- 07.09.2026, 09:32:32
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Lernhilfe-Monitor 2026: Wenn die Schule nicht reicht
Wie Österreich über Nachhilfe, schulischen Leistungsdruck und die Zukunft des Lernens mit KI denkt
Für tausende Kinder und Jugendliche in Ost-Österreich beginnt am Montag ein neues Schuljahr. Mit dem Unterricht kehren für viele Familien auch die Themen zurück, die den Schulalltag abseits des Klassenzimmers prägen: Hausübungen, Prüfungsvorbereitung, Leistungsdruck und Nachhilfe. Wie stark externe Lernunterstützung inzwischen zum österreichischen Bildungsalltag gehört und wie Österreich über die Zukunft des Lernens – auch mit KI-Unterstützung – denkt, zeigt der Lernhilfe-Monitor des Digital Research Instituts Marketagent.
Fact Box:
- Nachhilfe ist für jede dritte Familie Realität: 33% der Eltern mit Schulkindern berichten, dass zumindest eines ihrer Kinder in den vergangenen 12 Monaten Nachhilfe erhalten hat.
- Mathematik ist das mit Abstand wichtigste Nachhilfefach (47%), gefolgt von Englisch (34%) und Deutsch (32%).
- Die wichtigsten Gründe für Nachhilfe sind die Vorbereitung auf Schularbeiten/ Prüfungen (27%) und die Verbesserung des Notenschnitts (27%).
- Kostenfaktor Nachhilfe: 86% der betroffenen Eltern bezahlen zumindest einen Teil der Lernunterstützung, rund die Hälfte (49%) komplett. Zwei Drittel (66%) empfinden die Kosten als (eher) starke Belastung.
- Nachhilfe zeigt Wirkung: Zwei Drittel der Eltern (65%) berichten, dass die Nachhilfe ihrem Kind bzw. ihren Kindern (eher) geholfen hat.
- KI als Lernhilfe: Knapp 4 von 10 Eltern mit Schulkindern stehen KI als Lernhilfe (eher) positiv gegenüber (39%). 26% berichten, dass ihre Kinder bereits KI-Anwendungen zum Lernen verwenden.
- Nachhilfe gilt gesellschaftlich als unverzichtbar: 8 von 10 Österreicher*innen (81%) halten Nachhilfe heute für (eher) wichtig für den Erfolg von Schüler*innen.
- Steigender Bedarf und Shift zu KI: 83% der Österreicher*innen rechnen mit einer Zunahme des Nachhilfebedarfs in den kommenden Jahren. 56% halten es für wahrscheinlich, dass Künstliche Intelligenz klassische Nachhilfe in naher Zukunft teilweise ersetzen wird.
- Handlungsbedarf im Bildungssystem: Kostenlose Förderangebote an Schulen (53%), mehr individuelle Unterstützung in der Schule (47%) und kleinere Klassen (39%) gelten als wichtigste Maßnahmen zur Reduktion des Nachhilfebedarfs.
Nachhilfe ist längst mehr als die Rettung vor dem „Fünfer“
Nachhilfe ist mittlerweile für viele Familien Teil des Schulalltags: Ein Drittel der Eltern mit Schulkindern (33%) berichtet im Marketagent Lernhilfe-Monitor, dass zumindest eines ihrer Kinder in den vergangenen zwölf Monaten Nachhilfe erhalten hat. Mit Abstand am häufigsten wird Unterstützung in Mathematik (47%) benötigt. Dahinter folgen Englisch (34%) und Deutsch (32%). Latein liegt mit 11 Prozent bereits deutlich zurück.
Dabei geht es keineswegs nur darum, ein drohendes „Nicht genügend“ abzuwenden. Am häufigsten dient Nachhilfe der Vorbereitung auf Schularbeiten, Tests oder Prüfungen (27%) und der Verbesserung des Notenschnitts (27%). Jeweils rund ein Fünftel der betroffenen Eltern nennt das Schließen von Wissenslücken (21%) und die Verbesserung schlechter Noten bzw. das Vermeiden eines „Nicht genügend“ (20%) als Grund. Aber auch unzureichende Förderung im regulären Unterricht (20%) ist ein Thema. Nachhilfe wird damit zunehmend zur laufenden Begleitung durch den Schulalltag und nicht erst zum Reparaturinstrument, wenn der schulische Erfolg bereits gefährdet ist.
