- 23.09.2026, 12:48:32
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WorldSkills 2026 gestartet: Österreichs Talente auf dem Prüfstand von Chinas großer Bühne – AUDIO / VIDEO / BILD
Die 48. Berufs-WM in Shanghai läuft – mit heiklen Aufgaben: Im neu eröffneten Babygeschäft streikt die Kasse, beim Möbelbau entscheiden Zehntelmillimeter über Gold oder Misserfolg
Zunächst liegt die Bühne völlig im Dunkeln. Dann schneiden dramatische Lichtkegel durch die Arena, Tänzergruppen formieren sich, frühere Champions tragen die chinesische Flagge herein: Mit einer bombastischen Show sind die WorldSkills 2026 in Shanghai am Dienstag eröffnet worden. Zur Nationalhymne erhebt sich das Publikum: Das offizielle China – vertreten durch den Premierminister – hat den weltbesten jungen Fachkräften den roten Teppich ausgerollt. Die Botschaft ist klar: Das Reich der Mitte startet mit höchster Präzision in die Berufsweltmeisterschaften.
Österreich wird von Wiener Fahnenträger angeführt
Den Mittelpunkt des Abends bilden dann aber die Teams aus den mehr als 70 teilnehmenden Ländern und Regionen: Von Brunei über Jamaika bis Uganda ziehen Delegationen ein. Nach Algerien, Argentinien, Armenien und Australien ist bereits Österreich an der Reihe: Webentwickler Tarik Begeta trägt die rot-weiß-rote Fahne voran. (Foto hier)
Hinter ihm marschiert das siebtgrößte Team dieser Berufsweltmeisterschaft in die Arena: 48 junge Fachkräfte, begleitet vom tosenden Applaus der mehr als 300 mitgereisten österreichischen Fans. „Das war eine wahnsinnig coole Erfahrung. Ich habe bei EuroSkills 2025 in Dänemark schon Bronze gewonnen und kenne solche Ausnahmesituationen. Aber das hier war noch einmal ein neues Level“, sagt Begeta. „Jetzt wollen wir diese Energie mitnehmen und in den kommenden Tagen weiter ausbauen“, sagt der Wiener.
Die Show selbst spannt einen weiten Bogen zwischen Tradition und Technologie, zwischen jahrtausendealter Kultur und jener industriellen Zukunft, die China mit aller Kraft vorantreibt. Ihren dramaturgischen Höhepunkt erreicht sie, als Walzertänzer über die Bühne gleiten. Erst verzögert wird sichtbar: Hier tanzen Roboter. Minuten später verlischt das Licht. Die Party ist vorbei. Zumindest bis Sonntagabend, wenn die Medaillen vergeben werden.
Einzelhandel: Schladmingerin eröffnet Baby-Geschäft
Mittwochmorgen chinesischer Zeit, Schauplatzwechsel in den Westen von Shanghai. Hier im National Exhibition and Convention Center (NECC) ist die Euphorie der Eröffnungsnacht längst der Hochkonzentration gewichen. Seit Mittwochfrüh wird auf einer Fläche von gewaltigen Dimensionen gesägt, geschweißt, programmiert, gebacken, frisiert, betoniert und konstruiert. Rund 1.400 junge Fachkräfte aus allen Teilen der Welt kämpfen in ihren Disziplinen um Gold, Silber und Bronze.
Unter ihnen ist Anna Tritscher aus Schladming. Die Einzelhandelskauffrau, die gewöhnlich Ski- und Sportartikel verkauft, wird im ersten Modul überrascht: Sie muss in Shanghai ein Babygeschäft eröffnen. Doch einige Produkte fehlen, andere sind beschädigt, die Kasse funktioniert nicht. Und obwohl das Geschäft eigentlich noch geschlossen ist, steht plötzlich ein Kunde vor ihr. Tritscher findet einen pragmatischen Ausweg: Sie nimmt ihn ins Kundenprogramm auf, erfasst seine Adresse und bietet an, die Ware zu liefern, sobald die Kasse läuft.
