- 24.09.2026, 12:57:32
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Halbzeit bei WorldSkills 2026: Zwischen Fieberschüben und Höhenflügen – AUDIO / BILD
Tag 2 in Shanghai: Ein Europameister aus Oberösterreich kämpft gegen Fieber und Uhr, eine Vorarlbergerin eröffnet ein Hotel in Australien. Österreichs Medaillenchancen sind intakt
Zwei Wettkampftage sind absolviert, zwei weitere bleiben noch. Zur Halbzeit der Berufsweltmeisterschaft WorldSkills 2026 in Shanghai zeichnen sich erste Tendenzen ab, Gewissheiten gibt es nicht.
Michael Tobisch, Österreichs technischer Delegierter, blickt aber mit begründeter Zuversicht auf die bisherigen Leistungen: „Wir müssen uns auf keinen Fall verstecken und können überall sehr gut mithalten.“ Als oberster Regelhüter des Teams verfolgt er die Bewerbe aus nächster Nähe. Seine Zwischenbilanz: „Die Medaillenchancen sind intakt, bei der hohen Leistungsdichte können allerdings schon kleine Fehler den Ausschlag geben.“ Für Österreichs Fachkräfte komme es nun darauf an, Sicherheit aus dem Geleisteten zu gewinnen, ohne in der Konzentration nachzulassen. Denn, so Tobisch: „Bis zur letzten Sekunde kann etwas passieren. Und auch die Konkurrenz macht Fehler.“ (O-Ton, Foto)
Kaltwarm für den Europameister
Jonas Danninger hat derzeit einen Gegner, auf den ihn kein Training vorbereiten konnte. Der amtierende Europameister in der Kälte- und Klimatechnik kämpft mit Fieber. „Wie viel Grad ich genau habe, will ich gar nicht wissen. Wenn ich abends im Bett liege und Schüttelfrost habe, merke ich jedenfalls: Es geht mir nicht besonders gut“, sagt der Oberösterreicher aus Herzogsdorf, der bei Hauser Kältetechnik in Linz arbeitet. Aber: Aufgeben steht für ihn nicht zur Debatte. Seine Aufgabe verlangt auch ohne Fieber höchste Konzentration: an Tag eins musste er eine Wärmepumpe samt wasserbeheiztem Boiler bauen und in Betrieb nehmen. „Die Anlage ist dann gelaufen“, freut sich Danninger. Dazu kommen Aufgaben wie das Herstellen und Hartlöten von Bauteilen bis zur Fehlersuche im Kältekreislauf und in der Elektrik. Gegen 26 Konkurrenten, von Korea über Brasilien bis zu den Philippinen, muss Danninger Präzision und Tempo an den Tag legen. Seine Einschätzung: „Eigentlich ist es unmöglich, fertig zu werden, wenn man alles regelkonform umsetzen möchte.“ (Foto hier)
Eine Handtasche aus Blüten
Unter Zeitdruck steht auch Julia Gschwandtner, anmerken lässt sie ihn sich kaum. Die Salzburgerin aus Bergheim scheint den Wettkampfstress weglächeln zu können. „Ich bin zufrieden mit meiner Leistung“, sagt die Floristin von „Das Blumenatelier“ in Obertrum am See erleichtert zur Mittagspause. Ihre Aufgabe bis dahin: Brautschmuck passend zu einem vorgegebenen Foto gestalten. Die Braut trägt ein langes, weißes, schmal geschnittenes Kleid mit einem schalartigen Element am Hals. Gschwandtner entscheidet sich für eine ungewöhnliche Form: „Das schaut aus wie eine kleine Handtasche. Dafür habe ich Nelken aufgefädelt.“ (Foto1, Foto2, O-Ton)
Dahinter steckt ein anspruchsvolles Zusammenspiel aus Gestaltung und Funktion. „Es geht darum, die Linienführung aufzugreifen und zu schauen, wie die Proportionen zur Trägerin passen“, erklärt ihr steirischer Trainer Johann Obendrauf und betont: „Man muss Rücksicht auf die Farbe nehmen, auf Transparenz, den Anlass, Tragbarkeit und Haltbarkeit.“ Für Gschwandtner bedeute das vor allem allerhöchste Genauigkeit, weiß ihr Trainer: „Man muss technisch sehr sauber arbeiten. Der Kleber darf nirgends sichtbar sein, kein Draht darf abstehen, keine Blüte beschädigt sein.“ Am Ende soll der Schmuck trotz aller Arbeit dahinter leicht und selbstverständlich wirken. Weitere Aufgaben verlangen spontane Entscheidungen: Neben Raum- und Objektdekorationen warten Überraschungsarbeiten. „Da weiß ich vorher nicht, was kommt“, sagt Gschwandtner. Neu ist zudem ein Marktplatz. „Die Teilnehmer müssen ihr Werkstück planen, einkaufen und kalkulieren“, erläutert Obendrauf. Sein Maßstab bleibt bei aller Konkurrenz klar: „Unser Ziel ist, einfach das Beste zu geben.“
