• 09.09.2026, 13:40:32
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  • OTS0131

Bedarfsdeckung: Bauer aus demografischen Gründen für Zivildienst-Verlängerung

Debatte im Familienausschuss über Zivildienstbericht für die Jahre 2023 bis 2025

Wien (PK) - 

Während der Bedarf an Zivildienern weiter steigt, geht die Zahl aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge zurück, ist dem Zivildienstbericht über die Jahre 2023 bis 2025 zu entnehmen (III-326 d.B.). Im Jahr 2025 lag die Anzahl der Zivildienstleistenden bei 14.884. Die Aufteilung zwischen Grundwehr- und Zivildienst hat sich Bundesministerin Claudia Bauer zufolge mittlerweile in Richtung 50:50 entwickelt. Der Zivildienst habe sich in seinen 50 Jahren seit den Anfängen 1975 zu einer tragenden Säule im Sozialsystem ausgebildet. Positiv reüssiert der Bericht über die Schaffung von mehr Flexibilität, die Möglichkeit, den Dienst zu teilen sowie die Einführung des "Papamonats" im Berichtszeitraum. Der Familienausschuss des Nationalrats nahm die Vorlage heute zum Anlass für eine Debatte mit Ministerin Bauer und dem Leiter der Zivildienstserviceagentur, Ferdinand Mayer. Der Bericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen.

Bedarf an Zivildienern zu knapp 90 % gedeckt

Als Bedarf an Zivildienenden seien im Jahr 2025 16.591 Plätze gemeldet worden, so der Bericht. Somit konnten 89,7 % der Stellen belegt werden, ähnlich wie in den Jahren zuvor. Angesichts der geburtenschwachen Jahrgänge ist im Bericht die Rede von einem "guten Wert". Laut Ministerin Bauer stehe der Zivildienst allerdings vor Herausforderungen. Eine alternde Gesellschaft und steigende Anforderungen würden auf weniger verfügbare Zivildiener treffen. Die Bedarfsdeckung sei im Laufe eines Jahres außerdem ausbildungsbedingt unterschiedlich hoch. Während im Frühling teilweise zu wenige Zivildienstleistende zur Verfügung stehen, gibt es ab Sommer (also nach Schulabschluss) österreichweit meist ausreichend Personen. Zur Bedarfsdeckung mit Zivildienenden würden auch Maßnahmen wie etwa eine Bevorzugung bestimmter Sparten, wie beispielsweise des Rettungswesens, gesetzt, so Ministerin Bauer.

Zum Thema der geplanten Wehrdienstreform erörterte Bauer, dass die Bundesregierung eine Wehrdienstkommission ins Leben gerufen habe. Aus den von der Kommission empfohlenen Modellen sei in der Koalition ein Kompromiss erzielt und im Sommerministerrat ein Vorschlag verabschiedet worden. Sie persönlich wäre dafür eingetreten, aufgrund des hohen Bedarfs gleich auch den Zivildienst mit dem Grundwehrdienst mitzuverlängern, so Bauer. Gegenüber Harald Thau (FPÖ) hielt die Ministerin fest, dass es eine Verlängerung des Zivildiensts aus demografischen Gründen brauche, um den Bedarf in den Einrichtungen in Österreich zu decken. Die nunmehr vorgeschlagene automatische Verlängerung sei eine Lösung, mit der sie gut leben könne. Für diese verlängerte Zivildienstzeit sei ihr aber wichtig, auch mehr Ausbildungsmöglichkeiten für die Zivildienenden zu öffnen.

Im ersten Halbjahr 2026 seien bisher um 8 % mehr Zivildiensterklärungen abgegeben worden als im Vorjahreszeitraum, führte Bauer etwa auf Fragen von Lukas Brandweiner (ÖVP) aus. Dies sei aber eine Momentaufnahme, für das zweite Halbjahr gebe es noch keine Zahlen. Der August 2026 sei mit einem Anstieg der Zivildiensterklärungen von 45 % herausgestochen, so Bauer auf Fragen von Thau. Es gebe dazu noch keine Motivforschung, könne aber etwa mit der medialen Debatte zur geplanten Wehrdienstreform zu tun haben. Langfristig werde wieder ein gutes Gleichgewicht zwischen Grundwehr- und Zivildienst geschaffen werden, zeigte sich Bauer etwa gegenüber Johannes Gasser (NEOS) überzeugt.

