- 22.09.2026, 10:17:03
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Arbeitsklima Index zeigt deutliche Nachteile für Frauen am Arbeitsmarkt auf
Der österreichische Arbeitsmarkt ist nach wie vor in Frauen- und Männerberufe geteilt. Während Frauen häufiger im Handel, in der Verwaltung und im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten, sind Männer vor allem am Bau, im Verkehrswesen und in technischen Berufen überdurchschnittlich vertreten. Die Trennung beginnt bereits bei der Ausbildung und wirkt sich später auf Karrierechancen, Einkommen und Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus. Das zeigen neue Auswertungen des Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich.
Im Gesundheits- und Sozialwesen sind drei Viertel der Beschäftigten Frauen. In der öffentlichen Verwaltung liegt ihr Anteil inzwischen bei 63 Prozent, im Unterrichtswesen bei 60 Prozent und im Handel bei 54 Prozent. Auf der anderen Seite sind 87 Prozent der Beschäftigten am Bau Männer. Auch Bergbau, Wasserversorgung und Abfallwirtschaft sowie Verkehr sind stark männlich geprägt.
Die Unterschiede zeigen sich bereits bei den Lehrberufen. Von rund 101.000 Lehrlingen in Ausbildungsbetrieben waren 2024 rund 33.000 weiblich. Besonders groß ist der Unterschied bei den einzelnen Ausbildungsfeldern: In der Sekretariats- und Büroarbeit sind 78 Prozent der Lehrlinge weiblich im Groß- und Einzelhandel sind es 62 Prozent. Bei Maschinenbau und Metallverarbeitung beträgt der Frauenanteil dagegen zwölf Prozent. Im Baugewerbe sind es acht Prozent, bei Elektrizität und Energie sechs Prozent. Damit werden berufliche Wege früh vorgezeichnet. Wer sich für einen typischen Frauen- oder Männerberuf entscheidet, arbeitet später auch häufig in einer entsprechend geschlechtsspezifisch geprägten Branche.
Seltener Führungspositionen, dafür öfter Geldsorgen bei Frauen
Auch beim beruflichen Aufstieg bestehen deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Insgesamt haben 19 Prozent der männlichen Beschäftigten eine leitende Funktion, bei den Frauen sind es nur elf Prozent. Besonders deutlich zeigt sich das im Gesundheits- und Sozialwesen: Obwohl dort der Frauenanteil besonders hoch ist, haben 16 Prozent der Männer, aber nur neun Prozent der Frauen eine Leitungsfunktion.
Und auch finanziell zeigen sich deutliche Unterschiede: Insgesamt sagen 53 Prozent der Beschäftigten, dass sie mit ihrem Einkommen gut auskommen. Bei den Männern sind es 58 Prozent, bei den Frauen nur 48 Prozent. Gleichzeitig geben neun Prozent der Frauen an, dass ihr Einkommen nicht zum Leben ausreicht. Bei den Männern sind es fünf Prozent.
Besonders schwierig ist die Situation im Handel und im Tourismus. Im Handel kommen nur 38 Prozent der weiblichen Beschäftigten mit ihrem Einkommen gut aus, 13 Prozent kommen damit nicht aus. Im Tourismus reicht das Einkommen für zwölf Prozent der Frauen nicht aus.
Teilzeit und Kinder verschärfen Unterschiede
Teilzeitarbeit erschwert das finanzielle Auskommen. Bei einer Wochenarbeitszeit von weniger als 20 Stunden kommen 24 Prozent der Frauen mit ihrem Einkommen nicht aus. Bei einer Arbeitszeit von 35 Stunden oder mehr sinkt dieser Anteil auf fünf Prozent.
Gleichzeitig tragen Frauen nach wie vor häufiger die Folgen von Betreuungspflichten. Drei Viertel der Beschäftigten bewerten die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben als gut oder sehr gut. Sobald Kinder im Haushalt leben, steigt der Anteil jener, die sich dadurch belastet fühlen, jedoch deutlich an.
Auch bei Berufsunterbrechungen zeigt sich ein klarer Unterschied: Fast die Hälfte der Frauen, die ihr Berufsleben unterbrochen haben, nennt Elternkarenz oder Kinderbetreuung als Grund. Bei Männern sind es nur vier Prozent.
„Wenn Frauen wegen fehlender Kinderbetreuung ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihre Berufslaufbahn unterbrechen müssen, hat das Folgen für ihr Einkommen, ihre Karriere und später auch für ihre Pension. Vereinbarkeit von Beruf und Familie darf deshalb keine Privatsache sein. Wir brauchen flächendeckende, kostenlose, ganzjährige und ganztägige Kinderbetreuung, die sich an den tatsächlichen Arbeitszeiten der Eltern orientiert. Nur so schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Frauen und Männer am Arbeitsmarkt die gleichen Chancen haben“, sagt Andreas Stangl, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich.
Forderungen der Arbeiterkammer Oberösterreich
- Die bestmögliche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie
- Ein Recht auf Stundenaufstockung für Teilzeitkräfte, die regelmäßig Mehrarbeit leisten.
- Mehr Förderung für Frauen in technischen und männerdominierten Berufen.
- Gleiches Einkommen für gleichwertige Arbeit.
- Einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbildungs- und -betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr.
- Flächendeckende, kostenlose, ganzjährige und ganztägige Kinderbetreuung für bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
- Effektiver Schutz vor Diskriminierung, Belästigung und Benachteiligung aufgrund des Geschlechts, (möglicher) Schwangerschaft oder Elternschaft.
Eine ausführliche Presseunterlage finden Sie zum Download hier.
Rückfragen & Kontakt
Arbeiterkammer Oberösterreich
Gabriele Fehringer, BSc, MSS
Telefon: +43 (0)50/6906-2139
E-Mail: [email protected]
Website: https://ooe.arbeiterkammer.at/
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