Lernpause Sommerferien? Für sieben von zehn Familien nur bedingt
Dass Schule und Lernen längst nicht immer mit dem letzten Schultag enden, zeigt ein weiterer Befund des Lernhilfe-Monitors: 71 Prozent der Eltern geben an, dass ihre Kinder auch während der Schulferien lernen oder üben. Rund 12 Prozent tun dies sogar täglich oder mehrmals pro Woche. 43 Prozent lernen zumindest gelegentlich in den Ferien, weitere 16 Prozent starten kurz vor Schulbeginn wieder mit dem Üben. Nur drei von zehn Eltern berichten, dass ihre Kinder während der Ferien gar nicht lernen (30%).
Nachhilfe hat ihren Preis: Zwei Drittel spüren die Belastung
Für die große Mehrheit der betroffenen Familien ist Nachhilfe mit Kosten verbunden: 86 Prozent der Eltern mit Nachhilfeerfahrung haben zumindest einen Teil der Lernunterstützung selbst bezahlt. Rund die Hälfte (49%) finanziert die Nachhilfe vollständig selbst, weitere 36 Prozent nutzen eine Mischung aus bezahlten und kostenlosen Angeboten. Nur 14 Prozent kommen ausschließlich mit kostenlosen Angeboten aus. Diese Ausgaben machen sich im Haushaltsbudget deutlich bemerkbar: Zwei Drittel der zahlenden Eltern (66%) empfinden die Kosten für Nachhilfe als Belastung. Fast jede*r Vierte (24%) spricht sogar von einer sehr starken finanziellen Last.
Das Thema trifft damit einen gesellschaftlichen Nerv. Neun von zehn Österreicher*innen (90%) stimmen der Aussage zu, dass der schulische Erfolg eines Kindes nicht davon abhängen sollte, ob sich dessen Eltern Nachhilfe leisten können. Gleichzeitig sind 85 Prozent der Ansicht, dass sich immer mehr Familien Nachhilfe kaum leisten können.
„Nachhilfe ist für viele Familien längst kein Randthema mehr. Sie wird nicht nur bei akuter Versetzungsgefahr eingesetzt, sondern begleitet Kinder zunehmend durch den ganz normalen Schulalltag. Das ist besonders deshalb bemerkenswert, weil die Unterstützung aus Sicht der Eltern durchaus Wirkung zeigt, gleichzeitig aber für viele eine spürbare finanzielle Belastung darstellt. Damit wird Nachhilfe auch zu einer Frage der Bildungsgerechtigkeit
“, fasst Andrea Berger, Research & Communications bei Marketagent, die Ergebnisse zusammen.
Die gute Nachricht: Nachhilfe wirkt
Denn trotz der finanziellen Belastung fällt die Bilanz der Eltern zur Wirkung überwiegend positiv aus. 65 Prozent jener Eltern, deren Kinder Nachhilfe erhalten haben, sind der Meinung, dass diese sehr oder eher geholfen hat. Ein weiteres Drittel zieht zumindest eine gemischte Bilanz (32%).
Nachhilfe erfüllt aus Sicht vieler Familien also ihren Zweck. Auch in der Gesamtbevölkerung genießt sie einen hohen Stellenwert: Mehr als acht von zehn Österreicher*innen (82%) halten Nachhilfe heute für sehr oder eher wichtig für den schulischen beziehungsweise späteren beruflichen Erfolg. Drei von zehn stufen sie sogar als „sehr wichtig“ ein.
