• 10.09.2026, 12:31:02
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Waljagd auf den Färöer-Inseln: VGT spricht mit Walfänger

Heuer wurden schon über 800 Grindwale auf den Färöer-Inseln massakriert – die zu Dänemark gehörende Inselgruppe beruft sich auf Tradition

Wien (OTS) - 

In Tierschutzkreisen sind die 18 Färöer-Inseln im Nordatlantik mit einer Fläche 3x so groß wie Wien und 54.000 Einwohner:innen berühmt-berüchtigt: sie führen nämlich immer noch Massaker an Grindwalen durch, obwohl ihre eigene Gesundheitsbehörde bereits 2008 öffentlich gemacht hat, dass das Walfleisch derart mit Quecksilber verseucht ist, dass es nicht mehr gegessen werden darf. Der VGT war dort und hat mit einem der Walfänger gesprochen.

Der Walfang auf den Färöern wird nicht kommerziell betrieben, sondern ist eine Art Volkssport. Es gibt keine Walfangboote, mit denen man aufs Meer fahren könnte, und es geht auch nicht um die großen Bart- oder Zahnwale, sondern um den kleineren Grindwal, der von der Internationalen Walfangkommission nicht berücksichtigt wird. Der Grindwal lebt in Großfamilien und sozialen Verbänden von bis zu 1000 Tieren, die ab und zu an den Färöern vorbei schwimmen. Werden sie zufällig gesichtet, dann wird der Walfang ausgerufen. Über soziale Medien informiert, fahren rasch zahlreiche Kleinboote zu den Walen hinaus und treiben sie in eine der 25 registrierten Buchten, die in einer Sandbank enden. Dort warten schon die Jäger und Jägerinnen, die zu den Walen ins Flachwasser laufen und sie so weit ans Land ziehen, dass sie stranden. Dann werden die Wale mit einer eigenen Lanze, deren Schneide einen halben Meter lang ist, eine handbreit hinter dem Blasloch ins Rückenmark gestochen, sodass sie gelähmt sind. Anschließend schneidet man ihnen mit einem speziellen, sehr langen Messer die Schlagadern auf und die Tiere verbluten. Getötet werden immer die gesamten Großfamilien, kein Tier darf entkommen. Am 27. Mai 2026 waren das 700 Grindwale, die so ihr Leben lassen mussten. Das Wasser der Bucht färbt sich dabei rot und ganze Familien mit Kindern beteiligen sich in Volksfeststimmung.

Der Grindwal ist nach dem Orca der zweitgrößte Delfin. Er wird bis 3 Tonnen schwer und 8 m lang. Er hat messerscharfe, etwa 4 cm lange Zähne. Sein Gehirn ist 2x so groß wie das des Menschen und er ist kulturfähig. Sowohl die Migrationsrouten, als auch die Gesänge und das Jagdverhalten werden in den Großfamilien tradiert. Diese Kultur stirbt mit dem Massaker auf den Färöern, bei dem ja die gesamten Großfamilien getötet werden, für immer aus. Die Waljagd auf den Färöern ist seit 1584 schriftlich dokumentiert und soll noch weiter zurückreichen. Früher hat sie der Ernährung der Bevölkerung gedient, die auf den kargen Inseln sonst nicht überleben könnte. Heute ist sie nur noch Volkssport und nationalistische Tradition, die hartnäckig gegen Tierschutzkritik von außen verteidigt wird.

VGT-Obperson DDr. Martin Balluch hat selbst vor Ort mit einem Walfänger gesprochen: „Seit einigen Jahren, so hat mir mein Gesprächspartner erklärt, habe man den Walfang humaner gemacht. Früher wurde den Walen ein spitzer Haken in den Körper geschlagen, mit dem ihn dann 7-8 Männer ins seichte Wasser gezogen haben. Heute darf nur noch ein Rundhaken, der mir stolz gezeigt wurde, benutzt werden, den man ins Blasloch steckt und an dem man die Tiere raus zieht. Zweitens verwendet man eine standardisierte Lanze zur Betäubung, die mir ebenfalls gezeigt wurde. Sie steckt in einer Scheide und wird mit einem Griff raus geschoben. Die Schneide der Lanze ist gut 50 cm lang, 5 cm dick und in beide Richtungen scharf. Mit ihr soll das Rückenmark durchtrennt werden. Für die Anwendung dieser Lanze gibt es eigene Kurse auf den Färöern für die Jugend, die man besucht haben sollte, bevor man sie das erste Mal benutzt. Das Messer, mit dem die Schlagadern durchtrennt werden, ist unverändert das traditionelle geblieben. Alle diese Geräte und die vier Phasen der Jagd haben eigene Bezeichnungen, was den Aspekt der Tradition unterstreicht. Die Menschen auf den Färöern haben diese Geräte zu Hause und wenn die Waljagd ausgerufen wird, fahren sie damit zum angepeilten Strand und töten dort die Wale. Auf meine Frage, warum diese so großen Tiere die Waljäger:innen nicht attackieren, war mein Gesprächspartner selbst verblüfft. Er danke Gott dafür. Welches 8 m lange und 3 Tonnen schwere Tiere mit einem Mund gespickt mit 4 cm langen, messerscharfen Zähnen, lässt sich von einem kleinen Menschlein an Land ziehen und stechen? Der Grindwal. Leider. Er hatte nie in der Evolution Feinde und ist einfach zu friedlich, um sich zu wehren. Erschütternd, dass der Mensch diese so tiefgehende Friedfertigkeit ausnutzt, um derart grausam ganze Familienverbände zu massakrieren. Und das nur aus Tradition!“

Rückfragen & Kontakt

VGT - VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN
DDr. Martin Balluch
Telefon: +43(1) 929 14 98
E-Mail: [email protected]
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