„Es ist von Modul zu Modul ein Sprung ins Ungewisse. Wenn einmal etwas schiefgeht, muss man darüberstehen, denn bei der nächsten Aufgabe werden die Karten neu gemischt“, sagt Tritscher. Kraft gebe ihr dabei der Rückhalt aus der Heimat: „Man merkt, dass diese Weltmeisterschaft gerade nicht nur für einen selbst der Lebensmittelpunkt ist. Wenn Familie, Freunde und so viele andere Menschen mitfiebern, ist das schon etwas Besonderes.“ Ihr Handy gehe über, lacht die Schladmingerin. (O-Ton, Foto)
Speditionslogistiker exportiert aus den USA
Einige Hallen weiter hat Paul Zadravec die ersten drei Wettbewerbsstunden in der Speditionslogistik hinter sich. Der Südsteirer muss Firmendaten und Dokumente einer internationalen Sendung prüfen und die Abwicklung vorbereiten. Ein Paket muss über den Seeweg aus den USA exportiert werden – eine Aufgabe mit reichlich Fracht an Details.
Nach dem ersten Modul fällt zumindest ein Teil der Anspannung von ihm ab. „Ich habe es mit gutem Gewissen und einem guten Gefühl erledigt. Damit ist schon ein Stück von der Angst und der Nervosität abgefallen, weil man jetzt ungefähr weiß, was auf einen zukommt“, sagt Zadravec. Besonders emotional ist für ihn, dass seine Mutter in Shanghai mit dabei ist. Bei EuroSkills 2021 in Graz hatte er ihr als junger Besucher noch scherzhaft versprochen, sie werde eines Tages vor seinem eigenen Wettbewerbsstand sitzen. „Jetzt ist es tatsächlich so gekommen. Wenn ich während des Wettbewerbs zu ihr hinaufschaue, wird es wahrscheinlich für uns beide schwer. Deshalb schaue ich lieber auf meine Aufgabe und versuche, konzentriert zu bleiben, sonst drückt es mir womöglich die Tränen runter“, sagt Zadravec. (Foto1, Foto2)
Möbeltischler: Zehntelmillimeter im Blick
Für Elias Stephan entscheidet sich der Wettbewerb in einer Maßeinheit, die mit freiem Auge kaum zu erkennen ist: dem Zehntelmillimeter. Der Möbeltischler aus Bad Sauerbrunn führt die Kappsäge durch das Werkstück, kontrolliert Winkel und Schnitt, setzt neu an. Gefordert ist ein Möbelstück mit einem Untergestell aus Massivholz und einer handgezinkten Lade. Was makellos aussieht, kann unter dem prüfenden Blick der Experten das entscheidende Stück zu viel oder zu wenig sein. „Hier geht es wirklich um Zehntelmillimeter. Es wird alles nachgemessen – das ist schon eine ernste Sache. Da muss man sehr genau arbeiten“, sagt Stephan. Präzision gehört für den Burgenländer zum Berufsalltag: Bei List General Contractor fertigt er Möbel für Luxusyachten. In Shanghai arbeitet er zugleich an einem möglichen Stück burgenländischer Wettbewerbsgeschichte. Eine WorldSkills-Medaille hat das Bundesland bisher noch nicht gewonnen. (Foto1, Foto2)
Verfahrenstechnik: Premiere für Österreich
Neuland betritt auch Vincent Track. Der Tiroler ist der erste Österreicher, der bei WorldSkills im Wettbewerb der Verfahrens- und Prozesstechnik antritt. Historische Erfahrungswerte, an denen er sich orientieren könnte, gibt es somit keine. Dafür bringt der Novartis-Mitarbeiter Erfahrung aus einem Bereich mit, in dem Prozesssicherheit weit mehr als ein Gütesiegel ist: Track arbeitet an Abläufen, die zur Reinheit von Medikamenten beitragen.
„Mich begeistert, dass ich Prozesse zur Entwicklung und Herstellung lebensrettender Medikamente nicht nur verstehe, sondern aktiv verbessern kann“, sagt Track. In Shanghai muss er zeigen, wie sicher er komplexe industrielle Abläufe beherrscht, Anlagen steuert, Qualität kontrolliert und auf Abweichungen reagiert. Sein Wettbewerb ist eine Premiere – für ihn selbst ebenso wie für Österreich. (Foto1,Foto2)
Bäckerin muss warten
Noch warten muss Valentina Otzelberger. Während rund um sie längst um Punkte gearbeitet wird, beginnt der Wettbewerb der Konditorin erst am dritten und vierten Tag. Das Zuschauen macht die Sache kaum leichter. Otzelberger unterstützt ihre Teamkollegen, versucht die Dimensionen des Geländes auszublenden – und würde am liebsten selbst sofort loslegen. „Eine Grundnervosität ist natürlich dabei. Ich würde schon gerne anfangen und arbeiten, weil ich mich beim Zuschauen fast ein bisschen nutzlos fühle. Gleichzeitig motiviert es mich, die anderen zu sehen“, sagt sie.
