- 25.09.2026, 07:33:02
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Neuer ÖIF-Forschungsbericht: Migrantische Jugendliche der ersten Generation deutlich häufiger ohne Ausbildung oder Arbeit
Analyse auf Basis verfügbarer Daten aus 2022: 27 % der Jugendlichen mit Migrationshintergrund der ersten Generation weder in Beschäftigung, Ausbildung noch Schulung
Jugendliche der ersten Migrationsgeneration waren 2022 mit 27,3 % mehr als dreimal so häufig von einem NEET-Status betroffen wie Jugendliche ohne Migrationshintergrund mit 8,7 %; bei Jugendlichen der zweiten Generation lag der Anteil bei 13,3 %. Das zeigt der ÖIF-Forschungsbericht „Migrantische Jugendliche ohne Beschäftigung, Ausbildung oder Schulung“, der auf den aktuellsten für die Untersuchung verfügbaren Daten basiert. Erstellt vom Institut für Höhere Studien (IHS) im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), untersucht der Bericht die Situation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 24 Jahren, die sich weder in Beschäftigung, Ausbildung noch Schulung befinden und damit zur sogenannten NEET-Gruppe („Not in Education, Employment or Training“) zählen. Anhand quantitativer Daten und qualitativer Interviews untersucht der Forschungsbericht, welche Faktoren mit diesen Unterschieden und den weiteren Bildungs- und Erwerbsverläufen zusammenhängen. Der Forschungsbericht steht ab sofort auf der ÖIF-Website zur Verfügung.
Deutliche Unterschiede nach Geburtsland und Geschlecht
Auch innerhalb der Gruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund zeigen sich deutliche Unterschiede: Nach Geburtsland reicht der Anteil der Jugendlichen, die sich weder in Beschäftigung, Ausbildung noch Schulung befinden, von 16,3 % bei in Deutschland Geborenen über 24,3 % bei Jugendlichen aus der Russischen Föderation bis zu 33,0 % bei Jugendlichen aus Afghanistan und Syrien. Besonders hoch ist der Anteil bei Jugendlichen aus sonstigen europäischen Staaten, darunter etwa der Ukraine und Georgien, mit 46,6 %.
Unterschiede zeigen sich zudem insbesondere zwischen jungen Frauen und Männern einzelner Herkunftsgruppen. Besonders ausgeprägt ist die Differenz bei Jugendlichen aus der Türkei: Während 21,5 % der jungen Männer weder in Beschäftigung, Ausbildung noch Schulung waren, lag der Anteil bei jungen Frauen bei 33,2 %. Bei Jugendlichen aus Afghanistan und Syrien fällt der Unterschied zwischen jungen Männern und Frauen hingegen vergleichsweise gering aus.
Jugendliche mit NEET-Status häufig mit niedrigem Bildungsniveau
Unter Jugendlichen, die sich weder in Beschäftigung, Ausbildung noch Schulung befinden, zeigen sich deutliche Unterschiede beim Bildungsniveau: 50,2 % der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund verfügen über maximal einen Pflichtschulabschluss, bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind es über 60 %. Umgekehrt weisen 28 % der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund ein hohes Bildungsniveau auf, gegenüber 14 % bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund der ersten Generation.
Knapp 40 % schaffen innerhalb von zwei Jahren den Einstieg in Ausbildung oder Arbeit
Von den 2021 erfassten Jugendlichen mit NEET-Status befanden sich 24 Monate später 12,9 % in Ausbildung und 26,4 % in Beschäftigung – insgesamt gelang damit 39,3 % der Einstieg in Ausbildung oder Arbeit. Jugendliche mit Migrationshintergrund der zweiten Generation erreichten ähnlich hohe Übergangsanteile wie Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund: Bei Männern lagen die entsprechenden Werte nach 24 Monaten bei 47,5 % gegenüber 44,5 %, bei Frauen bei 43,1 % gegenüber 43,7 %. Deutlich seltener gelingt der Übergang hingegen Jugendlichen mit Migrationshintergrund der ersten Generation: Nach 24 Monaten befanden sich jeweils nur rund 7% der Männer und Frauen in Ausbildung. In Beschäftigung waren 26,9 % der Männer und 17,6 % der Frauen.
Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied bei jungen Frauen: Von den migrantischen Frauen der ersten Generation, die 2021 zur NEET-Gruppe zählten, waren 24 Monate später 24,7 % in Ausbildung oder Beschäftigung, gegenüber rund 43,7 % der Frauen ohne Migrationshintergrund und 43,1 % der Frauen der zweiten Generation. Mehr als drei Viertel der Frauen mit Migrationshintergrund der ersten Generation befanden sich damit nach zwei Jahren weiterhin weder in Ausbildung noch in Beschäftigung.