Eltern zwischen Zeitdruck und fachlichen Grenzen
Nachhilfe ist aber nicht nur eine Frage schulischer Defizite. Viele Eltern stoßen bei der Unterstützung ihrer Kinder auch zeitlich und fachlich an Grenzen: 80 Prozent der Österreicher*innen sind der Ansicht, dass berufliche und private Verpflichtungen zu wenig Raum für Lernunterstützung zu Hause lassen. 73 Prozent glauben, dass die schulischen Anforderungen mittlerweile so hoch sind, dass viele Eltern auch fachlich an ihre Grenzen stoßen. Gleichzeitig nehmen 75 Prozent einen steigenden Leistungsdruck auf Kinder und Jugendliche wahr.
Wie stark sich das im Familienalltag niederschlägt, zeigt der Blick auf Haushalte mit Schulkindern: Bei 24 Prozent führen Schule und Lernen regelmäßig zu Stress und Konflikten in der Familie, 21 Prozent berichten von schulischem Druck auf ihr Kind. 23 Prozent der Eltern fühlen sich selbst durch die schulischen Anforderungen ihres Kindes belastet und 18 Prozent haben das Gefühl, bei schulischen Themen nicht ausreichend helfen zu können.
Vom Erklärvideo bis ChatGPT: Lernen wird digitaler
Unterstützung kommt dabei längst nicht mehr ausschließlich von klassischen Nachhilfelehrer*innen. Knapp zwei Drittel der Eltern von Schulkindern berichten, dass ihre Kinder zumindest eine Form digitaler Lernunterstützung nutzen. Am häufigsten kommen YouTube- beziehungsweise Erklärvideos (29%) zum Einsatz. Bereits an zweiter Stelle stehen KI-Anwendungen wie ChatGPT mit 26 Prozent, knapp gefolgt von Lern-Apps wie Duolingo mit 25 Prozent. Klassische Lernplattformen wie Sofatutor werden von 14 Prozent genannt.
Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz überwiegt unter Eltern derzeit vorsichtige Offenheit: 39 Prozent bewerten KI als Lernhilfe positiv, 43 Prozent stehen ihr neutral gegenüber. Nur 18 Prozent äußern sich eher oder sehr negativ.
Und auch mit Blick auf die weitere Entwicklung erwarten viele eine Verschiebung: 56 Prozent der österreichischen Bevölkerung halten es für wahrscheinlich, dass KI-Anwendungen klassische Nachhilfe in den kommenden Jahren zumindest teilweise ersetzen werden.
83 Prozent erwarten weiter steigenden Nachhilfebedarf
Dass sich das Problem durch neue Technologien allein erledigen wird, erwartet die Bevölkerung allerdings offenbar nicht. Im Gegenteil: 83 Prozent der Österreicher*innen glauben, dass der Bedarf an Nachhilfe in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Ein Drittel (33%) rechnet sogar mit einem deutlichen Zuwachs. Nur knapp zwei Prozent gehen von einem sinkenden Bedarf aus.
Die Wünsche an das Bildungssystem sind vor diesem Hintergrund eindeutig: 53 Prozent sprechen sich für kostenlose Förderangebote direkt an den Schulen aus, 47 Prozent für mehr individuelle Förderung während des regulären Schulbetriebs. 39 Prozent sehen kleinere Klassen als wirksamen Hebel. Besonders klar fällt auch das grundsätzliche Urteil über die Verantwortung der Schulen aus: 82 Prozent stimmen zu, dass diese Lernrückstände stärker selbst auffangen sollten.
„Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Spannungsfeld: Eltern erleben Nachhilfe mehrheitlich als wirksame Unterstützung, gleichzeitig wünschen sich die Österreicher*innen aber sehr klar, dass Förderung stärker innerhalb des Schulsystems stattfinden und weniger vom Geldbeutel der Eltern abhängen sollte. Mit KI kommt nun eine weitere Komponente hinzu, die Lernunterstützung verändern und vielleicht auch leichter zugänglich machen kann. Den grundsätzlichen Bedarf an individueller Förderung wird sie aber wohl nicht verschwinden lassen
“, so Thomas Schwabl, Gründer von Geschäftsführer von Marketagent.
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