- 04.09.2026, 13:54:02
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Gold im Gepäck oder Wut im Bauch: EM-erprobte Starter greifen bei WorldSkills an
7 rot-weiß-rote Fachkräfte treten mit Erfahrung an: Elena Mathis und Jonas Danninger sind sogar amtierende Europameister. Ein Duo will in Shanghai den 4. Platz vergessen machen.
Zwei Goldmedaillen, einmal Bronze – und ein paar offene Rechnungen: Wenn von 22. bis 27. September in Shanghai die besten Nachwuchsfachkräfte der Welt aufeinandertreffen, ist einem Teil des österreichischen Nationalteams der Berufe die internationale Bühne bereits bestens bekannt. Denn sieben der 48 rot-weiß-roten Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren bereits bei der Berufs-Europameisterschaft EuroSkills 2025 in Herning (Dänemark) am Start.
Sie kennen das tagelange Arbeiten unter Beobachtung, die unerbittliche Jagd um Punkte, den Kampf gegen die Uhr sowie jene Momente, in denen ein einziger Fehler über Medaille oder Enttäuschung entscheiden kann. Die Dimensionen der größten Berufs-WM aller Zeiten sind allerdings auch für sie Neuland. 1.400 Teilnehmer:innen aus mehr als 70 Ländern und Regionen treten in Shanghai in 64 Wettbewerbsberufen an. 1,2 Millionen Fans werden erwartet.
Zwei Europameister mit neuer Mission
Angeführt wird das Team Austria von Jonas Danninger und Elena Mathis. Beide gewannen 2025 in Dänemark bereits EM-Gold. Danninger wurde zusätzlich als „Best of Nation“ ausgezeichnet.
- Fotos (© SkillsAustria/Wieser): Reist als amtierender Europameister zur Berufs-WM: Kälte- und Klimatechniker Jonas Danninger aus Herzogsdorf in Oberösterreich (Bild1, Bild2, Bild3), Pressetext, Steckbrief.
- Fotos (© SkillsAustria/Wieser): Will nach EM-Gold auf der Weltbühne nach oben: Hotel-Rezeptionistin Elena Mathis aus Hohenems in Vorarlberg (Bild1, Bild2, Bild3), Pressetext, Steckbrief.
Doch auf dem Erfolg ausruhen will sich der Kälte- und Klimatechniker nicht. „Der Europameistertitel ist schön. Aber in Shanghai hilft er mir nicht. Dort fängt alles wieder bei null an“, erklärt der Europameister, in dessen Familie internationale Berufswettbewerbe Tradition haben: Bruder Patrick gewann 2022 WorldSkills-Silber, Cousin Niklas holte 2023 den Europameistertitel. Stets an der Seite: Coach und Papa Rupert.
„Das ist eine schöne Geschichte! Jetzt zählt aber nur, was ich in Shanghai abliefere“, sagt Danninger voll fokussiert. In China muss die junge Fachkraft von Hauser Kältetechnik in Linz komplexe Kälte- und Klimaanlagen montieren, Fehler suchen und Anlagen unter hohem Zeitdruck in Betrieb nehmen. Auf Weltklasseniveau können bereits minimale Abweichungen entscheidend sein. „Es braucht ein extrem sauberes Training und eine akribische Vorbereitung, um ganz vorne mitmischen zu können. Auf diesem Niveau entscheiden Kleinigkeiten – und genau daran arbeiten wir“, erklärt Danninger, der bereits zu Trainingszwecken nach China flog. Er sagt: „Kultur, Jetlag, Essen – alles ist anders, darauf muss man sich erst einstellen.“
Auch Elena Mathis kennt das Gefühl, ganz oben auf dem Podium zu stehen. Die Vorarlbergerin holte bei EuroSkills 2025 Gold im Hotel-Rezeption-Bewerb. In Shanghai trifft sie nun auf noch größere internationale Konkurrenz. „Der Europameistertitel war ein unglaublicher Moment. Gleichzeitig hat er mir gezeigt, dass noch mehr möglich ist. Genau deshalb freue ich mich auf Shanghai“, sagt Mathis.
