• 16.09.2026, 11:30:05
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Gerstorfer: „Wer krank ist, braucht einen Arzttermin – und keinen Platz auf einer monatelangen Warteliste“

PVÖ fordert verbindliche maximale Wartezeiten, mehr Kassenärztinnen und Kassenärzte sowie stärkere Einbindung von Wahlärztinnen und Wahlärzten.

Wien (OTS) - 

Die aktuellen Berichte über immer längere Wartezeiten auf Termine bei Kassenärztinnen und Kassenärzten bestätigen aus Sicht des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ) ein Problem, vor dem die Seniorenvertretungen seit Jahren warnen. Eine aktuelle österreichweite Erhebung weist bei Kassen-Facharztterminen eine mittlere Wartezeit von mehr als einem Monat aus, in einzelnen Fachrichtungen sind es sogar rund zwei Monate.„Wer krank ist, braucht einen Arzttermin und keinen Platz auf einer monatelangen Warteliste. Gerade ältere Menschen können notwendige Untersuchungen und Behandlungen nicht beliebig aufschieben. Wenn gleichzeitig beim Wahlarzt binnen kurzer Zeit ein Termin verfügbar ist, dann läuft etwas grundsätzlich falsch“, kritisiert PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer. ****

„Die e-card muss wieder mehr wert sein als die Kreditkarte“

Für Gerstorfer geht es dabei um eine Grundfrage des solidarischen Gesundheitssystems: „Wir akzeptieren nicht, dass sich in Österreich immer stärker danach entscheidet, wie schnell jemand medizinisch versorgt wird, wie viel er oder sie zusätzlich bezahlen kann. Die e-card muss wieder mehr wert sein als die Kreditkarte. Gesundheit darf keine Frage der Geldbörse sein.“

Gerade Pensionistinnen und Pensionisten seien auf ein funktionierendes öffentliches Gesundheitssystem besonders angewiesen. „Ältere Menschen können nicht einfach sagen: Dann warte ich eben noch zwei Monate. Bei vielen Erkrankungen geht es darum, möglichst früh abzuklären und zu behandeln. Lange Wartezeiten sind daher nicht nur ärgerlich, sondern können für die Betroffenen eine enorme Belastung darstellen“, so Gerstorfer.

PVÖ fordert verbindliche maximale Wartezeiten

Der Pensionistenverband fordert daher ein österreichweites Maßnahmenpaket gegen lange Wartezeiten auf Kassenarzttermine:

1. Verbindliche maximale Wartezeiten für Kassen-Facharzttermine

Nach dem Vorbild bestehender Regelungen für bestimmte diagnostische Untersuchungen sollen nachvollziehbare und medizinisch vertretbare Fristen festgelegt werden. Bei dringlichen Fällen muss eine deutlich raschere Versorgung gewährleistet sein.

2. Mehr Kassenstellen und attraktivere Kassenverträge

Kassenstellen müssen insbesondere in Fachrichtungen und Regionen mit Versorgungslücken gezielt ausgebaut werden. Gleichzeitig müssen Kassenverträge so attraktiv gestaltet sein, dass wieder mehr Ärztinnen und Ärzte für das öffentliche Gesundheitssystem gewonnen werden.

3. Wahlärztinnen und Wahlärzte stärker ins Kassensystem einbinden

Wo Kassenkapazitäten fehlen, sollen vorhandene ärztliche Kapazitäten auch für Kassenpatientinnen und Kassenpatienten nutzbar gemacht werden. Dafür braucht es Modelle, mit denen Wahlärztinnen und Wahlärzte zusätzliche Kassenleistungen anbieten können.

4. Transparenz bei den Wartezeiten

Patientinnen und Patienten sollen österreichweit einfach feststellen können, wo zeitnahe Kassentermine verfügbar sind. Dafür sind eine zentrale, transparente Terminübersicht und eine aktive Terminvermittlung notwendig.

5. Wohnortnahe Versorgung ausbauen

Primärversorgung, Gruppenpraxen und längere Öffnungszeiten müssen weiter ausgebaut werden. Gerade für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen darf medizinische Versorgung nicht erst nach langen Anfahrtswegen erreichbar sein.

„Die ältere Generation zahlt mehr – sie darf nicht länger auf weniger Leistung warten“

Gerstorfer erinnert daran, dass Pensionistinnen und Pensionisten zuletzt durch höhere Krankenversicherungsbeiträge und zusätzliche Belastungen einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des Gesundheitssystems leisten mussten. „Wer mehr einzahlt, darf nicht gleichzeitig erleben, dass der Zugang zu Leistungen schwieriger wird. Die ältere Generation zahlt mehr – sie darf nicht länger auf weniger Leistung warten.“

Die Forderungen seien keineswegs neu. Der Pensionistenverband und der Österreichische Seniorenrat verlangen seit Jahren eine flächendeckende kassenärztliche Versorgung, die Reduktion langer Facharzt- und OP-Wartezeiten sowie mehr Kassenverträge.

„Es liegen genügend Konzepte auf dem Tisch. Jetzt geht es um die Umsetzung“, so Gerstorfer. „Unser Maßstab ist einfach: Wer eine Ärztin oder einen Arzt braucht, muss zeitgerecht einen Kassentermin bekommen – unabhängig von Einkommen, Alter und Wohnort. Darauf müssen sich die Menschen in einem solidarischen Gesundheitssystem verlassen können.“ (Schluss)

Rückfragen & Kontakt

Pensionistenverband Österreichs
Generalsekretär Christian Rösner-El-Heliebi, MSc.
Mag. Susanne Ellmer-Vockenhuber, Bakk.
E-Mail: [email protected]

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