Die Bedarfsdeckung habe in den letzten Jahren durch geburtenschwache Jahrgänge fast immer unter 90 % betragen, so der Leiter der Zivildienstserviceagentur, Ferdinand Mayer. Man habe versucht, dem unter anderem finanziell entgegenzusteuern, aber auch die Teiltauglichkeit sei dazugekommen. Diese Teiltauglichkeit stelle zwar kein Allheilmittel dar, dadurch sei aber die Bedarfsdeckung bisher um 1 % bis 1,5 % erhöht worden. Außerdem habe man Maßnahmen gesetzt, den Bedarf zu drosseln, indem etwa nur bestimmte Einrichtungen anerkannt würden. In den Zahlen in den Bundesländern sieht Mayer tendenziell ein Ost-West-Gefälle in der Bedarfsdeckung. 80 % der Zivildiener seien außerdem Maturanten, daher würden sich von August bis Jänner ausreichend Zivildienstleistende finden, während ab Februar die "Saure-Gurken-Zeit" beginne. Darüber hinaus gebe es beliebtere Tätigkeitsgebiete wie etwa das Rettungswesen und andere, wo es nicht so gut laufe, wie beispielsweise die Altenbetreuung. Was die Auszahlungen für den Zivildienst betrifft, handle es sich um Beihilfen, die im Vorhinein geleistet würden, erörterte Mayer auf Fragen von Bernhard Herzog (SPÖ) zu etwaig zu Unrecht empfangenen Bezügen. Bei Entlassungen und aliquoten Rückzahlungen sei nach den Gründen der Entlassung zu differenzieren.

Zum Thema sogenannter "Zivibomber", also betreffend Einsätze, bei denen etwa ein Rettungswagen nur durch Zivildienstleistende besetzt ist, verwies Mayer gegenüber Ralph Schallmeiner (Grüne) darauf, dass die Länder für die Einhaltung diesbezüglicher Regelungen zuständig seien.

Größtes Einsatzgebiet Rettungswesen

Die meisten Zivildiensterklärungen wurden laut Bericht in Oberösterreich (21 %), Niederösterreich (20 %), Wien (18 %) und in der Steiermark (13 %) abgegeben. Das größte Einsatzgebiet beim Zivildienst ist das Rettungswesen. 2025 wurden rund 39 % diesem Bereich zugewiesen, 27 % der Sozial- und Behindertenhilfe, 12 % zu Einrichtungen für die Betreuung von Älteren und 9 % zu Krankenanstalten. Weitere Einsatzbereiche sind etwa Katastrophenhilfe, Zivilschutz, Kinderbetreuung, die Betreuung von Vertriebenen, Asylwerbenden und Menschen in Schubhaft sowie Sozialhilfe in der Landwirtschaft, öffentliche Sicherheit im Straßenverkehr, Jugendarbeit, Umweltschutz sowie Gedenkstätten.

Aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge wurden laut Bericht die Kriterien für die Anerkennung neuer Zivildiensteinrichtungen und Plätze überarbeitet. Seit der Mitte 2024 in Kraft getretenen Zivildienstnovelle gilt, dass bei der Genehmigung neuer Einrichtungen auch die Bedarfsdeckung im Bundesland und Nachbarbundesländern ausschlaggebend ist.

Der Zivildienst sei ein wichtiger Türöffner für das Ehrenamt, heißt es außerdem im Bericht. Rund 30 % der jungen Männer würden sich nach dem Zivildienst als Ehrenamtliche engagieren und etwa 9 % als Hauptamtliche in ihrer Organisation weiterarbeiten. (Fortsetzung Familienausschuss) mbu


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