Übergänge zwischen Schule, Ausbildung und Arbeit sind entscheidende Phasen
Die qualitativen Interviews mit Jugendlichen und Expert/innen zeigen, dass insbesondere Übergänge zwischen Schule, weiterführender Ausbildung, Lehre, Kursmaßnahmen und Einstieg in die Arbeit entscheidende Phasen sind. Berufliche Orientierung, Bewerbungen und Aufnahmeverfahren müssen dabei häufig gleichzeitig bewältigt werden. Bildungs- und Berufswege verlaufen nicht immer geradlinig, sondern häufig in mehreren Suchschleifen zwischen Schule, Lehre, Kursen und kurzfristiger Beschäftigung. Praktische Erfahrungen wie Schnuppertage, Praktika oder erste Arbeitserfahrungen können Jugendlichen hingegen helfen, Berufsbilder besser einzuschätzen und konkrete Ausbildungs- und Berufswünsche zu entwickeln. Als zentrale Erfolgsfaktoren werden niederschwellige Betreuung, die über Übergänge hinweg begleitet und praktische Unterstützung leistet, sowie Eigeninitiative und Motivation vonseiten der Jugendlichen genannt.
Deutschlernen eröffnet zusätzliche Bildungs- und Berufschancen
Die Ergebnisse der qualitativen Interviews unterstreichen zudem die Bedeutung, Deutsch zu lernen. Neben mündlichen Alltagskenntnissen sind dabei auch Lesen, Schreiben und Textverständnis wichtig, da sie bei Bewerbungen, in Weiterbildungen und Berufsschulen zusätzliche Bildungs- und Berufschancen eröffnen können. Außerdem zeigt sich, dass familiäre Erwartungen in Bezug auf Ehe, Mutterschaft und Erwerbstätigkeit die Bildungs- und Berufsmöglichkeiten junger Migrantinnen in einzelnen Fällen einschränken können. Bildung, eigenes Einkommen und weibliche Vorbilder können junge Frauen hingegen dabei unterstützen, eigene Bildungs- und Berufswege zu verfolgen - und ihnen neue Perspektiven eröffnen.
Über den Forschungsbericht
Der Forschungsbericht des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) analysiert Barrieren und Einflussfaktoren hinsichtlich Bildungs- und Berufschancen junger Menschen im NEET-Status. Die Untersuchung stützt sich auf einen Mixed-Methods-Ansatz: Die quantitative Analyse basiert auf Sonderauswertungen des Bildungsbezogenen Erwerbskarrierenmonitorings (BibEr) und der Abgestimmten Erwerbsstatistik von Statistik Austria und differenziert unter anderem nach Migrationsgeneration, Geburtsland, Geschlecht und Region. Vertiefend wurden 16 Interviews mit Expert/innen relevanter Institutionen sowie 20 qualitative Interviews betroffener Jugendlicher mit und ohne Migrationshintergrund ausgewertet.
ÖIF mit breitem Angebot für Deutschlernen und Berufseinstieg
Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) ist gemäß Integrationsgesetz die zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge, subsidiär Schutzberechtigte und Vertriebene beim Deutschlernen und bei der Integration in Österreich. Mit österreichweiten Karriereplattformen bringt der ÖIF arbeitssuchende Teilnehmer/innen aus ÖIF-Deutschkursen direkt mit Unternehmen mit Arbeitskräftebedarf zusammen; ein besonderer Fokus liegt dabei auf Einstiegsmöglichkeiten für Personen mit noch geringen Deutschkenntnissen. Parallel dazu bietet der ÖIF ein umfassendes Angebot zum berufsbegleitenden Deutschlernen mit Kursen zu Randzeiten, am Wochenende und online, um Deutschlernen und Arbeiten zu verbinden und einen raschen Einstieg in Beschäftigung zu unterstützen. Mit ZUSAMMEN:ÖSTERREICH besuchen Integrationsbotschafter/innen zudem Schulen in ganz Österreich und geben Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund Einblicke in ihre Bildungs- und Berufswege. Unternehmensschulbesuche ermöglichen Schüler/innen darüber hinaus direkte Einblicke in Betriebe und unterschiedliche Berufsfelder.
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Österreichischer Integrationsfonds
Telefon: +43 504682
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.integrationsfonds.at
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