• 11.09.2026, 17:12:02
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Hilfswerk: Die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger auf Distanz ist für immer mehr Familien Realität.

Zunehmende Wohnortmobilität bedeutet mehr räumliche Ferne zu pflegebedürftigen Angehörigen. Gute Organisation und Unterstützung sind gefragt. Wie das gelingt, weiß das Hilfswerk.

Wien (OTS) - 

Anlässlich des 8. Nationalen Aktionstags für pflegende Angehörige, am 13. September 2026, erinnert das Hilfswerk die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung an die herausfordernde Situation pflegender Angehöriger und nimmt dabei insbesondere jene Angehörigen in den Blick, die sich aus der Ferne um ihre Lieben kümmern. „85% der Pflegegeldbezieherinnen und -bezieher in Österreich leben zu Hause. Deren Angehörige spielen eine entscheidende Rolle, damit das österreichische Versorgungssystem funktioniert“, sagt Othmar Karas, Präsident des Hilfswerk Österreich. „Weil viele Menschen heute mobiler sind und viele Familien nicht mehr unter einem Dach oder in direkter Nachbarschaft leben, ergeben sich im Falle der Pflegebedürftigkeit eines Verwandten zusätzliche Herausforderungen. Darauf müssen wir noch besser reagieren“, stellt Karas fest. In Österreich kümmern sich rund 300.000 Angehörige um pflegebedürftige Familienmitglieder, die nicht im selben Haushalt oder in unmittelbarer Nähe leben.

Angehörige brauchen Entlastung bei Bürokratie und Organisation

„Wir haben in einer aktuellen Umfrage erst kürzlich wieder festgestellt, dass pflegende Angehörige die Bürokratie und die vielen Wege, die notwendig sind, um eine entsprechende Versorgung für ihr pflegebedürftiges Familienmitglied sicherzustellen, als besonders belastend empfinden“, erläutert der Hilfswerk-Präsident. „Wir müssen den Papierkrieg rund um die Pflege und die vielen unnötigen Rennereien jedenfalls eindämmen. Und wir müssen mehr Möglichkeiten schaffen, um Angehörige in organisatorischen Angelegenheiten besser zu unterstützen. Das hilft jenen, die im gemeinsamen Haushalt oder in räumlicher Nähe leben, aber erst recht jenen, die sich aus der Ferne um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmern“, ist Karas überzeugt.

Außerdem müsse man für bessere Leistbarkeit und mehr Flexibilität bei den Unterstützungsangeboten für die Pflege daheim sorgen. „Auch das belegt unsere Umfrage: Die Menschen wollen im eigenen Zuhause alt werden. Und viele Anhgehörige wollen ihren Lieben das jedenfalls ermöglichen – auch wenn sie in der Ferne leben. Dafür müssen Angebote und Selbstbehalte für Unterstützungsangebote zu Hause aber dringend überarbeitet werden. Das gilt für die mobilen Dienste von der Heimhilfe bis zur Hauskrankenpflege genauso wir für die 24-Stunden-Betreuung. Letztere ist gerade für Angehörige, die weiter entfernt leben, oft die einzige Chance, einem älteren Familienmitglied einen Lebensabend in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Aber die Förderung dümpelt auf kläglichem Niveau dahin und nimmt sich im Vergleich zum Beitrag, den die öffentlichen Hände für Pflegeheimplätze leisten, äußerst bescheiden aus“, kritisiert Karas.

Psychische Belastung für Angehörige in der Ferne erheblich

Angelika Kuhn, fachliche Leitung des Fachreferats Pflege und Pflegepolitik im Hilfswerk Österreich, erzählt aus der Praxis: „Die psychische Belastung von Angehörigen, die in weiterer Entfernung zu ihren pflegebedürftigen Verwandten leben, ist hoch. Das zeigen auch Studien. Da gibt es viele Ängste und Sorgen, aber auch Unzufriedenheit und schlechtes Gewissen. Ernsthafte Entlastung kann nur durch maßgeschneiderte Pflege- und Betreuungsangebote am Wohnort der pflegebedürftigen Familienmitglieder geschaffen werden.“

Die Hilfswerk-Expertin verweist auch auf eine Analyse der deutschen Stiftung ZQP zu Pflege auf räumliche Distanz: 75 Prozent der Angehörigen auf Distanz belastet es, in Notsituationen nicht rasch helfen zu können. 41 Prozent der im Rahmen der Studie Befragten gibt an, mit der eigenen Rolle im Pflegekontext eher oder sehr unzufrieden zu sein. Ab einer Entfernung von zwei Stunden oder mehr zur pflegebedürftigen Person erhöht sich dieser Anteil auf 61 Prozent der Befragten.

