• 08.09.2026, 15:13:06
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SOS-Kinderdorf: Kinderschutz braucht österreichweit verbindliche Standards

Unterschiedliche Rahmenbedingungen erschweren hochwertige Kinder- und Jugendhilfe

Wien (OTS) - 

SOS-Kinderdorf plädiert beim Runden Tisch im Bundeskanzleramt für gemeinsame Qualitätsstandards, gesicherte Finanzierung und bessere Datengrundlagen

Guter Kinderschutz darf nicht davon abhängen, in welchem Bundesland ein Kind lebt. Beim heutigen Runden Tisch zur „Harmonisierung von Standards in der Kinder- und Jugendhilfe“ im Bundeskanzleramt bringt SOS-Kinderdorf gemeinsam mit Vertreter:innen der Bundesländer, Kinder- und Jugendanwaltschaften sowie Fachorganisationen die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe auf die Agenda. Im Zentrum steht die Frage, wie österreichweit vergleichbare, verbindliche und an Kinderrechten ausgerichtete Qualitätsstandards geschaffen und finanziert werden können.

Wenn wir über Standards, Betreuungsschlüssel oder Finanzierung sprechen, klingt das zunächst technisch. Tatsächlich sprechen wir darüber, welche Bedingungen Kinder vorfinden, wie gut sie geschützt werden und welche Unterstützung sie für ihre Entwicklung bekommen. Jedes Kind muss darauf vertrauen können, bestmöglich unterstützt zu werden – unabhängig davon, wo es in Österreich lebt“, betont Katrin Grabner, Leitung Qualitätsmanagement von SOS Kinderdorf.

Unterschiedliche Standards haben konkrete Folgen für Kinder

Derzeit unterscheiden sich die Rahmenbedingungen der Kinder- und Jugendhilfe zwischen den Bundesländern. Harmonisierungsbedarf besteht unter anderem bei Präventions- und Elternarbeit, Ausbildungsvorgaben, dem Umgang mit Gefährdungsmeldungen, Gruppengrößen und Personalschlüsseln in stationären Einrichtungen, der Unterstützung von Care Leavern und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen sowie bei den Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen.

Diese Heterogenität erschwert eine österreichweit vergleichbare, qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit. Für bundesweit tätige Träger wie SOS-Kinderdorf bedeutet sie zudem, dass eigene Qualitätsansprüche mit unterschiedlichen Vorgaben und Finanzierungsbedingungen der Länder in Einklang gebracht werden müssen.

Der Bericht der unabhängigen Reformkommission, die von SOS-Kinderdorf eingesetzt wurde, kommt ebenfalls zu einem klaren Schluss: Es braucht eine bundesweit einheitliche und an den Kinderrechten ausgerichtete Ausgestaltung der Kinder- und Jugendhilfe, die wohnort- und herkunftsabhängige Ungleichbehandlung ausschließt. Dazu gehören verbindliche und ausreichend finanzierte Qualitätsstandards.

Qualität muss auch öffentlich finanziert werden

Für SOS-Kinderdorf müssen gemeinsame Qualitätsstandards deshalb untrennbar mit der Frage ihrer Finanzierung verbunden werden. Wer hohe Standards für Betreuung, Beteiligung und Schutz von Kindern und Jugendlichen festlegt, muss auch die Voraussetzungen schaffen, damit diese umgesetzt werden können.

Qualität in der Kinder- und Jugendhilfe ist eine öffentliche Verantwortung. Notwendige Qualitätsstandards dürfen nicht davon abhängen, ob private Spenden Finanzierungslücken schließen können. Wenn wir uns darauf verständigen, was Kinder für ihren Schutz und ihre bestmögliche Entwicklung brauchen, müssen dafür auch die notwendigen öffentlichen Mittel bereitgestellt werden“, so Grabner.

Ohne gute Daten keine fundierte Weiterentwicklung

Handlungsbedarf sieht SOS-Kinderdorf auch bei der wissenschaftlichen Begleitung und der Datengrundlage zur Kinder- und Jugendhilfe. Unterschiedliche Systeme und Begrifflichkeiten erschweren derzeit bundesweite Vergleiche. Die bestehende Bundes-Kinder- und Jugendhilfestatistik liefert aus Sicht von SOS-Kinderdorf keine ausreichende Grundlage, um Qualität und Wirkung der Kinder- und Jugendhilfe umfassend analysieren und daraus Weiterentwicklungen ableiten zu können.

SOS-Kinderdorf spricht sich deshalb für eine Weiterentwicklung der Statistik aus, die neben quantitativen Daten auch qualitative Analysen und fundierte Empfehlungen ermöglicht. Auch ein unabhängiges, österreichweites Kinderrechte-Monitoring könnte eine wichtige Grundlage schaffen, um Entwicklungen sichtbar zu machen und Verbesserungsbedarf frühzeitig zu erkennen.

SOS-Kinderdorf bringt langjährige Erfahrung und Erkenntnisse aus der eigenen Weiterentwicklung ein

Als einer der größten Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Österreich bringt SOS-Kinderdorf seine langjährige praktische Erfahrung ebenso in diesen Prozess ein wie die Erkenntnisse aus der umfassenden Aufarbeitung und Weiterentwicklung der eigenen Strukturen und Standards. Auch Empfehlungen der Reformkommission fließen dabei ein.

Diese Erfahrungen sollen auch für das Gesamtsystem nutzbar gemacht werden. Gleichzeitig ist klar: Kein Träger kann die strukturellen Herausforderungen der Kinder- und Jugendhilfe allein lösen.

Wir sind bereit, unsere Erfahrungen und Erkenntnisse offen zu teilen und Verantwortung für Weiterentwicklung zu übernehmen. Aber einheitliche Qualität kann nur gemeinsam entstehen. Dafür brauchen wir alle Entscheidungsträgerinnen und Akteurinnen an einem Tisch – Bund, Länder, Behörden, Kinder- und Jugendanwaltschaften, Fachorganisationen und Träger“, so Grabner abschließend.

Runder Tisch zur Harmonisierung von Standards in der Kinder- und Jugendhilfe

Bundesministerin Claudia Bauer hat - gemäß des aktuellen Regierungsprogramms – heute Vertreter:innen der Bundesländer, sowie Expert:innen der Zivilgesellschaft zu einem Runden Tisch ins Bundeskanzleramt geladen. Dabei wurde SOS-Kinderdorf im Vorfeld ersucht, seine inhaltliche und sozialpädagogische Expertise einzubringen. SOS-Kinderdorf wurde beim Runden Tisch von den Aufsichtsratsmitgliedern Univ.-Prof. Dr.in Brigitte Lueger-Schuster und Maria Wienerroither, MBA sowie von MMag.a Katrin Grabner, Leitung Qualitätsmanagement, vertreten.

Rückfragen & Kontakt

Bettina Klinger I Externe Kommunikation

SOS-Kinderdorf
Vivenotgasse 3
1120 Wien
Mobil +43 (0) 699 18814 850

[email protected]

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