Ihr Wettbewerb verlangt weit mehr als freundliches Einchecken: Reklamationen, überraschende Gästewünsche, Reservierungen, Verkaufsgespräche und organisatorische Ausnahmesituationen werden realitätsnah simuliert. Neben Fachwissen zählen Auftreten, Sprachgefühl und die Fähigkeit, auch in schwierigen Momenten Ruhe auszustrahlen. Diese Unberechenbarkeit fasziniert Mathis an ihrem Beruf: „Man weiß am Morgen nie genau, welche Menschen man an diesem Tag kennenlernen wird. Jeder Gast bringt seine eigene Geschichte mit. Das macht den Beruf für mich so spannend.“
Auch Expertin Michaela Thalhammer traut der amtierenden Europameisterin bei der Weltmeisterschaft viel zu: „Elena hat bei EuroSkills gezeigt, dass sie auf höchstem Niveau bestehen kann. Was sie besonders auszeichnet, ist ihre positive Ausstrahlung und ihre Professionalität im Umgang mit Menschen. Genau das wird auch in Shanghai gefragt sein.“ Mathis selbst formuliert ihre Erwartungen nüchtern: „Natürlich wird die Konkurrenz in Shanghai enorm stark sein. Aber genau deshalb fährt man zu WorldSkills. Man möchte herausfinden, wo man international steht und sein Bestes geben.“ Was sie antreibt, nach EM-Gold sich nochmals international zu messen? „Ich finde dieses Gefühl einfach genial, in einem Team zu sein, sich mit anderen auszutauschen. Ich brauche auch irgendwo diese Wettbewerbssituation.“ Bereits in der Nacht nach ihrem Europameistertitel habe sie sich dazu entschlossen, auch bei der WM an den Start zu gehen.
Bronze als Ansporn
- Fotos (© SkillsAustria/Wieser): Greift nach seiner EM-Bronzemedaille nun bei WorldSkills an: IT-Netzwerk- und Systemadministrator Tarik Begeta aus Wien (Bild 1 (r.), Bild 2, Bild 3), Pressetext, Steckbrief
Tarik Begeta hat ebenfalls bereits seinen Platz auf einem internationalen Podium gefunden. Bei EuroSkills 2025 holte er Bronze in der IT-Netzwerk- und Systemadministration. In Shanghai will er beweisen, dass noch mehr möglich ist. „Ich möchte mich immer mit verschiedensten Leuten messen – und WorldSkills ist dafür die perfekte Möglichkeit“, sagt Begeta. Im Wettbewerb muss er Netzwerke planen, Server konfigurieren, Systeme absichern und technische Probleme innerhalb kürzester Zeit beheben. Stillstand gibt es in seinem Beruf ohnehin nicht. „Mich begeistern die neuen Technologien, die ständig dazukommen. Sie bringen laufend neue Lernmöglichkeiten, erleichtern aber gleichzeitig viele Abläufe“, erklärt er. Vor komplizierten Aufgaben schreckt Begeta nicht zurück: „Ich scheue mich nicht vor Problemen oder Herausforderungen.“
Mit der Wut im Bauch nach Shanghai
- Fotos (© SkillsAustria/Wieser): Will nach dem undankbaren vierten Platz bei den EuroSkills diesmal eine Medaille erobern: Maschinenbau-CAD-Techniker Sandro Flatz aus Fußach in Vorarlberg (hier, hier), Pressetext, Steckbrief.
- Fotos (© SkillsAustria/Wieser): Verpasste das EM-Podium als Vierter nur knapp und nimmt nun die Weltspitze ins Visier: Koch Hannes Sortsch aus Oberneukirchen in Oberösterreich (hier, hier), Pressetext, Steckbrief
Besonders groß ist der Erfolgshunger bei jenen beiden Teilnehmern, denen in Herning nur ganz wenig zu einer Medaille gefehlt hat. Koch Hannes Sortsch und Maschinenbau-CAD-Techniker Sandro Flatz belegten bei EuroSkills 2025 jeweils Rang vier und erhielten eine „Medallion for Excellence“. Ein ausgezeichnetes Resultat – und dennoch der undankbarste Platz im Wettbewerb. „Natürlich beschäftigt einen der vierte Platz“, sagt Flatz. „Man weiß, dass nicht viel auf eine Medaille gefehlt hat. Gleichzeitig ist genau das ein Ansporn für mich, noch härter zu arbeiten und es bei WorldSkills besser zu machen.“ Flatz konstruiert am Computer komplexe Bauteile und Baugruppen. Dabei zählen räumliches Vorstellungsvermögen, technisches Verständnis und absolute Genauigkeit. Sein Ziel für Shanghai lässt keinen Interpretationsspielraum. „Ich möchte den anderen Ländern beweisen, dass wir in Österreich eine Spitzenausbildung haben. Außerdem möchte ich mein Können unter Beweis stellen und zeigen, dass ich ganz oben mitspielen kann.“ Aufgeben passt ohnehin nicht zu seinem Charakter: „Sobald ich mir ein Ziel setze, verfolge ich dieses, bis ich es umgesetzt habe.“ Oder noch deutlicher: „Wer einmal so knapp am Podium vorbeigeschrammt ist, reist nicht nach China, um erneut Vierter zu werden.“
Ähnlich sieht es Hannes Sortsch: Der Koch hat in Dänemark erlebt, wie eng Erfolg und Enttäuschung bei einem internationalen Wettbewerb beieinanderliegen. „EuroSkills waren für mich der erste echte Gradmesser auf internationalem Niveau. Dort habe ich gesehen, was möglich ist und wo ich noch zulegen kann. Genau das nehme ich jetzt mit nach Shanghai“, sagt Sortsch. Was bei WorldSkills auf seinem Menüplan stehen wird, weiß er erst im Wettbewerb. Die Bandbreite reicht von spontanen Aufgaben bis zur anspruchsvollen Spitzengastronomie. „Wir bereiten uns auf unterschiedlichste Szenarien vor. Von spontanen Gerichten bis hin zu anspruchsvoller Haute Cuisine kann alles dabei sein“, erklärt Sortsch. „Auf diesem Niveau muss jeder Handgriff sitzen. Da entscheiden oft Sekunden und Details darüber, ob es reicht oder nicht.“ Seine Mission: „Ich will mein Können auf höchstem Niveau zeigen und mich sowohl fachlich als auch persönlich weiterentwickeln.“ Was in Herning gefehlt hat? Ein Handgriff. „Es war der Fisch, den ich ohne Handschuh angegriffen habe, der mich schlussendlich die Medaille kostete“, weiß Sortsch.