Rückhalt bekommt Gschwandtner von ihren Eltern und Arbeitskolleginnen, die eigens nach Shanghai gereist sind. „Ich bin sehr dankbar, dass sie den weiten Weg auf sich genommen haben, um das mit mir zu erleben.“ Während der Wettbewerbszeit muss die Unterstützung allerdings ohne Gespräch auskommen: „Ich habe ihnen gesagt, sie dürfen mich nicht anreden.“ Umso größer sei die Freude, sie danach in die Arme schließen zu können.
Europameisterin zwischen Aufbruch und Aufregung
Wenige Hallen weiter muss Elena Mathis aus Hohenems in Vorarlberg Übersicht bewahren, während am Empfang mehrere Anliegen aufeinandertreffen. Die amtierende Europameisterin übernimmt im Wettbewerb die Rezeption des fiktiven „Mama Place“ in Melbourne. Das Haus eröffnet nach Renovierung und Neupositionierung gerade wieder – samt entsprechendem Erklärungsbedarf. Eine Gästin möchte einchecken, eine andere ihre morgendliche Fahrt zum Flughafen organisieren. Eine Nachbarin will das neue Hotel kennenlernen, äußert aber auch Bedenken wegen möglicher Lärmbelästigung durch die Rooftop-Bar. Zugleich führt die Personalleiterin eine neue Mitarbeiterin durchs Haus. Schauspielerinnen lassen aus der Aufgabenstellung einen lebhaften Hotelbetrieb entstehen. Mathis muss erkennen, was Vorrang hat, präzise informieren und auf die Sorgen der Nachbarin eingehen.
„Wenn mehrere Anliegen gleichzeitig kommen, muss ich rasch entscheiden, was zuerst zu tun ist. Trotzdem darf mein Gegenüber nicht das Gefühl bekommen, nur abgefertigt zu werden. Genau das ist die Herausforderung: im Kopf schon den nächsten Schritt planen und im Gespräch ganz bei diesem Menschen bleiben“, erzählt die Medaillenhoffnung. (Foto)
Osttirolerin will gut abschneiden
Gut abschneiden will auch Angelina Rainer – bei ihr ist das ganz wörtlich zu verstehen: Die Tirolerin aus Dölsach führt einen grauen Föhn mit Kammaufsatz über den Übungskopf. Schwarze Abteilklammern halten Haarpartien zurück. Am Oberkopf leuchtet kräftiges Rotorange, die Längen gehen in Kupfer und Goldgelb über; seitlich setzt eine türkisgrüne Partie einen kühlen Kontrast. Rainer trocknet und formt die farbigen Strähnen, arbeitet sich Abschnitt für Abschnitt durch die Frisur. Für die Mitarbeiterin des Friseursalons Manuela in Lienz gehören Gestaltung und sichtbare Veränderung zum Reiz des Berufs. Ihr Zwischenfazit: „Es kommt darauf an, dass Farbe, Schnitt und Styling am Ende ein stimmiges Ganzes ergeben. Unter Zeitdruck darf ich trotzdem kein Detail übersehen. Jetzt heißt es, konzentriert weiterzuarbeiten und bis zum Schluss das Beste herauszuholen.“ (Foto)
Steirer wollen Tisch und Medaillen abräumen
In Mathis’ Hotel könnte auch die Entwicklung von Konstantin Hauser aus Graz und Marwin Kremser aus Seiersberg-Pirka Einzug halten: Das Team arbeitet an einem Roboter, der sich zwischen Restauranttischen zurechtfinden soll. Die beiden Steirer von der Knapp AG in Hart bei Graz treten in „Autonomous Mobile Robotics“ an. „Der Roboter muss Tische abräumen und Dinge liefern. Dafür müssen die Teilnehmer ihn programmieren oder sogar umbauen. Weil vorher sehr wenig bekannt war, kommt es darauf an, dass sie ihr Können hier vor Ort einsetzen und die Aufgaben selbstständig umsetzen“, erklärt der Wiener Trainer Erhard List. Auch die Fehlersuche gehört zum Wettbewerb. „Bei einem Roboter, der für alle unbekannt ist, müssen sie Fehler finden und korrigieren“, erklärt List. Entscheidend sei über die einzelnen Aufgaben hinweg vor allem die Anpassungsfähigkeit: „Es sind ganz viele verschiedene Fähigkeiten gefragt. Wer sich gut anpassen und jedes Mal neu fokussieren kann, wird am Ende gut dastehen.“ Für Hauser und Kremser beginnt damit bei jedem Modul eine neue Bewährungsprobe – unter Bedingungen, die sich erst im Wettbewerb vollständig erschließen. (Foto von Marwin Kremser, Team Robotics mit Trainer Erhard List, m.)
