• 17.09.2026, 08:10:32
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Gerstorfer zu Pensionsdebatte: „Nicht neue Hürden erfinden – Arbeit ermöglichen und Finanzierung breiter aufstellen“

PVÖ: 40 Beitragsjahre würden vor allem Frauen und Menschen mit langen Ausbildungswegen treffen – Vorstoß nicht im Seniorenrat akkordiert

Wien (OTS) - 

Zur Forderung von Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec, künftig 40 Beitragsjahre zur Voraussetzung für eine volle Pension zu machen, hält PVÖ-Präsidentin und Seniorenrats-Präsidentin Birgit Gerstorfer fest: „Ich schätze die konstruktive Zusammenarbeit mit Ingrid Korosec im Österreichischen Seniorenrat sehr. Dieser konkrete Vorschlag ist allerdings nicht im Seniorenrat abgestimmt. Der Pensionistenverband vertritt hier aus guten Gründen eine andere Position.“ ****

Schon heute berücksichtigt das Pensionskonto Dauer und Höhe der Beitragsleistung. Für jedes Versicherungsjahr werden 1,78 Prozent der Beitragsgrundlage gutgeschrieben. Wer länger arbeitet und mehr einzahlt, erwirbt damit grundsätzlich auch eine höhere Pension.

Frauen dürfen nicht zwischen späterer Pension und Arbeitslosigkeit aufgerieben werden

Eine starre Vorgabe von 40 Beitragsjahren würde insbesondere Frauen treffen. Ihre Erwerbsbiografien sind häufiger durch Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Teilzeit geprägt. Gleichzeitig wird das Frauenpensionsalter bereits schrittweise auf 65 Jahre angehoben. „Wir sehen schon jetzt, was längeres Arbeiten bedeutet, wenn der Arbeitsmarkt nicht mitzieht“, warnt Gerstorfer. Die Arbeitslosenquote der 60- bis 64-jährigen Frauen stieg 2025 auf 7,2 Prozent – ein Plus von 1,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Das AMS führt diesen besonders starken Anstieg unter anderem auf die Anhebung des Frauenpensionsalters zurück. Generell lag die Arbeitslosenquote der 60- bis 64-Jährigen 2025 bei 10,5 Prozent. Gleichzeitig beschäftigten nur rund 19 Prozent der österreichischen Betriebe überhaupt zumindest eine Person ab 60 Jahren. „Wer längeres Arbeiten fordert, muss zuerst dafür sorgen, dass ältere Menschen auch tatsächlich Arbeit finden und behalten können. Sonst verschiebt man Menschen nicht in Beschäftigung, sondern in die Arbeitslosigkeit“, so Gerstorfer.

40 Beitragsjahre werden unterschiedlichen Lebenswegen nicht gerecht

Problematisch wäre eine starre Grenze auch für Menschen mit langen Ausbildungswegen. Das Medianalter beim Abschluss eines Masterstudiums liegt bei 27,4 Jahren, bei einem Doktorat bei 32,1 Jahren. Würden 40 Beitragsjahre erst danach beginnen, wären diese rechnerisch erst mit rund 67 beziehungsweise 72 Jahren erreicht.

„Unser Land braucht die Facharbeiterin und den Handwerker genauso wie die Ärztin, den Techniker oder die Wissenschaftlerin“, betont Gerstorfer. „Wer mit 15 oder 16 Jahren zu arbeiten beginnt, hat eine andere Erwerbsbiografie als jemand nach einem langen Medizin-, Technik- oder Forschungsstudium. Ein faires Pensionssystem muss beiden gerecht werden.“

Gerade angesichts des internationalen Wettbewerbs um Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und andere hochqualifizierte Fachkräfte müsse Österreich zudem darauf achten, keine zusätzlichen Standortnachteile zu schaffen.

Österreich ist bereits mitten in einer Pensionsreform

Gerstorfer erinnert daran, dass seit 1. Jänner 2026 bereits die neue Teilpension gilt. Gleichzeitig wird die Korridorpension verschärft: Das frühestmögliche Antrittsalter steigt schrittweise von 62 auf 63 Jahre, die erforderliche Versicherungsdauer von 40 auf 42 Jahre. Auch das Frauenpensionsalter wird laufend angehoben. „Bevor bereits die nächste grundlegende Reform gefordert wird, sollten wir zunächst seriös beobachten, was die beschlossenen Maßnahmen bewirken“, fordert Gerstorfer.

Gemeinsamer Fokus: bessere Chancen für Frauen 50+ und Verantwortung der Betriebe

Erst vor wenigen Tagen haben Gerstorfer, Korosec und die Vorsitzende der Alterssicherungskommission, Christine Mayrhuber, gemeinsam mehr Jobs, mehr Chancen und bessere Rahmenbedingungen für Frauen 50+ gefordert. Gleichzeitig beabsichtigen die drei Frauen ein Modell für ein Bonus-Malus-System auszuarbeiten: Unternehmen, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen und halten, sollen einen Vorteil haben, Betriebe mit besonders niedriger Älterenbeschäftigung stärker in die Verantwortung genommen werden.

„Wer möchte, dass Menschen länger arbeiten, muss auch dafür sorgen, dass sie tatsächlich einen Arbeitsplatz haben“, so Gerstorfer.

Pensionsdebatte darf nicht immer nur bei den Beschäftigten beginnen

Der PVÖ verschließe sich keiner sachlichen Diskussion über die langfristige Finanzierung des Pensionssystems. „Aber diese Debatte darf nicht ausschließlich bei zusätzlichen Arbeitsjahren der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beginnen und enden.“

Wer über weitere Reformen rede, müsse auch über eine breitere Finanzierung sprechen – etwa über hohe Vermögen, große Erbschaften und andere vermögensbezogene Beiträge. Österreich erzielt aus vermögensbezogenen Steuern im internationalen Vergleich geringe Einnahmen.

„Wenn wir über zusätzliche Beiträge und Arbeitsjahre der Beschäftigten reden, müssen wir genauso darüber reden, welchen Beitrag sehr große Vermögen zur langfristigen Absicherung unseres Sozialstaates leisten können“, so Gerstorfer.

„Wir müssen über das ganze Bild reden: über Arbeitsplätze für Ältere, die besondere Situation von Frauen, gute und altersgerechte Arbeitsbedingungen, Gesundheit, Produktivität und eine gerechtere Finanzierung. Nur immer neue Jahre bei den Beschäftigten einzufordern, ist uns zu wenig.“

Abschließend unterstreicht Gerstorfer: „Ingrid Korosec und ich haben im Seniorenrat in zentralen Fragen immer wieder gemeinsame Positionen vertreten. Das soll auch so bleiben. Dieser konkrete Vorschlag wurde nicht im Seniorenrat akkordiert. Wir vertreten hier aus guten Gründen eine andere Auffassung.“ (Schluss)

Rückfragen & Kontakt

Pensionistenverband Österreichs
Generalsekretär Christian Rösner-El-Heliebi, MSc.
Mag. Susanne Ellmer-Vockenhuber, Bakk.
E-Mail: [email protected]

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