Trotz der räumlichen Distanzen seien aber die meisten Angehörigen in den Pflegeprozess eingebunden – beispielsweise durch regelmäßige persönliche Besuche, durch emotionale Unterstützung via Telefon und Internet, durch Informationsaustausch mit Pflegediensten oder mit der 24- Stunden-Betreuung vor Ort.

Vertrauensperson vor Ort, Medikamentenversorgung, Notfallplan

Um die Versorgung des betroffenen Angehörigen zu gewährleisten, braucht es Beratung und Unterstützung durch professionelle Pflegedienste. Hilfreich ist zudem eine Vertrauensperson vor Ort hilfreich, etwa eine Nachbarin, ein Verwandter oder der mobile Pflegedienst selbst. „Diese können ein realistisches Bild der Lage vermitteln. Denn wer nur alle paar Wochen zu Besuch kommt, sieht meist eine Momentaufnahme“, sagt Hilfswerk-Expertin Kuhn. Auch die Medikamentenversorgung des pflegebedürftigen Familienmitglieds ist zu organisieren: Wer sorgt rechtzeitig für Rezepte und die korrekte Einnahme der Medikamente? Neben mobilen Pflege- und Betreuungsdiensten können hier auch digitale Hilfsmittel wie Video-Telefonate, ein Notrufsystem oder ein gemeinsamer Kalender helfen, informiert zu bleiben.

Eine wichtige und sehr oft unterschätzte Maßnahme ist die Erstellung eines schriftlichen Notfallplanes. „Eine einzelne Nachbarin, die im Notfall einspringt, ist kein tragfähiges Konzept“, meint Kuhn. Ein guter Notfallplan sollte jedenfalls Antworten auf folgende Fragen bereithalten: Gibt es spezielle Vertrauenspersonen vor Ort? Wer ist im Notfall in erster Linie zu verständigen? Wer in zweiter und dritter Linie? Welche Informationen zu Krankheiten, Medikamenten und Arztkontakten sollten griffbereit sein und wo? Auch rechtliche und finanzielle Fragen gilt es rechtzeitig zu klären, idealerweise gemeinsam mit der pflegebedürftigen Person: Gibt es eine Vorsorgevollmacht? Was ist von dieser Vollmacht umfasst? Wie ist die finanzielle Gebarung geregelt? Gibt es eine Patientenverfügung? Wo sind vorhandene Vollmachten aufzufinden?

Pflegende und sorgende Angehörige sollten aber auch ihre eigenen Bedürfnisse achten und ihre Belastungsgrenzen erkennen. Wie viel ist neben Beruf und Familie leistbar? Ab wann ist professionelle Unterstützung notwendig? Angelika Kuhn rät Angehörigen, die in räumlicher Distanz zur pflegebedürftigen Person leben: „Planen Sie Ihre Besuchstermine bewusst, statt spontan zu improvisieren. Das entlastet ebenso wie klare Absprachen mit beispielsweise Geschwistern, anderen Verwandten und dem Freundeskreis, wer wann Besuche und Aufgaben übernehmen kann.“

Über das Hilfswerk Österreich

Das Hilfswerk Österreich ist mit seinen Landes- und Teilverbänden einer der größten gemeinnützigen Anbieter gesundheitlicher, sozialer und familiärer Dienste in Österreich. Als Arbeitgeber von rund 7.000 Pflegefachkräften und Betreuungskräften pflegt und betreut das Hilfswerk laufend mehr als 31.000 ältere und chronisch kranke Menschen. Damit ist das Hilfswerk in Österreich die Nr. 1 in der Pflege zu Hause. Zudem ist das Hilfswerk als Träger stationärer Einrichtungen für zwanzig Seniorenpensionen/-heime, 21 geriatrische Tages(struktur)zentren sowie 82 Einrichtungen des Betreuten Wohnens zuständig.

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