Aus Herning gelernt
- Fotos (© SkillsAustria/Wieser): Will seine Erfahrungen von den EuroSkills in eine WorldSkills-Medaille verwandeln: CNC-Fräser Deniz Mutun aus Lustenau in Vorarlberg (Bild1, Bild2, Bild3), Pressetext, Steckbrief
Auch CNC-Fräser Deniz Mutun nimmt seine EuroSkills-Erfahrung mit nach China. In Herning blieb er ohne Medaille, sammelte dafür Erkenntnisse, die sich im Training kaum simulieren lassen. „EuroSkills haben mir gezeigt, wie hoch das internationale Niveau wirklich ist“, sagt Mutun. „Gleichzeitig habe ich dort viel gelernt, über den Wettbewerb, über den Umgang mit Druck und auch über mich selbst. Diese Erfahrungen möchte ich in Shanghai nutzen.“
Vor allem die Dimension eines Großereignisses ist ihm nun vertraut: „Die Abläufe, die Atmosphäre und der Umgang mit Drucksituationen sind Faktoren, die sich nur schwer trainieren lassen.“ Dieser Vorsprung soll in Shanghai helfen. „In Herning war vieles neu für mich. In Shanghai werde ich deutlich besser vorbereitet an den Start gehen. Ich weiß heute, was mich erwartet und worauf es im Wettbewerb ankommt.“ Beim Ziel hält sich Mutun nicht zurück: „Wenn man bei WorldSkills antritt, dann möchte man natürlich ganz vorne dabei sein. Mein Ziel ist es, Gold für Österreich zu holen.“
Neue Mannschaft, alte Erfahrung
- Fotos (© SkillsAustria/Wieser): Bringt internationale Wettbewerbserfahrung in das neue WorldSkills-Duo ein: Mechatroniker Raphael Beutel aus Unterrohrbach in Niederösterreich (r.) tritt im Teambewerb Industrie 4.0 gemeinsam mit Mechatroniker Oliver Pape aus Wien an (Bild1, Bild2). Pressetext, Steckbrief
Raphael Beutel war ebenfalls schon bei EuroSkills 2025 dabei. Bei WorldSkills 2026 tritt er nun gemeinsam mit Oliver Pape im Teambewerb Industrie 4.0 an. Während Beutel internationale Wettbewerbserfahrung mitbringt, erlebt Pape in Shanghai seine Premiere auf dieser Bühne. Beutel nennt den direkten Vergleich als zentrale Motivation: „Ich möchte mich mit gleichgesinnten Menschen aus der ganzen Welt messen.“ Pape formuliert es ähnlich: „Ich will wissen, wo ich stehe, wenn es darauf ankommt, mich mit richtig guten Leuten messen und dabei selbst noch besser werden.“
In ihrem Wettbewerb müssen die beiden Produktionsprozesse vernetzen, Systeme programmieren, Daten auswerten und bei Störungen rasch reagieren. Dabei kommt es nicht nur auf das individuelle Können, sondern vor allem auf das Zusammenspiel an. Für beide ist Shanghai deshalb mehr als eine reine Medaillenjagd: „Der Wettbewerb bietet die Möglichkeit, sich mit den besten Nachwuchsfachkräften der Welt auszutauschen und internationale Erfahrungen zu sammeln.“
Die sieben EuroSkills-Starter:innen aus Österreich kennen Jubel, Enttäuschung und den schmalen Grat zwischen Podium und Blech. In Shanghai beginnt die Wertung dennoch wieder bei null. Der Unterschied: Diesmal wissen sie ganz genau, was auf sie zukommt. (PWK414/HSP)
Alle Fotos (kostenlos zur medialen Verwendung, © SkillsAustria) finden Sie auf dem Flickr-Kanal von SkillsAustria.
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