenschaft und Forschung. Eine Studie des Verbandes für gemeinnütziges Stiften (VgS) in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship der WU Wien hat nun erstmals untersucht, welche Rolle nationale und internationale Stiftungen für den österreichischen Wissenschafts- und Forschungssektor spielen. Ermöglicht wurde die Studie u.a. durch den Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT).
Die Untersuchung zeigt eine starke internationale Vernetzung der österreichischen Forschungslandschaft: Bei mehr als 300 Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen konnten rund 500 Förderbeziehungen zu insgesamt 280 Stiftungen identifiziert werden. Zwei Drittel davon stammen von internationalen, ein Drittel von nationalen Stiftungen. Besonders stark vertreten sind gemeinnützig engagierte Institutionen aus Deutschland, den USA und der Schweiz. Diese Ergebnisse unterstreichen die Exzellenz des Wissenschaftsstandorts Österreich.
Investition in die Zukunft Österreichs
Wissenschaft und Forschung sind untrennbar mit der Gesundheit und Lebensqualität der Menschen, der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen, der Entwicklung des Wirtschaftsstandorts sowie der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Österreichs verbunden. Beim langfristigen Ausbau dieses essentiellen Zukunftsfeldes können gemeinnützige Stiftungen einen bedeutenden Beitrag leisten, betont Dr. Günther Lutschinger, Geschäftsführer des VgS: „Stiftungen entstehen durch die Zweckwidmung eines Vermögens – und dabei rücken Zukunftsthemen immer mehr in den Mittelpunkt. Die lange unterschätzte Rolle von gemeinnützigen Stiftungen macht es umso wichtiger, den Wirkungsbereich Forschung und Wissenschaft erstmals durch eine spezifische Studie zu beleuchten. Die Ergebnisse verdeutlichen die Vielfalt des Engagements: Stiftungen fördern nicht nur konkrete Forschungsprojekte, sondern auch den wissenschaftlichen Nachwuchs, Infrastruktur, Vernetzung, Wissenstransfer und die Vermittlung wissenschaftlicher Ergebnisse.“
Daran knüpft Oliver Lehmann an, am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) für Policy and Advocacy Affairs zuständig sowie Vorstandsmitglied des VgS: „Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass gemeinnützige Stiftungen sowohl finanziell wie strukturell einen lange unterschätzten, aber außerordentlich wichtigen Beitrag zur Entwicklung des heimischen Wissenschaftssystem leisten. Um tatsächlich zu vergleichbaren Volkswirtschaften aufzuschließen, wäre es nun entscheidend, auch das Potenzial des Privatstiftungssektors entsprechend zu aktivieren.“
Jede fünfte gemeinnützige Stiftung fördert Wissenschaft und Forschung
Derzeit sind rund 1.000 Stiftungen und Fonds in Österreich gemeinnützig aktiv. Bei 349 lässt sich eindeutig ein Zweck erkennen, der Bildung und Forschung fördert. 211 sind ausdrücklich der Förderung von Wissenschaft und Forschung gewidmet. In den untersuchten Förderbeziehungen stehen insbesondere einzelne Wissenschaftler:innen im Mittelpunkt, die durch intensive Forschungstätigkeit und hohe wissenschaftliche Sichtbarkeit hervorstechen. „Die Studie ermöglicht erstmals eine systematische Betrachtung der Fördertätigkeit von Stiftungen in diesem Bereich und zeigt, dass sich bei jeder fünften gemeinnützigen Stiftung ein dezidierter Schwerpunkt auf Wissenschaft und Forschung feststellen lässt. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Disziplinen Humanmedizin und Gesundheitswissenschaft“
, erklärt Studienautor Dr. Reinhard Millner vom Kompetenzzentrum für Nonprofit-Organisationen und Social Entrepreneurship der WU Wien. „Stiftungen setzen in der Forschungsförderung eigene philanthropische Akzente. Sie fördern vielfach gezielt Wissenschaftler:innen – etwa mit Stipendien und direkten finanziellen Unterstützungen.“
Internationale Stiftungen engagieren sich in Österreich
