• 25.09.2026, 09:04:02
  • /
  • OTS0016

Landwirtschaft und Umwelt: ÖPUL zeigt, wie Interessenausgleich funktionieren kann

Ökosoziales Forum bringt Landwirtschaft, Umweltorganisationen und EU-Institutionen in Brüssel an einen Tisch – Debatte über die GAP nach 2027 braucht Dialog

Brüssel (OTS) - 

Wie gelingt der Dialog zwischen Landwirtschaft und Umwelt? Wie lassen sich daraus gemeinsame Positionen für die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik entwickeln? Diesen Fragen widmete sich die Podiumsdiskussion „Talk or Lose? Dialog führen & Positionen stärken" am 24. September in der Ständigen Vertretung Österreichs der Europäischen Union in Brüssel. Die Veranstaltung wurde vom Ökosozialen Forum Österreich & Europa gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Österreich und dem Europäischen Umweltbüro durchgeführt. Erklärtes Ziel der Veranstalter war, Landwirtschaft und Umwelt als Partner bei der Gestaltung der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik zusammenzubringen und die Vorreiterrolle des Österreichischen Agrarumweltprogramms (ÖPUL) in puncto Nachhaltigkeit zu beleuchten.

Werner: GAP muss unterschiedliche Anforderungen verbinden

Elisabeth Werner, Generaldirektorin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (GD AGRI) der Europäischen Kommission, skizzierte die Herausforderungen in der künftigen Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik: „Die europäische Agrarpolitik muss unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig berücksichtigen: Resilienz, Nachhaltigkeit und Innovation stehen im Zentrum unserer Vision für Landwirtschaft und Ernährung, für einen zukunftssicheren Agrar- und Lebensmittelsektor.“

Ceyssens: Landwirtschaft und Umweltpolitik frühzeitig zusammenbringen

Jan Ceyssens, stellvertretender Kabinettschef für Umweltpolitik der Europäischen Kommission, stellte die umweltpolitischen Ziele der Kommission dar: „Landwirtschaft und Umweltpolitik treffen bei vielen zentralen Herausforderungen unmittelbar aufeinander – von Biodiversität über Wasser und Bodengesundheit bis zur Anpassung an den Klimawandel. Je früher beide Perspektiven bei der Entwicklung politischer Instrumente zusammengeführt werden, desto besser können ökologische Zielsetzungen und die praktische Umsetzung aufeinander abgestimmt werden.“

Mayrhofer: „Das große Ganze in den Mittelpunkt stellen“

Für Hans Mayrhofer, Generalsekretär des Ökosozialen Forums Österreich & Europa, ist dieser Ansatz zentral für die Ökosoziale Marktwirtschaft: „Wenn wir bei Landwirtschaft und Umwelt nur auf die tagespolitischen Konflikte schauen, verlieren wir schnell das große Ganze aus den Augen. Die Ökosoziale Marktwirtschaft bedeutet, wirtschaftliche Tragfähigkeit, ökologische Verantwortung und soziale Auswirkungen gemeinsam zu berücksichtigen. Das ÖPUL zeigt beispielhaft, dass Interessenausgleich in konkrete, praxistaugliche Instrumente übersetzt werden kann. Diese Erfahrung sollten wir auch in die Diskussion über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik einbringen.“

Gerade dieser Blick über einzelne Streitfragen hinaus sei notwendig. Unterschiedliche Interessen verschwinden nicht dadurch, dass man miteinander spricht. Der Dialog schafft aber die Voraussetzung dafür, Argumente abzuwägen, Zielkonflikte offen zu benennen und jene Bereiche zu identifizieren, in denen gemeinsame Lösungen möglich sind.

Berlakovich: Umweltleistungen und wirtschaftliche Tragfähigkeit zusammendenken

Nikolaus Berlakovich, Vizepräsident des Europäischen Bauernverbands Copa, vertrat die landwirtschaftliche Perspektive auf dem Podium: „Landwirtschaft ist auf gesunde Böden, verfügbares Wasser und funktionierende Ökosysteme angewiesen. Gleichzeitig müssen die Betriebe wirtschaftlich arbeiten und Lebensmittel produzieren können. Wenn Landwirtinnen und Landwirte zusätzliche Umweltleistungen erbringen, braucht es dafür verlässliche Rahmenbedingungen und eine angemessene Abgeltung. Das ÖPUL zeigt, wie solche Leistungen gemeinsam mit der landwirtschaftlichen Praxis umgesetzt werden können. Dieser Geist muss sich auch in der neuen GAP widerspiegeln.“

Mit dem österreichischen Agrarumweltprogramm wurden 2024 rund 1,8 Millionen Hektar und damit rund 82 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ohne Almen besonders umweltfreundlich bewirtschaftet.

Heidegger: Gemeinsame Ziele in wirksame Maßnahmen übersetzen

Die umweltpolitische Perspektive brachte Patrizia Heidegger, stellvertretende Generalsekretärin des European Environmental Bureau, in die Diskussion ein: „Bei Biodiversität, Boden, Wasser und Klimaanpassung gibt es viele Bereiche, in denen Landwirtschaft und Umweltschutz auf dieselben natürlichen Grundlagen angewiesen sind. Entscheidend ist, gemeinsame Ziele in wirksame Maßnahmen zu übersetzen und unterschiedliche Sichtweisen bereits bei deren Entwicklung einzubeziehen. Nur so können Lösungen entstehen, die ökologische Wirkung entfalten und in der Praxis Bestand haben.“

Das ÖPUL bietet auch dafür konkrete Anschauungsbeispiele. So wurden die Vorgaben für Biodiversitätsflächen gemeinsam mit Landwirtschafts- und Naturschutzexpert:innen entwickelt und für unterschiedliche Bewirtschaftungsvarianten ausgestaltet.

Unterschiedliche Positionen sind Ausgangspunkt, nicht Hindernis

Neben Berlakovich, Heidegger, Werner und Ceyssens diskutierten Felix Mittermayer, leitender Mitarbeiter im Sekretariat des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments, und Caroline Parsché, Policy Adviser für Umweltpolitik, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Moderiert wurde die Diskussion von Verena Scherfranz, stellvertretender Leiterin des Brüsseler Büros der Landwirtschaftskammer Österreich.

Über das Ökosoziale Forum

Das Ökosoziale Forum setzt sich für die Weiterentwicklung der Ökosozialen Marktwirtschaft ein. Im Mittelpunkt steht der Anspruch, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, ökologische Verantwortung und sozialen Ausgleich gemeinsam zu denken und in politische Entscheidungsprozesse einzubringen.

Fotos zum Download und zur freien Verwendung: Brüssel Veranstaltung 2026 (Copyright: ÖSF)

Rückfragen & Kontakt

Ökosoziales Forum Österreich & Europa
Johanna Kramer, MA
Telefon: +43 664 1381652
E-Mail: [email protected]
Website: https://oekosozial.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | OSF

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel