• 17.09.2026, 07:55:02
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Maßgeschneiderte Reiseberatung beugt unliebsamen Urlaubsmitbringseln vor

Reisemediziner:innen berücksichtigen zahlreiche individuelle Faktoren von der Art der Reise bis zu bestehenden chronischen Erkrankungen

Wien (OTS) - 

Fast alle Österreicher:innen planen dieses Jahr zu reisen oder sind bereits vereist, häufig mehr als einmal. Der Großteil bevorzugt Europa, dennoch zieht es auch viele in fernere Gefilde. Wie der Ruefa Reisekompass zeigt, möchte ein Teil dabei durchaus etwas erleben. So unterschiedlich wie die Reisegelüste der Österreicher:innen müssen daher die Vorbereitungen ausfallen. Das gilt speziell für die reisemedizinische Beratung und eventuell notwendige Reiseimpfungen. Und ganz besonders dann, wenn „nur“ Freunde oder Verwandte besucht werden sollen.

Die Österreicher:innen gehen auf Reisen

90 % der Österreicher:innen möchten 2026 verreisen oder haben bereits eine von potenziell mehreren Reisen hinter sich. Die meisten bevorzugen Strandurlaub und Städtereisen, gleichzeitig favorisiert laut Ruefa Reisekompass knapp jede:r Fünfte Aktivurlaub (20 %) oder Erlebnisreisen/Rundreisen/Roadtrips (18 %), durchaus auch in entfernteren Destinationen. (1)

Damit die Reise nicht zum Albtraum wird, sollten die Reisenden nicht nur auf gute Sonnencreme und richtige Kleidung setzen, sondern genauso auf eine individuelle reisemedizinische Vorbereitung.

Individualisierung als zentrales Prinzip der Reisemedizin

Die reisemedizinische Beratung vor einer Reise hilft dabei, Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und die Vorsorge individuell auf die geplante Reise abzustimmen. Dabei werden unter anderem das Reiseziel, die Reisezeit, die Art der Reise sowie persönliche Faktoren der Reisenden, wie zum Beispiel bestehende Krankheiten, berücksichtigt“, erläutert Dr. Sebastian Baumgartner vom reisemedizinischen Impfservice der Klinik Favoriten. „Selbst im gleichen Land macht es einen Unterschied, ob jemand Backpacker ist, Verwandte und Freunde besucht oder im Rahmen einer Pauschalreise unterwegs ist.“ Sogar die Jahreszeit könne einen Unterschied machen.

Studien zeigen zum Beispiel, dass Menschen, die Freunde und Verwandte besuchen, tendenziell länger bleiben und engeren Kontakt zur einheimischen Bevölkerung haben, lokale Lebensmittel und Wasser konsumieren und Mückenschutzmaßnahmen seltener einhalten. Dadurch steigt ihr Risiko für Atemwegs-, vektorübertragene sowie durch Lebensmittel- und Wasser übertragene Infektionen. Gleichzeitig suchen gerade diese Reisenden am seltensten ärztlichen Rat. (2,3)

Kurzfristige Planänderungen können Erkrankungsrisiko erhöhen

Dass kurzfristige Änderungen im Reiseverlauf ebenfalls Auswirkungen haben können, belegt unter anderem eine kanadische Erhebung, die geplante mit tatsächlichen Reiseverläufen verglich: Von 119 Reisenden, die nach der Reise befragt wurden, berichteten 109 (92 %) von Abweichungen zum ursprünglichen Plan. 68 Personen (62 %) hätten aufgrund eines höheren oder anderen Risikos als ursprünglich angenommen eine andere Beratung benötigt. (4) „Es ist deshalb wichtig, schon vorab zu berücksichtigen, welche kurzfristigen Möglichkeiten sich im Verlauf einer Reise ergeben könnten“, betont Baumgartner. „Genau aus solchen Gründen ist immer ein individuelles Beratungsgespräch notwendig. Reisemedizinische Beratung von der Stange kann es nicht geben.

