• 04.09.2026, 09:00:57
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ÖGARI – Neue internationale Empfehlungen nehmen die gesamte Versorgungskette in den Blick:

von der raschen Erkennung und Behandlung bis zur Nachsorge nach überstandener Sepsis

Wien (OTS) - 

Bei einer Sepsis zählt jede Minute. Wird die fehlregulierte Reaktion des Körpers auf eine Infektion zu spät erkannt und behandelt, können innerhalb kurzer Zeit lebenswichtige Organe versagen. Neue internationale Leitlinien sehen präzisere Empfehlungen vor, wie Sepsis möglichst früh erkannt, rasch behandelt und Patient:innen auch nach überstandener Erkrankung weiter betreut werden sollen.

Darauf macht die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) anlässlich des Welt-Sepsis-Tages am 13. September aufmerksam.

Die im März 2026 veröffentlichten internationalen Leitlinien der Surviving Sepsis Campaign (SSC) – einer gemeinsamen Initiative der Society of Critical Care Medicine (SCCM) und der European Society of Intensive Care Medicine (ESICM) – aktualisieren die Empfehlungen. Sie reichen von Früherkennung und Diagnostik über Antibiotikatherapie und Kreislaufstabilisierung bis hin zur Betreuung nach dem Krankenhausaufenthalt.

»Die neuen Leitlinien zeigen sehr deutlich, worauf es bei Sepsis ankommt: Wir brauchen eine Versorgungskette, in der ein Verdacht möglichst früh erkannt wird und die notwendigen diagnostischen und therapeutischen Schritte ohne vermeidbare Verzögerungen ineinandergreifen.«, erläutert Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, Präsident der ÖGARI.

Sepsis schneller erkennen

Ein Schwerpunkt der neuen Empfehlungen ist die möglichst frühe Erkennung einer Sepsis. Standardisierte Frühwarnsysteme sollen Veränderungen wichtiger Körperfunktionen wie Blutdruck, Puls, Atmung, Temperatur und Bewusstseinslage rechtzeitig erfassen. Die Leitlinien empfehlen dafür ausdrücklich etablierte Score-Systeme wie NEWS, NEWS2, MEWS oder die SIRS-Kriterien und raten davon ab, sich allein auf den qSOFA-Score zu stützen. Die Mitglieder der ÖGARI sind hier auch aktiv in der Forschung tätig. Zum einen bieten neue Techniken der Datenanalyse neue Möglichkeiten der Früherkennung, zum anderen können Miniaturüberwachungsgeräte, sogenannte Wearables engmaschig wichtige Patientendaten übermitteln.

Denn auch weiterhin gilt: Sepsis ist eine klinische Diagnose und lässt sich nicht durch einen einzelnen Test bestätigen oder ausschließen. Entscheidend ist das Gesamtbild. Zusätzlich sollen bei Verdacht unter anderem Laktatwert und Blutkulturen bestimmt werden – ohne die notwendige Behandlung zu verzögern.

Antibiotika: Bei Sepsis zählt jede Stunde

Besonders klar sind die Empfehlungen zur Antibiotikatherapie: Bei septischem Schock sowie bei wahrscheinlicher oder gesicherter Sepsis sollen Antibiotika sofort, möglichst innerhalb einer Stunde, verabreicht werden. Ist eine Sepsis zunächst nur möglich und liegt kein Schock vor, soll rasch abgeklärt und bei erhärtetem Verdacht innerhalb von drei Stunden mit der Antibiotikatherapie begonnen werden.

Kreislauf rasch stabilisieren

Ebenso wichtig ist es, den Kreislauf zu stabilisieren und die Versorgung der Organe sicherzustellen. Dafür werden Flüssigkeit und bei Bedarf Medikamente zur Stabilisierung des Blutdrucks eingesetzt. Die Behandlung wird dabei laufend an den Zustand der Patient:innen angepasst. »Bei einer Sepsis greifen viele Maßnahmen ineinander: rasche Diagnostik, Antibiotikatherapie, Kreislaufstabilisierung und engmaschige Überwachung. Entscheidend ist, dass diese Maßnahmen rasch und koordiniert erfolgen.«, betont Univ.-Prof. DDr. Stefan Schaller, MHBA, Professor für Anästhesie und anästhesiologische Intensivmedizin und Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie an der Medizinischen Universität Wien und am Universitätsklinikum AKH Wien.

Die Versorgung endet nicht mit dem Überleben

Ein weiterer Schwerpunkt der Leitlinien betrifft die Genesung nach der Akutphase. Nach schwerer Sepsis und intensivmedizinischer Behandlung können körperliche, kognitive und psychische Beeinträchtigungen länger fortbestehen – etwa Muskelschwäche, verminderte Belastbarkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme oder psychische Belastungen. Diese können Teil eines Post-Intensive-Care-Syndroms (PICS) sein.

Die internationalen Leitlinien empfehlen deshalb, Patient:innen und ihre Familien bereits vor der Entlassung über mögliche Folgen einer Sepsis und einer intensivmedizinischen Behandlung zu informieren. Darüber hinaus empfehlen sie, Überlebenden einer kritischen Erkrankung strukturierte Nachsorgeangebote zu machen, nach längerer Beatmung eine physische Rehabilitation anzubieten und psychische Folgen aktiv zu berücksichtigen.

Univ.-Prof. DDr. Stefan Schaller betont: »Unser Ziel darf nicht allein sein, dass Patient:innen eine lebensbedrohliche Erkrankung überleben. Entscheidend ist auch, wie sie in ihr Leben zurückkehren. Die Behandlung einer Sepsis endet deshalb nicht mit der Entlassung aus der Intensivstation: Mögliche körperliche, kognitive und psychische Langzeitfolgen müssen früh erkannt und Betroffene gezielt unterstützt werden. Deshalb haben wir kürzlich am Universitätsklinikum AKH Wien dafür eine eigene Ambulanz für das Post-Intensive-Care-Syndrom eingerichtet.«

Leitlinien als Grundlage einer durchgängigen Versorgung

Für die ÖGARI unterstreichen die neuen internationalen Empfehlungen die Bedeutung klar strukturierter Behandlungspfade. In Österreich steht dafür zusätzlich das ÖGARI-Konsensuspapier zur Prävention, Diagnostik, Behandlung und Nachbetreuung von Sepsis aus 2023 zur Verfügung.

»Vom ersten Verdacht über die Akutbehandlung bis zur Nachsorge darf möglichst keine Lücke entstehen.«, fasst Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, Präsident der ÖGARI, zusammen. »Die aktuellen Leitlinien geben uns dafür eine wissenschaftlich fundierte Grundlage. Entscheidend ist nun, diese Empfehlungen konsequent in funktionierende Versorgungsabläufe zu übersetzen.«

Die Leitlinien im Volltext: https://www.sccm.org/survivingsepsiscampaign

Rückfragen & Kontakt

Fischill PR
Dr. Britta Fischill
Telefon: +43 676 3039699
E-Mail: [email protected]

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