Die Studienergebnisse zeigen auch, dass Wissenschaft und Forschung in Österreich ein stark international geprägtes Feld sind. Rund 190 internationale Stiftungen engagieren sich nachweislich in heimischen Wissenschaftseinrichtungen und tragen zur Vernetzung des Forschungsstandorts bei. Ein herausragendes Beispiel ist das AITHYRA-Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien. Die deutsche Boehringer Ingelheim Stiftung unterstützt den Aufbau und den operativen Betrieb des Forschungsinstituts für künstliche Intelligenz in der Biomedizin mit 150 Mio. Euro über zwölf Jahre. Dabei handelt es sich um die bisher größte private Forschungsförderung in Österreich. Die Schweizer NOMIS Foundation stellt über fünf Jahre insgesamt 20 Mio. Euro für die Forschung am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg bereit. Auch die Förderung einzelner Wissenschaftler:innen durch internationale Stiftungen verdeutlicht die grenzüberschreitende Bedeutung des Forschungsstandorts. So erhielt der an der Universität Wien tätige Forscher Andreas Richter eine hochdotierte Förderung der dänischen Novo Nordisk Foundation über 10 Mio. Euro.„Seit den verbesserten Rahmenbedingungen insbesondere durch die 2024 in Kraft getretene Gemeinnützigkeitsreform weist Österreich wieder eine wachsende Stiftungslandschaft auf. Die internationale Aufmerksamkeit für die heimische Wissenschaft ist eine zusätzliche Chance, die Zusammenarbeit mit Stiftungen weiter zu vertiefen“
, so Günther Lutschinger.
Wissenschaftseinrichtungen mit vielfältigen Förderbeziehungen
Die Studie zeigt auch, bei welchen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen besonders viele Partnerschaften zu nationalen und internationalen gemeinnützigen Stiftungen bestehen. An der Spitze der untersuchten Einrichtungen steht die Central European University mit zumindest 22 Fördergebern, gefolgt vom Salzburg Global Seminar und der Diplomatischen Akademie Wien. Weitere Einrichtungen mit einer hohen Zahl an Finanzierungspartnern sind das Institute of Science and Technology Austria (ISTA), die Vienna School of International Studies, das International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), die Medizinische Universität Wien, die Wirtschaftsuniversität Wien, die Universität Innsbruck, das European Law Institute und die Veterinärmedizinische Universität Wien.
Stiftungen als Impulsgeber für Innovation und Kooperation
Bei den von gemeinnützigen Stiftungen mitfinanzierten Forschungsaktivitäten stehen Humanmedizin und Geisteswissenschaften im Vordergrund. Weitere Schwerpunkte liegen in der allgemeinen Forschung, den Sozialwissenschaften sowie den technischen Wissenschaften. In diesen und anderen wissenschaftlichen Feldern ermöglichen Stiftungen neue Wege – von der Förderung wissenschaftlicher Talente und innovativer Forschungsprojekte bis hin zu Infrastruktur, Vernetzung und Wissenstransfer. Ihre Mittel ergänzen die öffentliche Finanzierung und können dazu beitragen, langfristige Vorhaben anzustoßen.
Dazu betont Dr. Thomas König, Geschäftsführer des FORWIT: „Gemeinnützigen Stiftungen sollte im österreichischen Innovationssystem eine wichtigere Rolle zuerkannt werden. Aus internationalen Vergleichen wissen wir: sie beschreiten neue Wege der Organisation und Durchführung von Finanzierungsentscheidungen und eröffnen zusätzliche Spielräume für Forschung und Wissenschaft. Aber Vorsicht vor falschen Erwartungen: Klamme öffentliche Budgets können durch Stiftungsgelder nicht substituiert werden.“
Daran anknüpfend, zieht Günther Lutschinger Bilanz: „Die Studie zeigt nicht nur, was Stiftungen heute bereits für den Wissenschaftsstandort leisten. Sie zeigt auch, welches Potenzial in einer stärkeren Zusammenarbeit von Wissenschaft, öffentlicher Hand, Stiftungen und Unternehmen für Österreichs Zukunft liegt.“
Rückfragen & Kontakt
Geschäftsführer des Verbandes für gemeinnütziges Stiften
Dr. Günther Lutschinger
Telefon: +43 676 4410108
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.stiften.at
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