Noch bis Samstagnachmittag kämpfen unsere 48 WM-Teilnehmer um Edelmetall. Am Sonntagabend werden schließlich die Medaillen bei der Closing Ceremony in der Mercedes Benz-Arena von Shanghai vergeben.
O-Ton-Service (inkl. Transkripte)
- SkillsAustria-Regelhüter Michael Tobisch (er ist auch erfolgreichster Skills-Teilnehmer aller Zeiten, 10 Goldmedaillen als Teilnehmer und Trainer) aus der Steiermark: „In dieser Wettbewerbszeit ist man immer über 100 Prozent gefordert. Man darf keine Schwachstellen haben.“ (hier zum O-Ton)
- Floristin Julia Gschwandtner aus Salzburg: „Da ist ganz wichtig, dass man von der Technik her sehr, sehr sauber arbeitet.“ (hier zum O-Ton)
- Chemielabortechniker René Bitschnau aus Vorarlberg: „Dieses Jahr ist es wirklich extrem. Gerade im Vergleich zu den Staatsmeisterschaften sind die Aufgaben sehr fordernd gestellt. Ich glaube kaum, dass viele mit den Aufgaben fertig werden.“ (hier zum O-Ton)
- Günter Fridrich, Experte in Speditionslogistik, aus Wien: „Paul (Zadravec) war sicherlich etwas angespannt zu Beginn. Aber nachdem er einmal begonnen hat, die ersten Aufgaben zu machen, ist er ganz gut in das Thema hineingekommen.“ (hier zum O-Ton)
Fotos (© SkillsAustria/Wieser/Slovencik)
- Zuversicht zur Halbzeit: Österreichs technischer Delegierter Michael Tobisch verfolgt die Bewerbe und wacht über die Einhaltung der Wettbewerbsregeln. (hier)
- Trotz Fiebers im Einsatz: Europameister Jonas Danninger aus Herzogsdorf in Oberösterreich bewältigt anspruchsvolle Aufgaben rund um Wärmepumpen und Kälteanlagen. (hier)
- Präzision bis zur letzten Blüte: Julia Gschwandtner aus Bergheim in Salzburg gestaltet Brautschmuck in Form einer kleinen Handtasche. (hier, hier)
- Souverän bleiben, wenn sich die Anliegen häufen: Europameisterin Elena Mathis aus Hohenems in Vorarlberg zeigt ihr Können an der Hotelrezeption. (hier)
- Konzentriert bis in die Haarspitzen: Angelina Rainer aus Dölsach in Tirol verbindet kräftige Farbtöne mit präzisem Styling. (hier)
- Ein Roboter für den Restaurantservice: Die Steirer Konstantin Hauser aus Graz und Marwin Kremser aus Seiersberg-Pirka bringen ihrer Maschine das Liefern und Abräumen bei. (hier)
- Die aktuellsten Fotos finden Sie hier. Alle Fotos nach Tagen sortiert, finden Sie hier. (PWK472/HSP)
Rückfragen & Kontakt
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