Auf ihrem Programm werden ein Schokoladen- und ein Zuckerschaustück sowie zwei Torten stehen. Dazu kommen unbekannte Aufgaben. „Die Mystery-Aufgaben gehören dazu. Aber wir Österreicher sind recht spontan, deshalb mache ich mir darüber nicht allzu viele Sorgen. Ich bin gut vorbereitet und werde es genauso angehen, wie ich es trainiert habe“, sagt die Medaillenhoffnung aus Niederösterreich, die in Wien arbeitet. (O-Ton, Foto)
Videomaterial
- Hier finden Sie die Opening Ceremony mit dem Einzug Österreichs (hier zum Download)
- Video-Interviews mit (zum Download):
- Angelina Rainer, Friseurin aus Osttirol
- Bernhard Moser, Land- und Baumaschinentechniker aus Salzburg
- Elena Mathis, Hotel-Rezeptionistin aus Vorarlberg
- Noah Trettenbrein, Hochbauer aus Kärnten
- Luca Reitböck, Zimmerer aus Oberösterreich
Fotos ( © SkillsAustria/Wieser/Slovencik/Lehner)
- Hier alle aktuellen Fotos, hier nach Tagen sortiert, hier die Opening Ceremony.
- Imposante Eröffnungsshow in der Mercedes Benz-Halle in Shanghai: Nationen aus allen Teilen der Welt sind bei der Flaggenparade eingezogen – darunter auch Österreich mit Fahnenträger Tarik Begeta aus Wien (hier)
- Starkes Spektakel zum Start: In der Mercedes Benz-Arena in Shanghai wurden die 48. WorldSkills eröffnet (hier)
- Eröffnet bei WorldSkills ein Babygeschäft: Anna Tritscher, Einzelhandelskauffrau aus Schladming (hier)
- Der südsteirische Speditionslogistiker Paul Zadravec: prüft Firmendaten und Transportdokumente für eine Seefracht aus den USA (hier, hier)
- Zehntelmillimeter im Blick: Möbeltischler Elias Stephan aus dem Burgenland (hier, hier)
- Tritt als erster Österreicher in der Verfahrens- und Prozesstechnik bei WorldSkills an: Vincent Track (hier)
- Noch in der Vorbereitungsphase: Für Valentina Otzelberger aus Niederösterreich geht es an Wettkampftag drei los (hier)
OT-Material (Audio)
- Einzelhandelskauffrau Anna Tritscher aus der Steiermark: „Von Modul zu Modul heißt es: einfach drauflos. Wenn etwas schiefgeht, muss man darüberstehen – beim nächsten Anlauf werden die Karten neu gemischt.“ (hier zum gesamten O-Ton)
- Friseurin Angelina Rainer aus Tirol: „Damit man sich nicht ablenken lässt, bleibt man besser bei sich.“ (hier zum gesamten O-Ton)
- Konditorin Valentina Otzelberger aus Niederösterreich: „Das Beste ist, ruhig zu bleiben und dem Zeitplan so gut wie möglich zu folgen.“ (hier zum gesamten O-Ton)
- Hochbauer Noah Trettenbrein aus Kärnten: „Jeder Millimeter zählt. Wer am genauesten ist, gewinnt.“ (hier zum gesamten O-Ton)
- Experte Wolfgang Fank aus der Steiermark, Trainer von Möbeltischler Elias Stephan: „Wer die WorldSkills nicht kennt, kann sie sich am ehesten wie Olympische Spiele vorstellen – nur treten wir in den verschiedensten Berufen an.“ (hier zum gesamten O-Ton)
- SkillsAustria-Präsident Josef Herk: „Wir können nur mächtig stolz sein.“ (hier zum gesamten O-Ton)
- Hier finden Sie alle vorhandenen O-Töne. (PWK466/HSP)
Rückfragen & Kontakt
SkillsAustria - Verein zur Förderung von Berufswettbewerben
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Christoph Sammer
Telefon: +43 664 233 0908
E-Mail: [email protected]
Wirtschaftskammer Österreich
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