- 10.09.2026, 08:15:03
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RSV: Klinikeinweisung von Säuglingen oft vermeidbar
Neue Studiendaten unterstreichen die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen

Seit knapp zwei Jahren kann sich eine werdende Mutter im letzten Schwangerschaftsdrittel eine Impfung gegen RSV* verabreichen lassen. Das Besondere daran: Die Impfung gilt nicht ihr, sondern ihrem ungeborenen Kind. Studiendaten belegen, dass das Baby auf diese Art und Weise bereits mit Antikörpern gegen RSV auf die Welt kommt. Dieser Schutz bleibt über sechs Monate aufrecht, also genau in jener Phase, in der der Säugling am anfälligsten ist. Internationale Daten zeigen, dass seit Einführung der mütterlichen Impfung beziehungsweise eines schützenden passiven Antikörpers für das Baby die Krankenhauseinweisungen aufgrund von RSV stark zurückgegangen sind.
Viele betroffene Säuglinge
RSV-Infektionen gelten als häufigster Verursacher schwerer Atemwegserkrankungen bei Kleinkindern und Säuglingen. Bereits im ersten Lebensjahr stecken sich etwa 60 bis 70 % der Kinder mit RSV an. Spätestens bis zum zweiten Geburtstag haben fast alle Kinder mindestens eine RSV-Infektion hinter sich. Und das, obwohl die RSV-Saison nur etwa von November bis April dauert. In der Saison 2023/24, also vor Einführung der aktiven und passiven Schutzmöglichkeiten für alle Säuglinge, wurden in Österreich mehr als 3.000 Kinder unter vier Jahren aufgrund einer RSV-Infektion hospitalisiert.
Unvollständig entwickeltes Immunsystem begünstigt schweren Verlauf
Zu Beginn ähnelt eine RSV-Infektion meist noch einer gewöhnlichen Erkältung mit Schnupfen, Husten und gelegentlichem Fieber. In den ersten Lebensmonaten sind die Atemwege allerdings noch sehr eng und das Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt. Bei Säuglingen kann sich das Virus daher schnell auf die unteren Atemwege ausbreiten und eine Lungenentzündung beziehungsweise eine Entzündung der fein verzweigten Atemwege der Lunge (Bronchiolen) auslösen. Dadurch wird die Atmung erschwert, was eine stationäre Behandlung erforderlich machen kann. Als Warnzeichen für einen schweren Verlauf gelten eine beschleunigte oder angestrengte Atmung, Einziehungen am Brustkorb und Trinkschwäche.
Schutzmöglichkeiten seit zwei Jahren verfügbar
Seit Herbst 2024 kann sich eine werdende Mutter zugunsten ihres ungeborenen Kindes impfen lassen. „Wir freuen uns sehr, dass wir diese Möglichkeit endlich zur Verfügung haben und wir sie den Frauen anbieten können“, betont Priv.-Doz. DDr. Philipp Fößleitner, BSc von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien, der sich auch im Rahmen der ESIDOG (Europäische Gesellschaft für Infektionen in Geburtshilfe und Gynäkologie) für die Bekämpfung von Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe engagiert. Empfohlen wird diese Schutzmaßnahme dann, wenn der Geburtstermin zwischen Oktober und März liegt. Erste Real-World-Daten beweisen jetzt, was Expert:innen bereits in den Zulassungsstudien feststellen konnten: Die Krankenhausaufenthalte bei Kindern geimpfter Mütter gingen stark zurück. In einer Studie aus den USA zeigte sich beispielsweise eine Wirksamkeit der mütterlichen Impfung von knapp 70 % gegen RSV-assoziierte Krankenhausaufenthalte beziehungsweise Krankenhausaufenthalte aufgrund einer akuten Atemwegsinfektion bei Säuglingen im Alter zwischen 0 und 90 Tagen.
Wirkung ab dem ersten Atemzug
„Der große Nutzen dieser Impfung liegt darin, dass sie bereits ab dem ersten Atemzug wirkt“, erläutert Fößleitner. „Das ist deshalb wichtig, weil es oft Geschwisterkinder gibt, die den Erreger aus der Schule oder dem Kindergarten mit nach Hause bringen. Manchmal können auch Großeltern oder andere Bezugspersonen das Virus einschleppen und so das Neugeborene unbeabsichtigt anstecken.“
Einfaches Wirkprinzip
Das Prinzip hinter der maternalen RSV-Impfung funktioniert folgendermaßen: Zwischen der 32. und 36. Schwangerschaftswoche wird der Mutter in spe eine einzige Impfung verabreicht, die in der Folge ihr Immunsystem zur Bildung von Antikörpern gegen das RSV-Virus anregt. „Diese Antikörper werden über die Plazenta an das ungeborene Kind weitergegeben, sodass es von Anfang an geschützt ist“, erklärt der Gynäkologe.
Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass auch die Muttermilch immunologisch aktive Bestandteile wie RSV-spezifische Antikörper enthält. Damit kann die mütterliche Immunabwehr selbst nach der Geburt zur Abwehr von Krankheitserregern beitragen.
Neben und in bestimmten Fällen zusätzlich zur Möglichkeit der maternalen Impfung kann der Säugling durch die Verabreichung eines monoklonalen Antikörpers auch direkt geschützt werden. Dieser ist im Rahmen des Kinderimpfkonzeptes kostenlos verfügbar. Wird das Baby während der RSV-Saison geboren, wird diese passive Immunisierung dem Neugeborenen ehestmöglich innerhalb der ersten Lebenswoche einmalig in den Muskel verabreicht. Wenn nicht, erfolgt die Immunisierung vor der nächsten RSV-Saison.5
Impfempfehlungen sind im Österreichischen Impfplan nachzulesen, Impfberatung bieten Ärzt:innen und Apotheker:innen im österreichischen Gesundheitswesen.
*Respiratorisches Synzytial-Virus
- Zentrum für Virologie, MedUni Wien, VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION NR. 23/25.
- AGES, https://www.ages.at/mensch/krankheit/krankheitserreger-von-a-bis-z/rsv, zuletzt abgerufen am 20. August 2026.
- https://www.sari-dashboard.at/, zuletzt abgerufen am 20. August 2026.
- RKI, https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/RSV/FAQ_Liste_RSV.html?nn=16911308#entry_16871664, zuletzt abgerufen am 20. August 2026.
- BMASGPK, Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 vom 10.10.2025.
- Rick AM et al. Maternal Respiratory Syncytial Virus Prefusion F Vaccination and Acute Respiratory Illness in Infants. JAMA Netw Open. 2026 Jun 1;9(6):e2616773.
- Hauan SH et al., Analysing Antibodies Against Respiratory Viruses in Breast Milk: A Pilot Study. Viruses. 2026 May 24;18(6):593. doi: 10.3390/v18060593. PMID: 42357604; PMCID: PMC13307729.
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