- 08.09.2026, 13:33:32
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WKÖ-Schultz: „Ohne starken Export gibt es keinen nachhaltigen Aufschwung“
WKÖ-Wirtschaftsbarometer zeigt gedämpfte Erwartungen der Exportwirtschaft. Neue Märkte und bessere Wettbewerbsbedingungen entscheidend für Wachstum
Österreichs Exportwirtschaft hält sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf den internationalen Märkten. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Warenausfuhren um 5,4 Prozent bzw. 5,2 Milliarden Euro. Das Plus ist erfreulich, angesichts der Preisentwicklung bleibt die Dynamik aber verhalten. Gleichzeitig sorgen geopolitische Konflikte, Handelshemmnisse und zunehmender internationaler Wettbewerb für ein herausforderndes Umfeld.
Die Unsicherheit spiegelt sich auch in einer Sonderauswertung des aktuellen WKÖ-Wirtschaftsbarometers für die Exportwirtschaft wider. Mehr als jedes zweite Exportunternehmen (54 Prozent) rechnet mit einer Verschlechterung des Wirtschaftsklimas, 13 Prozent erwarten eine Verbesserung.
„Der Export ist einer der wichtigsten Motoren für Wachstum, Beschäftigung und unseren Wohlstand. Gerade wenn die Binnenkonjunktur nur langsam in Schwung kommt, brauchen wir starke Exporteure, die international erfolgreich sind und neue Aufträge nach Österreich holen. Unsere Betriebe behaupten sich auch unter schwierigen Bedingungen. Es muss alles getan werden, um ihnen den Rücken freizuhalten, damit aus Exporterfolgen wieder mehr Investitionen und Wachstum entstehen können“, sagt WKÖ-Präsidentin Martha Schultz.
Europa stützt Ausfuhren – US-Zölle, „China-Schock 2.0“ und Nahost-Konflikt belasten Exportwirtschaft
Die Entwicklung auf den einzelnen Märkten fällt sehr unterschiedlich aus. Wichtige Impulse kommen aus Europa: Die Exporte nach Deutschland legten um 5,9 Prozent bzw. mehr als 1,6 Milliarden Euro zu. In die Schweiz stiegen die Ausfuhren um 12,2 Prozent bzw. mehr als 590 Millionen Euro, nach Italien um 10,0 Prozent bzw. knapp 640 Millionen Euro.
Auf wichtigen Überseemärkten zeigt sich ein anderes Bild: Die Exporte in die USA gingen um 4,0 Prozent bzw. rund 270 Millionen Euro zurück, jene nach China um 6,7 Prozent bzw. rund 170 Millionen Euro. Der „China-Schock 2.0“ erhöht den Wettbewerbsdruck auf Österreichs Exportwirtschaft: China fragt weniger Produkte aus hochentwickelten Volkswirtschaften nach und tritt zugleich auf den Weltmärkten immer stärker als direkter Konkurrent auf. Staatlich gestützte Überkapazitäten erhöhen den Preisdruck zusätzlich. Auch der Iran-Krieg schlägt sich im Außenhandel nieder. Die österreichischen Warenausfuhren gingen in einige Länder des Nahen Ostens zurück, etwa nach Saudi-Arabien. Besonders deutlich war der Rückgang in die Vereinigten Arabischen Emirate mit 31,8 Prozent bzw. rund 130 Millionen Euro.
Wirtschaftsbarometer der Exportwirtschaft: Zurückhaltung bei Investitionen
Die Unsicherheit zeigt sich vor allem bei längerfristigen Entscheidungen. Zwar bleiben die Erwartungen der Exportbetriebe bei Umsatz und Auftragslage positiv, bei den Investitionen überwiegt jedoch die Zurückhaltung: Nur 14 Prozent planen zusätzliche Investitionen im kommenden Halbjahr, rund 45 Prozent wollen ihr Investitionsvolumen reduzieren. Mit einem Erwartungssaldo von minus 31 ist die Investitionszurückhaltung bei Exportbetrieben deutlich stärker ausgeprägt als in der Gesamtwirtschaft (minus 12). Zwei Drittel der Exporteure (67 Prozent) wollen ihren Personalstand stabil halten. 20 Prozent rechnen mit Beschäftigungsabbau, während 13 Prozent einen Zuwachs erwarten.
Für die WKÖ gewinnt daher die Erschließung zusätzlicher Absatzmärkte weiter an Bedeutung. Großes Potenzial bieten insbesondere Märkte, mit denen die EU in den vergangenen Monaten Abkommen abschließen oder bereits vorzeitig anwenden konnte, wie Indien, die Mercosur-Staaten oder Australien.
„Wenn traditionelle Absatzmärkte schwieriger werden, müssen wir neue Wachstumschancen erschließen. Indien, Südamerika oder Australien bieten enormes Potenzial. Jeder zusätzliche Markt, den unsere Unternehmen erfolgreich erschließen, stärkt den Standort und bringt zusätzliche Wertschöpfung nach Österreich. Deshalb brauchen wir mehr und raschere Handelsabkommen und einen möglichst einfachen Zugang zu neuen Märkten“, so Schultz. Weitere Impulse in der Westbalkanregion erwartet die WKÖ auch als Folge der EXPO, die nächstes Jahr in Belgrad stattfinden wird.
AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA unterstützte mehr als 8.500 Exportbetriebe im ersten Halbjahr
Das fordernde internationale Umfeld erhöht auch den Informations- und Beratungsbedarf der Unternehmen. Im ersten Halbjahr 2026 führte die WKÖ-Exportagentur AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA rund 33.000 persönliche Beratungsgespräche mit heimischen Unternehmen.
Hinzu kamen knapp 70 Auslandsreisen mit rund 650 teilnehmenden Unternehmen sowie etwa 65 internationale Messeauftritte mit mehr als 600 heimischen Betrieben. Mehr als 80 Webinare zu Entwicklungen und Chancen auf internationalen Märkten erreichten rund 2.600 Unternehmen.
„Für Exporteure ist es heute wichtiger denn je, Entwicklungen auf ihren Märkten frühzeitig zu erkennen und richtig einzuschätzen. Mit unseren rund 100 Stützpunkten in mehr als 70 Ländern sind wir nahe an den Märkten und unterstützen die Unternehmen dabei, neue Geschäftschancen zu finden und zu nutzen“, sagt Michael Otter, Leiter der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA. (PWK417/ST)
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Valentin Petritsch, MSC
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