Für viele Reisekrankheiten existiert keine spezifische Therapie

Egal, ob Dengue-, Chikungunya-Fieber oder Japan Enzephalitis: Für etliche der Krankheiten, die Reiserückkehrer:innen unfreiwillig mitbringen, gibt es keine kausale Therapie. „Das bedeutet, dass wir nur die Symptome behandeln können, ohne die Ursache zu beheben“, erläutert Baumgartner. „Leider sind auch nach überstandener Akutphase langfristige Folgen nicht ausgeschlossen. Nach einer Chikungunya-Infektion kommt es beispielsweise immer wieder zu einer chronischen Arthritis, die sehr schmerzhaft sein kann. Wer das Dengue-Fieber überstanden hat, kann noch wochenlang extrem erschöpft sein und Japan Enzephalitis kann neurologische und psychische Langzeitfolgen mit sich bringen.

Verbreitung ändert sich

Zu beachten ist auch, dass sich die Verbreitung vieler Infektionskrankheiten ändert“, berichtet der Reisemediziner. „Die Erreger Dengue und Chikungunya haben sich in den letzten Jahren stark weiterverbreitet. Viele Gebiete Lateinamerikas und Asiens sind mittlerweile betroffen, auch Teile Afrikas. An Japan Enzephalitis erkrankten bei einem Ausbruch vor ein paar Jahren – und vereinzelt bis heute – sogar Menschen auf dem australischen Festland, was es zuletzt vor knapp 30 Jahren gegeben hat. Auch das berücksichtigen wir heute selbstverständlich in der Beratung, genauso wie die sogenannten Pflichtimpfungen. Dazu gehört zum Beispiel die Meningokokken-Impfung (ACWY) für alle, die an den Pilgerfahrten Haddsch oder Umrah teilnehmen. Wichtig ist sie außerdem für jene, die den afrikanischen Meningitis-Gürtel in der Subsahara Region besuchen wollen.

Rechtzeitig beraten lassen

Vielen typischen Reisekrankheiten lässt sich heute vorbeugen: durch entsprechende Impfungen oder die prophylaktische Einnahme von Medikamenten. Dies sollte allerdings rechtzeitig geschehen. „In den meisten Fällen reicht es, wenn man ein paar Wochen vor Antritt der Reise zur reisemedizinischen Beratung geht, in speziellen Fällen sollten es lieber ein paar Monate sein“, betont Baumgartner. „Das Praktische ist, dass man dabei auch gleich die österreichischen Standardimpfungen inklusive FSME* überprüfen lassen und gegebenenfalls auffrischen kann. Diese sollten sowieso immer auf dem aktuellen Stand sein.

Checkliste für das reisemedizinische Beratungsgespräch:

  • Reiseziel und Zwischenstopps
  • Dauer und Zeitpunkt der Reise
  • Reiseart und geplante Aktivitäten
  • Vorhandene Impfungen und Impfnachweise
  • Frühere Erkrankungen und aktuelle Vorerkrankungen
  • Medikamenteneinnahme und Allergien
  • Schwangerschaft oder Stillzeit


* Frühsommer-Meningoenzephalitis

Impfempfehlungen sind im Österreichischen Impfplan nachzulesen, Impfberatung bieten Ärzt:innen und Apotheker:innen im österreichischen Gesundheitswesen.

  1. Ruefa Reisekompass 2026.
  2. Heywood AE et al. The contribution of travellers visiting friends and relatives to notified infectious diseases in Australia: state-based enhanced surveillance. Epidemiol Infect. 2016 Dec;144(16):3554-3563. doi: 10.1017/S0950268816001734. Epub 2016 Aug 30.
  3. Rapheal E, et al. Surveying Health-Related Knowledge, Attitudes, and Behaviors of U.S.-Based Residents Traveling Internationally to Visit Friends and Relatives. Am J Trop Med Hyg. 2020 Dec;103(6):2591-2599. doi: 10.4269/ajtmh.20-0508. Epub 2020 Sep 17.
  4. Wong JK, et al. Pretravel plans and discrepant trip experiences among travelers attending a tertiary care centre family travel medicine clinic. PLoS One. 2022;17(2):e0262075. doi: 10.1371/journal.pone.0262075.

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Telefon: +436645153040
E-Mail: [email protected]

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